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Dranbleiben, auch wenn's schwierig wird

Der Dialog mit der muslimischen Community ist unbedingt notwendig - gerade weil das gesellschaftliche Klima rauer geworden ist, sagte Kirchenrat Rafael Nikodemus bei seinem Vortrag in der Evangelischen Ladenkirche Mülheim.

Der christlich-muslimische Dialog ist das Thema von Kirchenrat Rafael Nikodemus von der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Beim Gesprächsabend in der Mülheimer Ladenkirche gab er Auskunft über die Lage der Dinge im Gespräch der Religionen. „Im Wirtshaus kann man mit dem Thema gerade wohl nicht gut punkten“, vermutete Nikodemus, der in seiner Marxloher Heimat auch ab und an in türkischen Teestuben zu Gast ist. Gerade weil es Widerstände gibt, machte Nikodemus den Anwesenden Mut, den Dialog mit den muslimischen Nachbarn weiter zu suchen.

„Wir treffen auf eine vergiftete Atmosphäre in der Gesellschaft, wenn immer es um ,den Islam‘ geht“, so Nikodemus. Immer häufiger werde geringschätzend von den jeweils anderen gesprochen „Das Koordinatensystem des guten Umgangs kommt doch immer öfter ins Wanken“, stellte Nikodemus fest, der von Christen ausdrücklich eine wertschätzende Haltung gegenüber Angehörigen anderer Religionen einfordert.

Die Rheinische Landessynode hat gerade eine Positionsbestimmung im christlich-islamischen Dialog verabschiedet und hält darin unter anderem fest, dass der interreligiöse Dialog ausdrücklich nicht auf Missionierung abzielt. „Einer der meistdiskutierten Halbsätze der Landessynode“, so Nikodemus. Auch wenn das gesellschaftliche Klima rau und Diskussionen unter Synodalen mitunter schwierig sind, können die Aktiven im interreligiösen Dialog auch auf einige Fortschritte zurückblicken. Seit die türkischen Gastarbeiter ihren Glauben mit nach Deutschland brachten, hat sich einiges getan, führte Nikodemus aus. Mitte der 70er Jahre fragten die ersten Religionslehrer noch „Und, was machen wir jetzt eigentlich mit ,denen‘“, gemeint waren die Muslime. „Gegenüber heute waren das doch eher begrenzte Fragestellungen“, so Nikodemus. „Heute sind die Begegnungen zwischen Christen und Muslimen doch wesentlich vielfältiger“.

An vielen Stellen sei der Islam in Deutschland auch schon institutionalisiert. Das sei der Fall bei der Einrichtung von muslimischen Friedhöfen, in der muslimischen Begleitung in Gefängnissen, in der Notfallseelsorge oder bei der Bundeswehr. „Diese Institutionalisierung geschieht natürlich nicht ohne Brüche. Und wir bemerken gerade einen Umbruch, was die Beheimatung des Islam in Deutschland angeht“, blickte Rafael Nikodemus auf die Arbeitsfelder, in denen christliche und muslimische Seelsorger manchmal nebeneinander, aber oft auch miteinander arbeiten. Diese Zusammenarbeit und institutionelle Verortung des Islam in Deutschland sei auch notwendig. „Wir müssen die Entwicklung in Deutschland ernst nehmen: Die muslimische Community ist gewachsen, auch sie sollen von der Religionsfreiheit in Deutschland profitieren.“

Nicht einfacher werde der Wandel in den Institutionen durch die Rolle der Ditib im innertürkischen Konflikt. Bisher war der größte Moscheeverband (mit rund 900 Gemeinden in Deutschland) einer der wichtigsten Ansprechpartner für deutsche Behörden, wenn es um Fragen der Kooperation mit Muslimen ging. Durch die Positionierung der Ditib nach dem Putschversuch in der Türkei sei sie als Ansprechpartnerin „sowohl von staatlicher als auch von kirchlicher Seite völlig inakzeptabel“, so Nikodemus. Er berichtete, dass die Ditib  auch Imame in Deutschland gezielt dazu angehalten habe, mögliche Anhänger der mit Erdogan in Konfrontation befindlichen Gülen-Bewegung zu benennen. „Das Positive ist: Die meisten haben nicht reagiert. Für andere aber, auch für Imame aus dem Rheinland, war die Denunziation ganz selbstverständlich.“ Weil die Ditib nun für offizielle Stellen als Ansprechpartnerin nicht mehr in Frage kommt, liegen viele interreligiöse Dialogprojekte auf Eis, erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Mülheimer Ladenkirche.

Auch wenn der Weg nicht immer harmonisch ist, warb der Theologe dafür, den interreligiösen Dialog auch unterhalb der großen institutionellen Ebene weiter zu suchen. Auch Kirchengemeinden könnten wichtige moderierende Leistungen erbringen. „Die dialogische Haltung bewährt sich erst im Konfliktfall“, machte Nikodemus seinen Zuhörern Mut, dranzubleiben, auch wenn es im Dialog schwierig wird. Ein weiteres wichtiges Feld interreligiöser Begegnung sein der Religionsunterricht in der Schule „Das ist für viele Jugendliche der einzige Ort, an dem sie ein moderiertes und gesittetes Gespräch über verschiedene Standpunkte führen können.“

Kirchenrat Nikodemus sparte in seinem Vortrag Schwierigkeiten nicht aus, ging auch auf den Antisemitismus ein, den syrische Geflüchtete zuletzt demonstriert haben. „Das macht mir echte Sorge, da müssen wir ran.“ – Eine Herausforderung bleibe es, zwischen auseinanderdriftenden Lebenswelten zu vermitteln. „Dabei geht es nicht um den Mainstream der Muslime, der stellt sich mehrheitlich unter das Dach unserer Verfassung.“ Allerdings gelte es, „das gesellschaftlicher Gespräch so zu gestalten, dass man sich zumindest gegenseitig aushält“.

 

ala / Evangelischer Kirchenkreis an der Ruhr / 09.02.2018



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