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für den 22.03.2019

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Wie sah Gerhard Tersteegen aus? Von dem Laienprediger und Liederdichter gibt es keine gesicherte wirklichkeitsgetreue Abbildung. Wie sah Gerhard Tersteegen aus? Von dem Laienprediger und Liederdichter gibt es keine gesicherte wirklichkeitsgetreue Abbildung.

Erinnerung an Gerhard Tersteegen

Vater der Erweckten

Vor 250 Jahren, am 3. April 1769, starb der Liederdichter, seelsorgliche Briefschreiber und Erweckungsprediger Gerhard Tersteegen. Sein Bekenntnis und Vermächtnis „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart“ findet sich im Kirchengesangbuch ebenso wie im Repertoire der Don Kosaken und im Großen Zapfenstreich.

Der im niederrheinischen Moers aufgewachsene Tersteegen kam 1713 nach Mülheim/Ruhr, um bei einem Verwandten eine Kaufmannslehre zu machen, wenngleich ihn die biblischen Schriften viel mehr interessierten. Doch die Armut der Familie verhinderte ein entsprechendes Studium.

Ein Mann mit rheinischer Biografie – aber einer von uns?

In Moers geboren, von Mülheim aus gewirkt – eine rheinische Biografie. „Aber einer von uns? Eher nicht: auf Distanz zur Kirche als Institution, zur Amtskirche, zur Volkskirche. Sie war ihm zu wenig fromm, und wir heute wären ihm nicht auf die richtige Weise fromm. Tersteegen war und ist ein Vater der Erweckung und der Erweckten“, sagt Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Tägliches Bibellesen war für Tersteegen existenziell. Ihm waren die biblischen Schriften ein vom Himmel zugesandter Liebesbrief Gottes, den man betend lesen und lesend beten müsse. Tersteegen legte die Bibel in seinem weit verbreiteten Liederbuch „Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen“ aus, in eigenen Schriften und Übersetzungen, in umfangreicher Korrespondenz mit zahlreichen Freunden aus pietistischen und erweckten Kreisen, in Predigten und persönlichen Begegnungen.

Landeskirchliche Schätze aus Leben, Werk und Netzwerk

Wer sich in diesem Jahr aus gegebenem Anlass mit Gerhard Tersteegen beschäftigen möchte, findet in der Archivbibliothek des Landeskirchenamts in Düsseldorf Schätze aus dessen Leben, Werk und Netzwerk.

Professor Gustav Adolf Benrath (verstorben 2014) hat ein zweibändiges Werk mit 750 Briefen Tersteegens herausgegeben, von denen das landeskirchliche Archiv eine ansehnliche Zahl hütet. „Gerhard Tersteegen hatte eine ebenmäßige Handschrift, sehr gut lesbar“, stellt Archivdirektor Stefan Flesch anhand von Originalen unter Beweis. Der Brief sei für Tersteegen seinerzeit das entscheidende Medium gewesen, um Beziehungen zu pflegen und zu vertiefen. „Überlieferungsgeschichtlich ist es erstaunlich, auf welchen Wegen und Irrwegen sich die Briefe mehr als drei Jahrhunderte erhalten haben“, stellt Flesch heraus. Der Archivar liest daraus, dass die Adressaten ihnen hohen Wert beimaßen.

Gottes Gegenwart und ein Gnadengeburtstag  

„Die Ent­de­ckung der in­ne­ren Ge­gen­wart Got­tes war das geist­li­che Grund­da­tum sei­nes Le­bens, sein Gna­den­ge­burts­tag“, schreibt  Hermann-Peter Eberlein im Portal Rheinische Geschichte über Gerhard Tersteegen. „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten“, singen Christinnen und Christen bis heute in einem seiner bekanntesten Lieder.

Sicher im Panzerschrank des landeskirchlichen Archivs liegt das Original von Tersteegens legendärem Blutbrief. Am Grün­don­ners­tag 1724 „ver­schrieb“ er sich in Form einer Urkunde eigenhändig und mit seinem Blut an den „Heylan(de) und bräutigam Christo Jesu“. Da Christus ihm das „liebvolle Hertze deines Vaters“ eröffnet habe, gebe er sich aus Dankbarkeit bis in die Ewigkeit ihm hin. Solche Blutverschreibungen wiederholte Gerhard Tersteegen 1731 und 1738. Zwei Briefe sind erhalten und mit kriminaltechnischen Mitteln untersucht worden. Der Brief von 1738 wurde erst 2002 nach Mülheim zurückgebracht und befindet sich dort im Stadtarchiv. Der von 1731 ist verschollen.

Kuriositäten: Bettgestell, Gehstock, Schrank und Kommode

Den Blick auf Kuriositäten geben die Tiefen des Landeskirchenamts frei: ein Bettgestell, in dem Tersteegen genächtigt haben soll, samt Gehstock, Stuhl, Kommode und schmalem Schrank. Das Inventar des sogenannten Tersteegen-Zimmers fiel dem Archiv mit Auflösung des Evangelischen Brüdervereins in Waldbröl-Rölefeld zu. Ursprünglich stammt es aus der Pilgerhütte Otterbeck in Heiligenhaus, einer evangelischen geistlichen Kommunität, die Tersteegen betreute. Das alte Hofgut musste in den 1960er Jahren dem Straßenausbau weichen.

Seine Lieder singen und sich von ihnen beirren lassen

Die Schätze sind gehoben und erschlossen . Bis heute wirkt die Spiritualität des theologischen Autodidakten. „Als Rheinländer ist Tersteegen einer von uns, als Mystiker eher keiner von uns“, ordnet Manfred Rekowski ein. „Aber vielleicht einer für uns? Ich wage zu behaupten: Er warnt uns vor der Gefahr, dass uns die Balance von Gott und Welt, Schöpfer und Schöpfung zur anderen Seite hin verrutscht – die Weltverantwortung zur Gottvergessenheit. Ich rege an, dass wir im Rheinland es in diesem Jahr verstärkt mit seinen Liedern versuchen, sie singen, über sie predigen und diskutieren, dass wir uns von ihnen beirren lassen und selig werden.“    

Zweifellos, sagt Stefan Flesch, gehöre Gerhard Tersteegen in das künstlerische Projekt „Kirchenköpfe“ im Landeskirchenamt. Die auf die Wände aufgebrachten Porträts würdigen Persönlichkeiten, die die evangelische Kirche geprägt, bewegt und verändert haben. Da es von Tersteegen jedoch keine gesicherte wirklichkeitsgetreue Abbildung gibt, wird sein Platz in dieser Galerie wohl leer bleiben.

 

ekir.de / Cornelia Breuer-Iff, Grafik: Silke Salzman-Bruhn / 25.01.2019



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