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Literatur- empfehlung
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Peter Neumann, Die neuen Dschihadisten. IS, Europa und die nächste Welle des Terrorismus,

Econ, Hardcover
256 Seiten
ISBN-13 9783430202039
erschienen 9.10.2015

2. Auflage

16,99€

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University Bible Fellowship (UBF)

Auszug aus dem Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen

Geschichte
Die UBF wurde 1960/61 durch „Samuel“ Chang Woo Lee und Sarah Barry (zuvor Southern Presbyterian Church) gegründet. Zunächst konstruktive Kontakte zum International Fellowship of Evangelical Students (IFES) wurden 1979 wegen autoritären Führungsstils in der UBF abgebrochen. Kontakte gibt es zum antiökumenisch orientierten Internationalen Rat Christlicher Kirchen (ICCC), während viele koreanische Kirchen der UBF kritisch gegenüber stehen. Im April 2004 wurde die UBF aus der evangelikalen National Association of Evangelicals (NAE) in den USA ausgeschlossen.
1969 kam die UBF durch koreanische Krankenschwestern nach Deutschland, seit 1978 ist sie in der Hochschulevangelisation aktiv. Hier liegt nach ihrem Selbstverständnis ihre zentrale Aufgabe. 1999 warnte der Präsident der Hochschul-Rektoren-Konferenz alle Mitgliedshochschulen vor der UBF. Das europäische Zentrum der UBF ist seit 2002 in Heidelberg und wird von „Kaleb“ Hong geleitet. Seit 1976 kam es immer wieder zu Reformversuchen und auch zu Abspaltungen von der UBF. 2002 gab es heftige Auseinandersetzungen insbesondere um die Bonner UBF und ihren Leiter Dae Won Chang, deren Probleme als charakteristisch für die ganze UBF gesehen wurden. Eine weltweite Reformbewegung versuchte die UBF von innen zu reformieren. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen kam es zur Spaltung der UBF und zur Gründung der Campus Mission International (CMI). Anfang 2002 kam Chang Woo Lee bei einem Brand in Chicago ums Leben, seither wird die UBF von Sarah Barry geführt.

Lehre und Praxis

Die UBF wurde als christliche Erweckungsbewegung gegründet, die von einem hohen Maß an Verbindlichkeit, persönlicher Glaubensentschiedenheit und missionarischem Sendungsbewusstsein bestimmt war. Theologisch schloß sie an evangelikal-fundamentlistische Bekenntnistraditionen und ein entsprechendes biblizistisches Schriftverständnis an. Nach Berichten ehemaliger Anhänger trat jedoch schon früh eine Entwicklung ein, in der die UBF-Organisation und ihre Hierarchie exklusive und nahezu totale Entscheidungsautorität über den rechten Geistempfang des einzelnen Gläubigen beanspruchte. Damit verbunden war ein nur zum Teil aus dem Hintergrund koreanischer Kultur, bzw. konfuzianischer Tradition zu erklärendes Gehorsamsverständnis. Im Binnenverhältnis der Gemeinschaft gewinnt die Stellung des Leiters exklusive Züge und soteriologisches Gewicht: „Was der Wille Gottes ist hinsichtlich Fragen des persönlichen Lebens (Ehe, Familie, Wohnung, Arbeit, Geldeinteilung, Lebensstil usw.) erfährt man über den Hirten“.(Reimer,) Das Leben kreist zunehmend um UBF-spezifische Aktivitäten, dazu gehört insbesondere das so genannte „Eins-zu-eins“-Bibelstudium nach dem Shepherding-Prinzip, bei dem im UBF-Sprachgebrauch ein „Hirte“ jeweils mit einem „Schaf“, das heißt einem an der Universität neu geworbenen Interessenten, ein biblisches Buch durcharbeitet. Dieses Zweier-Bibelstudium hat zum Ziel, aus einem „Schaf“ selbst einen „Hirten“ zu machen, der seinerseits missionarisch tätig wird („multiplying“).
Die mit dem Bibelstudium beginnende und sich ausdehnende zeitliche Beanspruchung der Mitglieder erstreckt sich nach Berichten ehemaliger Anhänger schließlich auf den größten Teil der eigenen Arbeits- und Freizeit und kann bis an die Grenzen der individuellen Belastbarkeit führen.
Neben den Gemeinschaftsveranstaltungen im jeweiligen Zentrum führen besonders die ausführlichen und häufigen schriftlichen Glaubensberichte und Predigten, die bis zur Endgestalt immer wieder vom „Hirten“ oder „Missionar“ korrigiert werden und die gruppenöffentlich vorgetragen werden, zu einer Anpassung an die Bedürfnisse der UBF, repräsentiert in ihren Leitern. Die Integration in die Gruppe vollzieht sich nicht bewusst, sondern eher schrittweise, „der fernöstlichen Art einer stufenweisen Einführung in jeweils höhere Erkenntnisgrade“ (Reimer) vergleichbar. Zum Fortschreiten dieses Integrationsprozesses kann auch eine Namensänderung gehören, die vom jeweiligen Leiter, sogar mehrfach, angeordnet werden kann. Ein weiterer Aspekt UBF-spezifischer Glaubenspraxis ist die Verheiratung ihrer Mitglieder unter einander, dabei kann der Leiter bestimmenden Einfluss auf die Partnerwahl nehmen. Zur Begründung dieser Praxis heißt es, „daß es keine emotionale Beziehung zwischen Mann und Frau geben darf, und daß die Beziehung der Ehepartner zu ihm (dem Leiter; Vf.) stärker sein muß, als die Beziehung untereinander“ (www.ubf-info.de; 10.08.2004).
Seit einiger Zeit gibt es auch ein Gruppenbibelstudium, an dem häufig z.B. Oberstufenschüler der so genannten „2nd generation“ teilnehmen. Es gibt für diese neue Generation, die meist aus dem schulischen Umfeld der in Deutschland aufgewachsenen Kinder der Leiter entsteht, eigene Konferenzen. Insgesamt erscheint das Angebot für sie mehr an den Lebenswelten der Jugendlichen ausgerichtet. Ihre Entwicklung bleibt abzuwarten.
Die theologische Grundlage, auf die die UBF sich insgesamt bezieht, ist jenseits ihrer eigenen Sonderlehren am ehesten dem evangelikalen Spektrum und dem so genannten Wortfundamentalismus zu zuordnen. Die neu gegründete Campus Mission International erweist sich vor diesem Hintergrund als theologisch zumindest ansatzweise fähig, an dieses Spektrum protestantischer Frömmigkeit Anschluss zu finden.

Kritik

Kritisiert wird immer wieder das Abhängigkeits- und Unterordnungsverhältnis des „Schafes“ unter den „Hirten“. Dem Zweier-Bibelstudium, in dem es sich manifestiert, wohnt strukturell ein erhebliches Manipulationspotenzial inne. Das Vertrauensverhältnis bleibt dann nicht gewahrt, wenn intime Informationen ungefragt z.B. in Gebetsketten an andere weiter gegeben werden. Die hierarchisch-autoritäre Gruppenstruktur mit dem typischen bedingungslosen Gehorsamsanspruch, die sich bis zu einem gewissen Grade der koreanischen Kultur verdankt, wird unbefragt auf westeuropäische Verhältnisse übertragen, ohne dass sie biblisch begründbar wäre. Hier ist besonders die unakzeptable Verheiratungspraxis zu nennen. Die in der UBF-Hierarchie verankerte Pneumatologie führt zu einem elitären Kirchen- und Gemeindeverständnis, das sich im Außenverhältnis z.B. als antiökumenischer Affekt niederschlägt. „Eine Gruppe, die nur aus missionarisch aktiven – und zwar nur in der Studentenmission tätigen – Mitarbeitern besteht, kann allerdings nicht als Gemeinde angesehen werden, schon gar nicht als Gemeinde im biblischen Sinn“ (Reimer).
Es gibt Berichte ehemaliger UBF-Hirten über erheblichen psychischen, z.T. auch physischen Druck, bzw. über Persönlichkeitsveränderungen. Es kommt immer wieder zur Lösung aus dem sozialen und familiären Umfeld. Nach dem Ende der Mitgliedschaft kann es Jahre dauern, bis eine normale bürgerliche Existenz mit Berufstätigkeit wieder aufgenommen werden kann. Besorgnis erregend sind Berichte aus Kindergärten und von ehemaligen UBF-Angehörigen über die teilweise mangelhafte Versorgung von kleinen Kindern wegen exzessiver Missions- und Gruppenaktivitäten.

Quellen
Internet: www.ubf-home.de; www.chicago.ubf.org; www.ubf.or.kr;
Kritisch: www.rsqubf.fortunecity.net; www.ubf-info.de; www.campus-mission.de;
Literatur:
L.Blood, Sherperding/Discipleship. Theology and practice of absolute Obedience, in: Cultic Studies Journal, Vol. 2, Nr. 2, 1986; Joachim Keden u.a.(Hg.), Sekten Geister Wunderheiler, Neukirchen-Vluyn 1995; Ders., University Bible Fellowship (UBF), in: MD 54 (1991) 252ff; Ingrid Reimer, University Bible Fellowship (UBF), in: MD 52 (1989) 275ff.; Andrew Schäfer u.a.(Hg.), Im Labyrinth der Seelenfänger, Frankfurt a.M. 2002, S. 131-157.

aus: Harald Baer (Hg.). Lexikon neureligiöser Gruppen, Szenen und Weltanschauungen. Orientierungen im religiösen Pluralismus, Freiburg i. Br. 2005, Sp. 1338 - 1342; www.herder.de

 

Andrew Schäfer / 14.02.2007



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