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für den 26.06.2017

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1.Chronik 28,9

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Kirche in WDR 2; ekir.de / Ulrike Paas/ Evdus, Foto: Sergej Lepke /

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Dusty Keepers (von links), Nina Müller van Velden, Chi-Kang Chiang, Etoile Lily Aywkar Ajavess und Aleena Toplak erleben in Wuppertal die Vielfalt der reformierten Positionen. Dustyn Keepers (von links), Nina Müller van Velden, Chi-Kang Chiang, Etoile Lily Aywkor Ajavess und Aleena Toplak erleben in Wuppertal die Vielfalt der reformierten Positionen.

Global Institute of Theology 2017

Frischer Schwung statt Schubladendenken

Reformiert sein – darunter fallen weltweit verschiedene Traditionen. Beim Global Institute of Theology in Wuppertal spürt der theologische Nachwuchs den einenden Elementen nach. Ein Gespräch auf dem „Heiligen Berg“ mit bewegten Teilnehmenden.

Unter dem Dach der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) finden sich sehr verschiedene Mitgliedskirchen. Die regionalen und theologischen Traditionen sind breit gefächert. Im Rahmen des Global Institute of Theology (GIT), einem akademischen Kurzprogramm des WGRK, begeben sich aktuell 45 Studierende gemeinsam mit 10 Dozentinnen und Dozenten auf ihre Spuren.

„Wir haben über hundert Bewerbungen erhalten, so viele wie nie zuvor“, freut sich GIT-Leiterin Dr. Aruna Gnanadason. Die diesjährigen Teilnehmenden des GIT sind zwischen 22 und 37 Jahren alt und kommen aus allen Weltregionen. Sie finden auf dem „Heiligen Berg“, am Standort der Kirchlichen Hochschule (KiHo) Wuppertal/Bethel und Vereinten Evangelischen Mission, ideale Bedingungen für ihre gemeinsame Arbeit.

Auch Pfarrer Martin Engels, der Moderator des Reformierten Bundes in Deutschland, ist froh über die Wahl des Tagungsortes: „Von Wuppertal geht eine große Ausstrahlung in die reformierten Kirchen aus. Hier entstand die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Der Ort steht damit in enger Korrespondenz zu den klassischen Luther-Städten.“

Sprache spielt eine wichtge Rolle

Auf die Frage, wovon sie ihren Freunden daheim erzählen werden, berichten die jungen Theologinnen und Theologen begeistert von den Morgenandachten, gemeinsamen Gebeten aus unterschiedlichen geistlichen Positionen und vor verschiedenen kulturellen Hintergründen. Freiwilligenteams übernehmen die Vorbereitung. Sie greifen die Themen der kommenden Generalversammlung der WGRK auf oder bringen liturgische Elemente ihrer Heimatländer und -kirchen miteinander in Dialog.

Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Gruppe unterhält sich in- und außerhalb des Unterrichts auf Englisch. Liturgie, Lesung oder Gebete werden in den einzelnen Muttersprachen gehalten und konsekutiv übersetzt. Einmal haben sie das Vater Unser alle zeitgleich gesprochen, aber jede und jeder im vertrauten Wortlaut aus der Heimat. Musik und Tänze entfalten zusätzlichen Drive, der frische Schwung reicht über die Andachten hinaus.

Ende des Schubladendenkens

Jede und jeder der Teilnehmenden bringt eigene Glaubenserfahrungen und Prägungen mit nach Wuppertal. „Reformiert sein ist so viel mehr als bloß ein Bildersturm,“ fasst Pastorin Aleena Toplak (33) ihre Eindrücke zusammen. Die „reformierte Familie“, wie die junge Frau aus der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Nordhorn in Niedersachsen sie nennt, vereint Traditionen ganz unterschiedlicher Art. Da prallten schon mal Welten aufeinander, etwa wenn sie Vertreter reformierter Kirchen mit einem Kruzifix um den Hals sehe. Doch sie empfindet solche Brüche als gesund, sie seien Ausgangspunkte für die Suche nach einenden Elementen zwischen den verschiedenen Mitgliedskirchen der WGRK.

Ein Ende des Schubladendenkens, in theologischer, regionaler und kultureller Hinsicht, ist das Ziel des GIT. Am Anfang dessen steht die Wahrnehmung der vielfältigen Kontexte, aus denen die Teilnehmenden kommen. Sie spiegeln sich auch in der Gesprächsführung wieder, als Mitglieder der Studiengruppe auf der Terrasse des Tagungszentrums an ekir.de berichten. Theologiestudent Chi-Kang Chiang (34) kommt aus Taiwan. Er bedankt sich vielfach, bevor er anfängt zu erzählen, weshalb er nach Wuppertal gekommen ist.

Seine Kommilitonin Etoile Lily Aywkor Ajavess aus Ghana sprudelt gleich los. Die 37-Jährige ist auf einem spannenden Weg: In wenigen Wochen wird die ehemalige Methodistin als Pastorin der Presbyterianischen Kirche Ghanas ordiniert werden. Dustyn Keepers (34) erläutert, wie sie Gott anrief, um ihre Berufung zu prüfen. Die US-Amerikanerin war schon sechs Jahre lang Gemeindepastorin der Reformed Church in America, bevor sie zurück an die Uni ging.

Die gleichaltrige Nina Müller van Velden ist Mitglied der Dutch Reformed Church und promoviert im südafrikanischen Stellenbosch. Ihr ist wichtig, auch im Gespräch über das GIT zu ihrer Haltung – klar hingewandt zu Gott –zu stehen: „Wir können beten, gleich jetzt und hier! Kein Problem.“ Pastorin coll. Aleena Toplak erzählt dagegen, was sich beim Studienaufenthalt an ihrer Arbeit an und mit der Bibel ändert. Primo scriptura – typisch für eine deutsche Protestantin?

Vielfalt erleben, Wissen mitnehmen

Die Vielfalt der Positionen ist für Chi-Kang Chiang nichts Ungewöhnliches. In seiner Heimat Taiwan gibt es 22 Landessprachen und eine multilinguale Kultur. Religion als einendes Element spielt für den Presbyterianer deshalb eine große Rolle. „Es ist wichtig, dass wir uns als Brüder und Schwestern im Glauben begreifen.“ findet er. Sonst bleibe man gedanklich in einem engen Rahmen. Der Studienaufenthalt in Wuppertal hilft ihm, diese Grenzen zur überwinden: „Mein Horizont hat sich erweitert, er ist universell geworden.“

Er beobachte, welche neuen Impulse die GIT-Teilnehmenden einbringen, gleichzeitig reflektiere er sich selbst. Und erlebe einen Rollenwechsel: „Als Pfarrer ist man immer derjenige, der spricht. Hier lernen wir zuhören, auf die Stimmen im Text – und auf die Untertöne, die sich aus dem Kontext ergeben.“ Das ist anstrengend, lohnt sich aber ungemein, versichert Chi-Kang: „Ich bin froh, mit dieser Gruppe zusammen sein zu können.“

Das GIT regt auf vielen Ebenen an. Etoile Lily Aywkor Ajavess erfuhr von einer indischen Teilnehmerin Einzelheiten über die dortige Theologenausbildung. „Sie schicken einen schon im ersten Studienjahr raus aufs Land, man soll direkt mit den Menschen leben. Das bräuchten wir in Ghana auch!“ gibt die angehende Pastorin lebhaft wieder.

Blickwechsel hin zu mehr Gerechtigkeit


Einen Blickwechsel erlebt auch Aleena Toplak. „Mein eigener Zugang zu Gottes Wort war bisher eher auf den Menschen ausgerichtet und eschatologisch“, berichtet die Pastorin. Nun hat sie einen Umschwung hin zu einem schöpfungszentrierten theologischen Ansatz gemacht: „Alles auf dieser Welt Gemachte ist doch gewollt und geliebt. Es ist der Ort, wo wir genährt werden.“ Beim GIT bekommt sie neues theologisches Rüstzeug, sodass sie sich noch tiefer als vorher mit Themen wie Ökologie und der Auflösung ungleicher Verteilung beschäftigen will.

Während sie gemeinsam die Bibel lesen, stoßen die GIT-Teilnehmenden immer wieder auf irritierende Aussagen. Aleena Toplak zeigt sich beeindruckt von Dr. Roderick Hewitt, Associate Professor an der University of Kwa Zulu Natal, Südafrika. Er machte klar, dass angesichts von Ungleichheit Neutralität für Christinnen und Christen keine Lösung sein könne. Keine einfache Aufgabe, sich dazu zu positionieren, erst recht in einer so bunt gemischten Gruppe. Respektvoll grenzen sie sich untereinander ab: „In deinem Kontext“ ist das geflügelte Wort während des GIT.

Einheit in Vielfalt: Diesen Geist haben sie in Wuppertal erfahren. Ab dem 28.06.2017 tragen sie ihn, in Vertretung für die junge Generation der reformierten Christinnen und Christen, nach Leipzig zur Generalversammlung der WGRK.

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Kathrin Reinert, Fotos: Daniel Schmitt/Spitzlicht-Fotografie / 23.06.2017



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