Brennwertgeräte oft ohne Brennwertnutzung
Wo Brennwertgeräte installiert sind, erwarten die Nutzer, daß der Wirkungsgrad entsprechend hoch und der Heizenergieverbrauch niedrig ist. Aber das ist sehr oft nicht der Fall. Denn die Abgastemperatur liegt bei ganz vielen Anlagen mit Brennwert-Heizungskesseln über 60°C. Eine Nutzung des Brennwerteffektes gibt es aber nur bei tieferen Abgastemperaturen. Zur Illustration hier ein Diagramm, das für ein bestimmtes Brennwertgerät den Wirkungsgrad in Abhängigkeit von der Abgastemperatur zeigt:

Das Diagramm zeigt, dass bei diesem Kesseltyp ein Wirkungsgrad von 100% (rel. zum Heizwert des Gases) erst bei einer Abgastemperatur von maximal 55°C erreicht wird, die wirklich guten Werte sogar erst unter 45°C.
Wovon hängt die Abgastemperatur ab? Die Abgastemperatur hängt ab von der Rücklauftemperatur (Temperatur, mit der das Heizwasser aus dem Heizkreis in den Heizungskessel fließt): je niedriger die Rücklauftemperatur, umso niedriger auch die Abgastemperatur. Die Rücklauftemperatur sollte deshalb möglichst unter 50°C , besser unter 45°C liegen (Ausnahme: mittlerer bis starker Frost). Es empfiehlt sich also, die Rücklauftemperatur Ihres Kessel während der Heizperiode zu kontrollieren.
Wenn die Abgastemperatur eines Kessels zu hoch ist, kann das folgende Ursachen haben:
- Der Abgaswärmetauscher im Kessel ist sehr verschmutzt. Abhilfe: Wartung mit Reinigung.
- Das Heizprogramm ist auf eine zu hohe Vorlauftemperatur (Temperatur, mit der das Heizwasser in den Heizkreis fließt) eingestellt. Dann ist aber auch die Rücklauftemperatur hoch. Abhilfe: Programmierung ändern, Vorlauftemperatur so niedrig wie möglich, d. h. wie für ausreichenden Raumtemperatur nötig; evtl. Grenzwert für Maximum der Vorlauftemperatur senken (möglichst auf etwa 55°C).
- Die Umwälzpumpe läuft mit zu hoher Leistung. Das Heizwasser kann in den Heizkörpern nicht stark genug abkühlen und die Rücklauftemperatur ist unnötig hoch. Abhilfe: Umwälzpumpe auf niedrigere/niedrigste Leistung schalten, d. h. wieder wie für eine ausreichende Raumtemperatur nötig. Damit wird zugleich elektrischer Strom gespart.
- In einem oder mehreren Heizkörpern fließt das Heizungswasser zu ungebremst vom Vor- zum Rücklauf. Abhilfe: Im Thermostatventil besteht (in der Regel) die Möglichkeit zu einer Voreinstellung für den Durchfluss. Diese Voreinstellung muß geändert werden hin zu einem geringeren Durchfluss. Ideal: hydraulischer Abgleich der ganzen Heizungsanlage; das ermöglicht zugleich die niedrigste Umwälzpumpenleistung.
- Mit dem Kessel wird (auch) ein Warmwasserspeicher beheizt. Dieser Speicher ist möglicherweise rel. zum Warmwasserverbrauch viel zu klein und die Temperatur des Warmwassers ist hoch (auf 60 °C oder höher) eingestellt. Die Folge: Der Heizkessel muß in kurzen Abständen den Speicher aufheizen und dabei selber auf über 60 °C aufgeheizt werden. Abhilfe: größerer Warmwasserspeicher oder niedrigere Warmwassertemperatur (bei Duschwasser evtl. Legionellengefahr).
- Die Heizkörper sind zu klein, d.h. haben eine zu geringe Heizleistung. In diesem Fall muss die Temperatur des Heizungswasser bei größerer Kälte zu hoch sein, als dass der Brennwerteffekt genutzt werden kann. Abhilfe würde nur ein geringerer Wärmebedarf der beheizten Räume schaffen, also ein verbesserter Wärmeschutz - oder aber (weniger sinnvoll) der Einbau von Heizkörpern mit größerer Heizleistung. In der Regel sind freilich in Altbauten die Heizkörper ausreichend groß, obwohl sie für eine höhere Vor-/Rücklauftemperatur ausgelegt sind, weil Heizkörper früher eher überdimensioniert wurden und meistens in der Zwischenzeit der Wärmeschutz verbessert wurde.
Wetzlar, Oktober 2005
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