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Kirche in WDR2 | 04.08.2018 | 05:00 Uhr

Urlaubszeit

Wir sind mitten in den Ferien. Drei Wochen sind um. Es ist Halbzeit, kann man sagen. Im Fußball bietet die Halbzeit ja die Chance, Dinge, die nicht so optimal gelaufen sind, noch mal zu ändern. Also frage ich mich: Bin ich schon erholt? Haben meine Ferien gehalten, was ich mir von ihnen versprochen habe?

Urlaub ist Erholung für Leib und Seele. Das war nicht immer so. Das Wort stammt von „Urloub“. Das ist Mittelhochdeutsch und heißt so viel wie Erlaubnis. Im Mittelalter, da gab der Fürst seinem Untertan, die Erlaubnis, sich einem anderen Heer anzuschließen, also in ein fremdes Land zu ziehen, um Krieg zu führen.

Ein Segen, dass das nicht mehr gilt. Denn der Urlaub ist eine Erfindung des lieben Gottes. Der hat ja bekanntlich schon den Sonntag erfunden. Sechs Tage arbeiten, am 7. Tag aber ruhen. Denn der Mensch lebt ja nicht allein, um zu arbeiten. Zu den freien Sonntagen kommen dann noch mal mehrere Wochen Urlaub dazu: sechs bis sieben.

Der Urlaub kommt also vom lieben Gott. Allerdings nicht als Erlaubnis, um Krieg zu führen, sondern: „Selig sind, die Frieden stiften“, sagt Jesus (Matthäus-Evangelium Kap. 5, Vers 9). Das ist mein Leitwort für den Urlaub. Und Frieden, das ist entscheidend, fängt an mit dem inneren Frieden.

Wenn es in mir brodelt und kocht, werde ich auch keinen Frieden mit meiner Frau hinbekommen, meinen Kindern, meinem Nachbarn und auch nicht dem schläfrigen Autofahrer vor mir im Urlaubsstau.

Wer sich wirklich erholen will, sollte die Urlaubszeit nutzen, Frieden zu stiften. Oder das zumindest mal zu üben. Mein Tipp daher: Nehmen Sie sich heute einen Menschen vor, dem sie ausgesprochen, und vielleicht auch völlig überraschend, friedlich und friedfertig begegnen.

Wie? – Sagen Sie einen netten Gruß, ein aufmerksames Wort, geben eine kleine, persönliche Wertschätzung. Frieden braucht keine großen Gesten. „Selig sind, die Frieden stiften!“ Und einmal verbinden sich Himmel und Erde. Und wo das passiert, da bin ich mir sicher, da beginnt der Urlaub auf jeden Fall.

Kirche in WDR; 04.08.2018; Joachim Gerhardt



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