Losung

für den 25.08.2019

Was vom Hause Juda errettet und übrig geblieben ist, wird von Neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht tragen.

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Evangelische Kirchengemeinde Trinitatis

Bestürzung über den Tod von Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel

Fassungslosigkeit und Entsetzen löst der plötzliche Tod von Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel aus. Der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand am 10. März musste abgebrochen werden, er verstarb noch am gleichen Tag im Krankenhaus.

Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel

Eigentlich sollte es ein schöner Tag des Dankes und der Würdigung werden. Nach der schrecklichen Wende, die viele Gottesdienstbesucher miterlebten, bleibt eine tiefe Erschütterung. Dietrich Köhler-Miggel wird eine schmerzliche Lücke hinterlassen. Mit unseren Gedanken sind wir vor allem bei seiner Familie, mit der er seinen Ruhestand aktiv geplant hatte.

Der einzige Trost, der uns angesichts dieses unfassbaren Todes bleibt, ist der, den Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel selbst bis zum Ende verkündete: „Jesus Christus spricht: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!“ (Matthäus 28,20).  Seine letzte Andacht im Gemeindebrief über diesen Vers schloss er mit den Worten: „Einen schöneren Spruch kann es zu meinem Abschied nicht geben.“

Kondolenzbuch LupeKondolenzbuch

Trauergottesdienst am Samstag

Drei Tage lang war die Jesus-Christus-Kirche geöffnet und bot eine Anlaufstelle, um das Unfassbare im stillen Gedenken zu bewältigen. Es wurden Blumen und Kerzen gebracht, getrauert und getröstet. Am Kondolenzbuch bildeten sich zeitweise lange Schlangen. So viele Menschen hinterließen einen letzten Gruß oder hielten manche persönliche Erinnerung fest. Und immer wieder: "Danke, Dietrich!"

Der Trauergottesdienst fand am Samstag, 16. März in der Jesus-Christus-Kirche in Duisburg-Buchholz statt. Die anschließende Beisetzung wurde im engen Familienkreis durchgeführt.

 

Worte zum Abschied

Über seinen Abschied aus der Gemeinde hat Dietrich Köhler-Miggel im letzten Gemeindebrief nachgedacht und rückblickend auf sein Wirken geschrieben:

"Eine Schneekugel wird abgestellt. Die letzten Flocken setzen sich nieder. Alles ist klar zu sehen. Jetzt, wo ich zur Ruhe komme, sehe ich klarer, was die 27 Jahre und 11 Monate in Buchholz für mich bedeuten. Kann auch klar sehen, was ich getan und gelassen habe. Zurückzuschauen ist so etwas wie ein Jahresrückblick, die kurzfristigen emotionalen Hochs und Tiefs sind weg, Linien werden sichtbar.

Da sind die Amtshandlungen. Ich sehe die Angehörigen und Verstorbenen der rund 1000 Beerdigungen, Eltern und Kinder bei 700 Taufen, die 500 Konfirmandinnen und Konfirmanden mit ihren Eltern. Nicht zu vergessen die über 100 getrauten Paare.

Dann gehören dazu die Gottesdienste, die am Anfang noch um 9:00 Uhr in der Kapelle der BGU und dann um 10:00 Uhr in der Jesus-Christus-Kirche oder der Arche stattfanden. Zum Schluss sind es ungefähr 450 ausgearbeitete Predigten. Die Samstage waren davon geprägt, in den Text zu kriechen, ihn zu verstehen und in mir zum Klingen zu bringen und dann Wege zu finden, das Entdeckte am Sonntag auf der Kanzel zu predigen. Mich hat es immer geärgert, wenn jemand sagte, das kann ich auch, mich da hinstellen und etwas vorlesen. Nein, ich versuchte, mit dem Text eins zu werden. Nicht umsonst sind Text und Textil ein Wort. Manche Texte passten mir gut, andere musste ich drehen und wenden, damit sie eine frohe Botschaft wurden. Je länger ich das gemacht habe, umso leichter fiel es mir. Die Tiefe, die Funktion und die Schönheit der Texte erschlossen sich mir immer besser und so konnte ich Dinge neu anziehen und tragen. Dazu verhalfen mir auch die ca. 300 Schulgottesdienste und ungefähr 700 Kindergottesdienste.

Der Konfirmandenunterricht war für mich eine besondere Aufgabe und zugleich ein großer Schatz, denn ich war immer gefordert, mich den jeweiligen Lebensvorstellungen junger Menschen zu stellen. Ihnen zu vermitteln, was es bedeutet, dass Gott sie sieht, war die größte Herausforderung: nicht als großer Kontrolleur, sondern als liebevoll zugewandte Person, die für sie das Gute will. Die letzten Jahrgänge war es kein Unterricht mehr, der Inhalte und Themen vermittelt, sondern ein Ort und eine Zeit der Begegnung mit den jungen Menschen, die sich in ihrer Welt neu finden müssen. Das zu begleiten und zu thematisieren, war meine Aufgabe, ja, auch den Eltern Mut zu machen, Veränderungen zuzulassen und keine Angst zu haben.

Das zentrale Erlebnis war stets die Fahrt ins Friedensdorf Oberhausen. Seit 1986 sind alle meine Konfis dort gewesen und haben erleben dürfen, dass schweres Leid und körperliche Versehrtheit Lebensfreude nicht ausschließen.

Und dann ist da die Seelsorge, gerne auch zwischen Tür und Angel. Je älter und langsamer ich wurde, nahm ich mir gerade dafür Zeit, niederschwellig die Dinge zu besprechen, die nach einer Entscheidung schreien, aber nicht leicht umzusetzen sind.

Plötzliche Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit, die Hilfsbedürftigkeit der alten Eltern - und wo bleibe ich bei all dem, und wie finde ich dennoch zu mir, ohne an den Aufgaben zu zerbrechen. Oft wurde ich angerufen und Menschen konfrontierten mich mit ihrer Situation. Mit der Zeit verlor ich die Angst. Konnte besser zuhören und im Zuhören die anderen dazu bringen, dass sie das, was in ihnen ist, auch langsam aussprechen und sich eingestehen können.

Ich denke auch darüber nach, was ich gelassen habe, wo ich nicht zu Menschen gegangen bin, wo ich einige übersehen habe, vielleicht auch beiseite gedrängt habe. Die, die Grund haben, von mir enttäuscht zu sein, möchte ich bitten, mir das zu entschuldigen.

Dankbar bin ich allen, die mich haben machen lassen und die mich unterstützt haben. Oft wusste ich nicht, ob etwas zu schaffen ist, und immer wieder hörte ich ein Ja, wenn ich um Hilfe bat. Das sehe ich jetzt ganz klar, was andere alles gemacht haben. Herzlichen Dank! Und dass ich alles in dieser Intensität machen konnte, weil meine Frau mich darin großartig unterstützt hat, muss unbedingt erwähnt werden. Wie oft hat sie mir aus der Patsche geholfen, noch schnell etwas nachgebracht, was ich vergessen hatte, viele Kuchen gebacken oder Salate zubereitet, weil ich irgendwo Zusagen gemacht hatte.

So schließe ich mit einem großen: Gott sei Dank!"

 

11.03.2019



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