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Scharfe Gegner

Emil Menz: Aus dem Pfarramt entfernt

Einer der 190 von ihrer eigenen Kirche disziplinierten Theologen: Emil Menz (1902-1995)

Emil Menz war seit 1932 Pfarrer in der Gemeinde Oberdreis im Westerwald. In seinen Predigten wandte er sich gegen die Vereinnahmung des Evangeliums für nationalsozialistische Zwecke. Der Konflikt mit dem Staat blieb nicht aus: Ab 1936 wurde Pfarrer Menz von der Gestapo überwacht, sein Haus durchsucht, seine Predigten bespitzelt.

Am dritten Advents-Sonntag 1939 - Deutschland war im ersten Kriegsjahr - predigte Menz gegen den Totalitätsanspruch des nationalsozialistischen Staates. "Man sagt, mag auch der einzelne zugrunde gehen, das Volk für das man lebt und arbeitet, wird wenigstens bleiben in Ewigkeit. Dieser Glaube ist ja heute besonders lebendig. Es gibt aber nur eins, das nicht der Vergänglichkeit und Hinfälligkeit und Nichtigkeit anheimgegeben ist, sondern bleibt für alle Zeit und Ewigkeit, weil es von der Ewigkeit her ist, das ist Gottes ewiges Wort. Das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit."

Am 4. Januar 1940 wurde Menz verhaftet und zwei Monate in "Schutzhaft" genommen. Seine Predigt erregte weit über den Westerwald hinaus Aufsehen. Der in der Düsseldorfer Kirchenbehörde beschäftigte Studiendirektor Helmut Rößler schrieb an einen Kollegen: „Sehr geehrter Herr Pfarrer! Das soll eine Evangeliumspredigt sein? Und was das Schlimmste ist, die Predigt ergeht sich in anzüglichen Zweideutigkeiten, die man biblisch deuten kann, die man aber ebenso als mehr oder weniger versteckten Angriff auf den heutigen Staat und unseren Führer deuten kann. Nichts von Liebe, Opfergeist, Erhebung, Hingabe an den Führer und unsere großen völkischen Aufgaben ist hier geblieben."

Die Düsseldorfer Kirchenbehörde versetzte Pfarrer Menz am 1. Januar 1941 in den Wartestand. Menz erhob gegen diese Verfügung beim Evangelischen Oberkirchenrat (EOK) in Berlin Einspruch. Das Verfahren blieb jedoch bis Kriegsende in der Schwebe.

bs

 

 

 

15.10.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 15. Oktober 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. Oktober 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.