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Digitale Souveränität

Von Chancen und Schattenseiten

"Digitale Kommunikation des Evangeliums - Impulse aus dem Reformationsjahr 2017" hieß die Tagung mit Vorträgen von Prof. Christian Grethlein (Universität Münster), Ingo Dachwitz (Netzpolitik/EKD) und Benjamin Borgerding (Greenpeace) - sie sind nun als Videos abrufbar. In Social Media lief der Tag unter #digitaleSouveränität.

Prof. Christian Grethlein Prof. Christian Grethlein

Deutlich wurde: Die Kirche ist theologisch gut aufgestellt. Denn: Das Evangelium ist offen für alle, hat eine interaktive Grundstruktur, sieht das Priestertum aller Getauften vor, wie Prof. Christian Grethlein in seinem Vortrag "Das Evangelium in der digitalen Welt - Chancen und Grenzen" sagte. Grethlein ist Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Münster. Theologisch gut, aber strukturell ist die Kirche noch nicht gut (genug) auf die Digitalisierung eingestellt.

Der Theologe sagte weitere, die Digitalisierung eröffne große Freiräume, erfülle Träume von Überwindung der Grenzen von Raum, Zeit und sozialer Segregation. Allerdings rückten neben die Freiheitsgewinne auch Freiheitsverluste. Grethlein sprach auch von "digitalen Schattenseiten". Eingelöst werden müssten der Anspruch auf "privacy" und die Forderung nach "security".

In der anschließenden Aussprache brachte der Praktische Theologe dieses Beispiel dafür, dass den Getauften via Digitalisierung "Aufgaben neu zuwachsen", wie Grethlein sagt: Eine Frau, die ihr Baby verliert, sucht in ihrer Trauer online den Kontakt einer anderen Frau, der dasselbe passiert ist. Wenn diese beiden Frauen dann in ihrer Kommunikation auch auf das Evangelium zu sprechen kommen, ist keine Pfarrerin, kein Bischof am Zug gewesen.

Vortrag von Prof. Grethlein im Video: siehe oben

Ingo Dachwitz Ingo Dachwitz

"Kirchliche Perspektiven auf digitale Mediatisierung" - so lautete das Thema von Ingo Dachwitz, Medienwissenschaftler, Redakteur bei Netzpolitik.org, Jugenddelegierter der EKD-Synode und Mitglied der Kammer für soziale Ordnung der EKD. Der Vortrag von Ingo Dachwitz im Video

Dachwitz erläuterte die zeitgleich in der EKD-Synode beratene und dann auch angenommenene Digitalstrategie der EKD. #digitaleKirche - unter diesem Stichwort wird in Social Media über Kirche und Digitalisierung diskutiert - sei aber kein Thema, das mit einer Synode abgehakt wäre, machte er klar.

Grund des dringenden Nachholbedarfs der Kirche oder auch gute Nachricht: "Christinnen und Christen sind unabhängig von ihrer Kirche längst digital aufgebrochen", so Dachwitz. Auch er kam auf digitale Schattenseiten zu sprechen, brachte das Beispiel der US-Firma Target, die durch Auswertungen von Daten sogar herauszufinden weiß, wenn eine Kundin schwanger ist. Nicht nur deshalb sein ganz prinzipieller Appelll: "Die Kirche sollte sich einbringen in Fragen von Datenschutz und Souveränität."

Stichwort Hashtag: Diese digitalen Stichworte sind Beispiele für das "emanzipatorische Potenzial" des Netzes, zum Beispiel wenn mit #Aufschrei oder #metoo "Einzelstimmen nicht vereinzelt bleiben, sondern zu einem mächtigen Chor anwachsen".

Benjamin Borgerding Benjamin Borgerding

"Der fremde Blick. Die Kommunikation der Kirchen im Digitalen aus Sicht einer Non-Profit-Organisation", dazu sprach Benjamin Borgerding, Digital Campaigner bei Greenpeace. Video

Social Media nutze Greenpeace hauptsächlich, um Veränderung zu bewirken, erklärte Borgerding. Social Media passten zur Kirche und zu Greenpeace gleichermaßen, denn für Social Media sei die Beteiligung von Menschen konstitutiv, und Kirche wie auch Greenpeace gäbe es nicht ohne ihre Mitglieder. Mehr noch: Bei beiden handele nicht "der einsame Wolf", sondern die Gemeinschaft der Mitglieder bzw. Aktivisten.

Ziel bei Greenpeace sei das "Enabling", die Befähigung der Mitglieder zur "Selbstwirksamkeit", also: Protestmail schreiben, Petition unterstützen, Repaircafé für Smartphone besuchen. Durch seine Brille gesehen: "Twomplet", das Gemeinschaftsgebet bei Twitter, jeden Abend um 21. Uhr, ist aus Borgerdings Sicht ein gelungenes kirchliches Beispiel für Enabling.

Die Tagung war die vierte zu Fragen rund um digitale Souveränität, die fünfte folgt am 14. März 2018. Für die Reihe kooperieren die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Melanchthon-Akademie Köln. Eingeladen wird außerdem noch einmal herzlich zu Bewerbungen zum "Medienpreis für digitale Projekte" der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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ekir.de / neu / 15.11.2017



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