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Interview

Ramadan: Gottesliebe und Nächstenliebe leben

Im Interview spricht Sibel Doganer, Auszubildende Produktdesignerin bei der Firma Köbo-Donguah und Berufsschülerin am Berufskolleg Technik Remscheid, mit Pfarrer Jochen Robra über den Ramaden, die Angst vor dem Islam und das Kopftuch.

Sibel Doganer aus Remscheid (Foto: Privat) Sibel Doganer aus Remscheid (Foto: Privat)

Robra: Der Monat Ramadan liegt fast hinter dir. Was ist das Besondere an diesem Monat?
Sibel: Das Besondere an diesem Monat ist, dass er ein sehr meditativer Zeitraum ist, der sowohl Körper als auch den Geist des Menschen diszipliniert und reinigt. Der heilige Monat ist vor allem ein Ausdruck der Liebe zu Gott und der Nächstenliebe. Mehr als die Tatsache, dass der Mensch von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder isst noch trinkt, geht es darum, in Frieden und respektvoll zu leben und seinem Alttag nachzugehen.

Robra: Warum fasten die Muslime überhaupt?
Sibel: Muslime fasten, um das Hungergefühl der Leidenden nachzuempfinden. Während der Fastenzeit wird einem bewusst, was man hat. Durch das Fasten kann man seine Dankbarkeit und Liebe zu Gott ausdrücken.

Robra: Der Ramadan ist ein Monat der besonderen Gottesnähe. Woran wird das sichtbar?
Sibel: Unter anderem wird das Nachtleben durch das gemeinsame Beten aktiver. Gemeinsames Sahur (das Essen vor dem Sonnenaufgang ) und Iftar (das Fastenbrechen) stärken das Gemeinschaftsgefühl und die völlige Hingabe zu Gott.

Robra: Du praktizierst eine Religion, vor der viele Mensche in Deutschland Angst haben. Wie ist deine Meinung dazu?
Sibel: Warum Angst vor einer Religion haben, die in ihrer reinsten Form den Frieden mit sich bringt?

Robra: Darf ich bei so einer jungen, aufgeschlossen und tief gläubigen Muslima die Frage nach dem Kopftuch stellen?
Sibel: Das Tragen eines Kopftuches ist eine reine Interpretationssache. In der "Nur-Sure" Vers 31 wird davon gesprochen, dass man als Frau mit ihrer Kopfbedeckung die reizvollen Körperteile verdecken soll. Die Funktion des Tuches ist also die Verschleierung von bestimmten Körperteilen wie zum Beispiel dem Dekolleté. Ich persönlich trage kein Kopftuch, weil ich auch mit alltäglicher Kleidung meinen Körper verhüllen kann. Für mich sind die Haare einer Frau kein Anlass den männlichen Körper zu reizen. Derjenige, der gereizt werden will, lässt sich von denjenigen, die reizen wollen, verführen ob mit oder ohne Kopftuch.

Robra: Mit dem dreitätigen Ramadanfest geht der Fastenmonat zu Ende. Wie werdet ihr feiern?
Sibel: Der Ramadan wird mit dem dreitägigen Bayram abgeschlossen, bei dem Familie, Freunde und Bekannte zusammenkommen, um das Ende des heiligen Monats zu feiern. Kinder werden mit Süßigkeiten beschenkt, daher auch umgangssprachlich Zuckerfest. Das gemeinsame Betten in der Moschee ist am Bayram besonders gestaltet, daher auch "Bayramnamazi". Vor allem geht es in diesen Tagen darum die in dem heiligen Monat zusammen erfahrene Nächstenliebe und die Liebe zu Gott aufrecht zu erhalten.

Robra: Ich danke dir ganz herzlich für das Interview und wünsche dir, deiner Familie und allen Muslimen unserer Stadt fröhliche Festtage. Gott begleite euch mit seinem Segen.

Pfarrer Jochen Robra
Synodalbeauftragter für Islamfragen im Evangelischen Kirchenkreis Lennep
jochen-robra@t-online.de

 

Evangelischer Kirchenkreis Lennep / 28.06.2016


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