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Pressekonferenz zum Reformationsjahr

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

500 Jahre Reformation - und was kommt jetzt? Auf einer Pressekonferenz haben Präses Manfred Rekowski, Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Projektleiter Martin Engels eine Bilanz zum Reformationsjahr in der rheinischen Kirche gezogen und einen Blick in die Zukunft geworfen.

Präses Manfred Rekowski

Präses Manfred Rekowski

„Wir haben in diesem Jahr bewusst die Außenperspektive gesucht“, sagte Präses Manfred Rekowski zu Beginn der Pressekonferenz. „Wir haben mutig und angstfrei andere zur Auseinandersetzung mit uns aufgefordert. Und was dabei herausgekommen ist, war ein großer Gewinn.“

So habe die rheinische Kirche das Kölner N.N. Theater beauftragt, – ohne jegliche Vorgaben – ein Theaterstück über Luther zu entwickeln. „Herausgekommen ist ein Stück, das dicht und klar auf Luther verweist – und nicht nur auf seine Stärken,“  sagte Rekowski über das Stück „Ich fürchte nichts…“, das bisher rund 18.000 Menschen gesehen haben.

Auch bei dem Kunstprojekt „Reformation-Transformation“ hatten Künstlerinnen und Künstler freie Hand sich dem Thema Reformation zu nähern. Und bei einem Workshop haben junge Nachwuchskräfte aus Journalismus, Grafik, Fotografie eigenständig ein Magazin zur Reformation erarbeitet.

Aber nicht nur der Blick von außen ist in dem Reformationsjahr bisher prägend gewesen, sondern auch, dass die rheinische Kirche sich selbst bewegt hat.  „Als Evangelische Kirche im Rheinland sind wir aus uns herausgegangen. Und das im wörtlichen Sinn“, sagte der Präses und verwies dabei etwa auf die Aktion „95 Gottesdienste an außergewöhnlichen Orten, an Orten, wo Menschen schon sind, die sie spannend finden oder an denen sie überrascht werden, dass Kirche und Gottes Wort auch dort sind: in der Kneipe, am Fähranleger, in der IT-Firma, an der Tankstelle.“

"Nicht in unseren Häusern warten"

Nach dem Spiel sei vor dem Spiel, und nun komme es darauf an, was in den Gemeinden und Kirchenkreises weiter passiert. Deshalb setze die Evangelische Kirche im Rheinland einen Doppelpunkt hinter das Jubiläumsjahr: „Nicht in unseren Häusern zu warten, dass Menschen zu uns kommen, sondern dorthin zu gehen, wo die Menschen schon sind, das soll nach dem Doppelpunkt weitergehen“, sagte der Präses.

„So wie Luther und die anderen Reformatoren zu ihren Zeiten Sprache, Bilder, Mittel und Wege gefunden haben, mit dem Evangelium die Menschen zu erreichen, so werden wir auch im Jahr 501 nach dem Thesenanschlag Sprache, Bilder, Mittel und Wege finden, um den Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen und sie einzuladen, sich an ihm vertrauensvoll festzumachen.“ 

Jubiläumsjahr mit deutlich ökumenischem Vorzeichen

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

An die ökumenische Dimension des Jubiläumsjahrs erinnerte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph bei der Pressekonferenz. „Das Jubiläumsjahr hat für uns ein deutliches ökumenisches Vorzeichen gehabt. Das gilt für unsere Beziehungen zu den Kirchen aus der weit verzweigten Familie der Kirchen der Reformation genauso wie die Beziehung zur römisch-katholischen Kirche, den Freikirchen und den  Orthodoxen. Martin Luther machte sich nicht selbst zum Thema, sondern stellte in der Reformation Christus wieder in den Mittelpunkt der Verkündigung. Genau das haben wir auch getan: Unser Jubiläumsjahr war ein Christusjahr“, sagte die Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene im Landeskirchenamt.

Auch die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche hätten sich positiv entwickelt. „Mit benachbarten Bistümern haben sich Türen geöffnet, durch die wir hoffnungsvoll in die Zukunft gehen“, sagte Rudolph. „Erinnert sei an dieser Stelle an die gemeinsamen Aufrufe an die Kirchen- und Pfarrgemeinden zur stärkeren ökumenischen Zusammenarbeit und an das Muster für Partnerschaftsvereinbarungen, das wir mit Bistümern im Bereich unserer Kirche unterzeichnet und veröffentlicht haben. Wir haben mit fast allen Bistümern in Nordrhein-Westfalen auch eine Vereinbarung zur stärkeren Zusammenarbeit im Religionsunterricht, zur so genannten konfessionellen Kooperation, geschlossen.“

Die "Overbecksche Erkenntnis" soll wachsen und gedeihen

Es bleibe der gemeinsame Auftrag aller Kirchen – „die in der Wurzel Jesus Christus ungetrennt sind“ –, „glaubwürdige Zeugen der Liebe Gottes in der Welt“ zu sein. Rudolph verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck vor der Landessynode, es wachse die Einsicht, dass Christinnen und Christen in einer sich radikal verändernden Welt nur noch gemeinsam glaubwürdige Zeugen des Evangeliums sein könnten. Der ökumenische Auftrag der Kirchen sei es auch, „es Gott ans Herz zu legen und es seiner schöpferischen Kraft zuzutrauen, dass die Overbecksche Erkenntnis auch dort wachse, blühe und gedeihe, wo im Garten der Ökumene noch viel Platz für Nutz- und Zierpflanzen ist“.

Das Reformationsjubiläum endet mit einem Doppelpunkt

Projektleiter Martin Engels

Projektleiter Martin Engels

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat für das Reformationsjubiläum rund 1,1 Millionen Euro eingesetzt. „Das Jubiläumsjahr ist uns etwas wert“, kommentierte Projektleiter Martin Engels die Summe. 600.000 Euro seien dabei in Projekte auf landeskirchlicher Ebene geflossen, 500.000 Euro gingen an Gemeinden und Kirchenkreise, um dort Aktionen unmittelbar zu unterstützen.

Was bleibt für Projektleiter Engels nach diesem Jahr? „Der rheinischen Kirche war es wichtig, schon zu Beginn aller Feierlichkeiten deutlich zu machen: Reformation ist ein Grundimpuls der Kirche, der Orientierung findet an einer biblisch-theologisch gegründeten Theologie. Es ist die immer wieder neue Erinnerung an den archimedischen Punkt der Kirche, von dem sich ihr Zuspruch und Anspruch herleitet. Daher bildete schließlich auch die Ausstellung ,Gelebte Reformation – Die Barmer Theologische Erklärung‘ einen inhaltlichen Schwerpunkt des Jahres, den die rheinische Kirche am historischen Ort in Wuppertal-Barmen, aber auch in Wittenberg und im NRW-Landtag setzt. Im Kern geht es um die immer wieder neue Orientierung der Kirche im Hier und Jetzt. Das Reformationsjubiläum endet mit einem Doppelpunkt. Denn mit den Kirchtürmen wollen wir nicht die Silhouette der Städte und Dörfer zeichnen, sondern wir wollen die Gesellschaft mitgestalten und prägen – auch im Jahr 501 nach dem Thesenanschlag in Wittenberg.“

Zunächst soll aber am 30. und 31. Oktober landauf, landab gefeiert werden. Und alles was dazu bei Instagram, Twitter, Facebook und YouTube aufgegriffen wird, kann und soll unter dem Hashtag #Reformationstag laufen, den die die Internetbeauftragten der evangelischen Landeskirchen zusammen vereinbart haben. Die Evangelische Kirche im Rheinland beteiligt sich an dieser Aktion und nutzt auch die Social-Media-Wall, die von der Stabsstelle Kommunikation im Kirchenamt der EKD bereitgestellt worden ist.

 Die Adresse der Social-Media-Wall auf der Seite der rheinischen Kirche lautet: www.ekir.de/url/p2t

 

ekir.de/ wb,cs, Fotos: neu, Video: Marcel Kuß / 18.10.2017


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