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Kirche in WDR2 | 07.12.2018 | 05:00 Uhr

In Gang kommen

In Gang kommen, ist ein komplizierter Vorgang. Besonders Morgens, finde ich. Wenn der Körper die ganze Nacht gelegen hat und ich aufstehen soll. Im Bett kann ich mir dann überhaupt nicht vorstellen, dass ich gleich an der Bushaltestelle stehen werde. Und je nachdem, wie sich der Morgen gestaltet, hat der Tag dann mehr oder weniger Chancen, in Gang zu kommen.

Aber in Gang kommen muss man, da hilft alles nichts. In Gang kommen muss man, damit sich was bewegt. Sonst steht ja alles still. In Gang kommen muss man, damit man lebt. Morgens heißt das: Kreislauf anregen, Nahrung aufnehmen, anziehen, sich bereit machen für das, was an diesem Tag ansteht.

In Gang kommen und vor allem in Gang bleiben, müssen allerdings nicht nur Menschen, wenn sie in den Tag starten, sondern auch andere Körperschaften: politische Parteien beispielsweise, oder die Kirchen.

In Gang kommen, damit sie sich bewegen können.

Und je länger man gelegen hat, desto schwerer ist es, wieder in Gang zu kommen.

Genauso wie ältere Leute können alte Institutionen ein Lied davon singen, wie schwer es sein kann, über die ganzen Jahre, immer wieder in Gang zu kommen und vor allem, in Gang zu bleiben. Wie schwer es ist, je älter man wird, die müden Glieder zu bewegen.

Je länger man nichts tut, desto schwerer erscheint, das Aufstehen. Da kann man schon mal in Versuchung kommen, einfach liegen zu bleiben. Einfach da bleiben, wo man sich auskennt und einem vermeintlich nichts passieren kann. Einfach alle Schotten dicht, damit man das mühsame in Gang kommen einfach aussitzt, oder eben ausliegt.

Ein Tag lang ist das kein Problem, zwei Tage auch nicht, aber wenn sich die Tage häufen, an denen man selbst, eine Sache, die Politik, die Kirche nicht mehr in Gang kommt, dann kann es zu einem Stillstand kommen, der lebensbedrohlich werden kann. Wenn sich nichts mehr bewegt, dann ist das Ende in Sicht.

Und dann? Dann hilft nur noch: Besinnung

Sich auf das besinnen, was einem einmal Kraft gegeben hat. Das ausfindig machen, was lähmt, was einen bewegungslos und träge hat werden lassen. Und das tun, was einem hilft, wieder in Bewegung zu kommen: Menschen treffen, die einem gut tun, oder dahin gehen, wo man inspiriert wird und dort vielleicht Gott zu treffen, der einem aufhilft und Leben einhaucht.

Kirche in WDR; 07.12.2018; Judith Uhrmeister



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