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für den 03.06.2020

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Oberkirchenrätin Henrike Tetz Oberkirchenrätin Henrike Tetz

Kinder- und Jugendarbeit

„Der digitale Kontakt zu Gleichaltrigen reicht nicht aus“

Oberkirchenrätin Henrike Tetz spricht im Interview über die Notwendigkeit von Präsenzangeboten für junge Menschen, die Verantwortung der Presbyterien und den Wert eines Austauschs von Angesicht zu Angesicht.

Frau Tetz, warum sollten wir als Kirche möglichst wieder Präsenzaktivitäten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und der Jugendverbandsarbeit entwickeln?

Henrike Tetz: Die coronabedingten Veränderungen treffen auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die Gruppe junger Menschen ist äußerst heterogen. Darum sind keine Pauschalaussagen möglich. Aber eine aktuelle Studie zeigt deutlich einige zentrale Aspekte: Vielen jungen Menschen reicht der digitale Kontakt zu Gleichaltrigen nicht aus. Sie leiden unter Einsamkeitsgefühlen, obwohl die meisten sehr viel über digitale Netzwerke kommunizieren. Sie vermissen den direkten Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden und gemeinsame Erlebnisse an einem Ort. Außerdem wollen die jungen Menschen in der aktuellen Debatte nicht auf Kategorien wie Schülerinnen und Schüler reduziert werden. Und schließlich wollen sie gehört und beteiligt werden.

Was folgt daraus?

Tetz: Präsenzangebote für Kinder und Jugendliche sind ein starkes Bedürfnis der jungen Menschen. Sie brauchen Orte, wo sie wieder Face-to-Face-Erfahrungen machen können. In der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit können wir ihnen solche Orte eröffnen. Wir schaffen  Begegnungsräume, in denen sie sich unter Schutzmaßnahmen treffen können,und zwar außerhalb von Schule und deren Anforderungen. Außerdem haben junge Menschen in der Kinder- und Jugendarbeit von Gemeinden, Verbänden und Werken die Möglichkeit, sich selbst zu empowern. Dort können sie sich offen austauschen, diskutieren, ihre Interessen formulieren und Wünsche äußern. Partizipation, selbstbestimmte Teilhabe, das Gefühl haben, ernst genommen zu werden, das ist wichtig für sie.

Verordnungen, Auflagen, Richtlinien – im Moment regnet es nur so von Regelungen aller Art. Die Presbyterien übernehmen dabei viel Verantwortung.

Tetz: In der Tat! Mein Dank gilt allen, die sich den Anforderungen stellen und trotz allem ihr Engagement aufrechterhalten. Ich habe großes Verständnis dafür, dass es Personen gibt, die viele Bedenken oder sogar Ängste haben – zum einen vor der Gesamtsituation und zum anderen auch hinsichtlich der Verantwortung, Entscheidungen treffen zu müssen. Es gibt ja leider keine beste Strategie für alle. Die Situation muss immer vor Ort betrachtet und beurteilt werden. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: das Infektionsgeschehen in der Region, aber auch die örtlichen Rahmenbedingungen in der Gemeinde.

Was kann den Presbyterien bei Entscheidungen zur Öffnung ihrer Kinder- und Jugendarbeit helfen?

Tetz: Grundlage sind selbstverständlich immer die aktuellen Rechtslagen in den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und im Saarland ist eine weitere Öffnung der außerschulischen Bildungsarbeit und der Kinder- und Jugendarbeit im Moment möglich und gewollt, allerdings immer unter genau beschriebenen Voraussetzungen und Schutzmaßnahmen. Für die Planung von Aktivitäten und Veranstaltungen gibt es viele Hilfestellungen, zum Beispiel in Form von Musterhygieneplänen.

Sind die teils neu entstandenen digitalen Angebote damit wieder überflüssig?

Tetz: Nein, jede Form von Angebot ist im Moment sehr wertvoll. Um viele Kinder und Jugendliche zu erreichen, bleibt es wichtig, digitale Kontaktmöglichkeiten und Angebote beizubehalten oder weiter auszubauen. Von der Ideenvielfalt, die hier in den vergangenen Wochen entstanden ist, bin ich stark beeindruckt. Ein Dank an alle, die hier kreativ und engagiert waren. Nun geht es aber eben auch wieder darum, parallel dazu Präsenzangebote zu entwickeln. Damit meine ich nicht, große Events oder weite Reisen zu planen. So weit ist es noch lange nicht. Aber auch kleine Angebote vor Ort können im Moment große Wirkung zeigen: Treffen zum direkten Austausch, gemeinsames Lachen, Spiele auf Abstand, all das brauchen junge Menschen jetzt.


Zur Person:
Oberkirchenrätin Henrike Tetz ist hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland und Leiterin der Abteilung 3 - Erziehung und Bildung im Landeskirchenamt.  Bis März 2018 war sie Schulpfarrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Bilk. Mit Gründung des Kirchenkreises Düsseldorf im Jahr 2007 wurde sie Mitglied des Kreissynodalvorstands und leitete die Abteilung Seelsorge des Kirchenkreises Düsseldorf. Ende 2010 wählte die Kreissynode Düsseldorf sie zur Stadtsuperintendentin.


Weiterführende Links:
Erste Ergebnisse der Studie „Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahmen“

Corona-Sonderseite der Evangelischen Jugend im Rheinland

Musterhygieneplan des Berliner Senats für Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit

Tipps für Angebote auch ohne direkten Kontakt
 

Nordrhein-Westfalen
Rechtliche Grundlagen

Informationen der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW

Informationen des Landesjugendamts des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR)

Informationen des Landesjugendrings NRW

Rheinland-Pfalz
Rechtsgrundlagen

Informationen des Landesjugendamts

Hessen
Aktuelle Informationen der Landesregierung

Informationen des Hessischen Jugendrings

Saarland
Aktuelle Informationen der Landesregierung

 

ekir.de / Ekkehard Rüger, Foto: Thomas Goetz / 02.06.2020



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