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Kirche in WDR3 | 20.01.2017 | 05:00 Uhr

Herren und Herrinnen

Kirche in WDR3 | Schwahn

Guten Morgen.

Heute wird Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten gekürt. Die Welt hält den Atem an. Und vielen auch hier bei uns ist mulmig. Es scheint unberechenbar, was jetzt passiert. Kann man jemandem vertrauen, der im Wahlkampf Lügengeschichten verbreitet hat? Was wird jetzt aus seinen vollmundigen Parolen: Let´s make America great again! Lasst uns Amerika wieder groß und stark machen. Und: We will build a wall. Wir werden eine Mauer bauen.

Ich frage mich: Werden die USA sich jetzt abschotten vom Rest der Welt und nur noch ihre nationalen Interessen verfolgen? Welche Werte werden die amerikanische Politik der nächsten Jahre leiten? Was ist mit den beleidigenden Äußerungen gegenüber Minderheiten und gegenüber Frauen? Die Wirtschaftsbosse, die Trump schon für sein Kabinett benannt hat, lassen daran zweifeln, dass er sich wirklich um die Abgehängten kümmern wird, wie er es versprochen hat. Geht es da nicht um reine Machtpolitik?

Verfolgt Trump nicht dasselbe Ziel wie Putin in Russland und Erdogan in der Türkei und Le Pen in Frankreich und Petry in Deutschland: die Nation zuerst? Und das auf Kosten der Menschen, die in ihren Ländern Unterstützung brauchen? Die vor Armut und Krieg fliehen und um Aufnahme bitten. Und was wird aus der Solidarität mit uns hier in Europa, aus der deutsch-amerikanischen Freundschaft, aus dem so wichtigen Miteinander der Weltgemeinschaft? Und ich frage mich: Was für ein Bild eines gewählten Volksvertreters haben die Herren und Herrinnen dieser Welt eigentlich, die ihre Auftritte so inszenieren und ihre Stärke zur Schau stellen?

Christinnen und Christen folgen einem Herrn, der seine Herrschaft ganz anders ausübt. Auch von ihm gibt es vollmundige Aussagen über sich selbst: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. (Johannes 14,6) Oder: Ich bin das Licht der Welt, wer an mich glaubt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Jesus Christus hat bewiesen, dass es ihm einzig und allein um das Wohl der Menschen ging. Und er hat gehalten, was er versprochen hat. Menschen sind ihm begegnet und ihre Lebensverhältnisse haben sich gebessert. Lahme konnten wieder gehen, Blinde wieder sehen, Ausgestoßene wurden wieder in die Gemeinschaft aufgenommen, Taube hörten plötzlich wieder, Tote wurden zu neuem Leben erweckt und Armen konnten gute Nachrichten verkündet werden (Matthäus 11,5f).

Der Herr der Christen, Jesus Christus, hat sich zurück genommen und andere groß gemacht und sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt für die Menschen. So hat er gezeigt, wie sich wirklich Frieden und Gerechtigkeit in der Welt ausbreiten können. Hanns Dieter Hüsch, der Kabarettist vom Niederrhein, hat ein Gebet für diesen Herrn formuliert, das Hoffnung gibt auch in diesen Zeiten: „Kleiner Herr, der du gekommen bist im Elende. Wir bauen auf dich und deine Zukunft und schenken dir unser ganzes Vertrauen. Wir warten auf dich bis du groß und allmächtig bist, alle Welt übersiehst und überall die Liebe als Statthalter einsetzt, damit das Kommende für uns ertragbar wird und das Jahrhundert keine Schreckenskammer. Kleiner Herr, ich wünsche mir eine Welt der Stille mit einer sanften Gesellschaft, die zufrieden und glücklich Anfang und Ende lebt.“

Ihre Barbara Schwahn, Pfarrerin in Düsseldorf

Hanns Dieter Hüsch/Jean Miro, Das kleine Buch zwischen Himmel und Erde, tvd-Verlag Düsseldorf 2000, S. 24.

http://www.kirche-im-wdr.de/uploads/tx_krrprogram/26567_MAWDR3520170120Schwahn2.mp3

 

20.01.2017; Barbara Schwahn kirche-in-wdr3 / 20.01.2017


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