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Gespräch Weissman - Katanacho

Am Rande der Landessynode: Dr. Yohanna Katanacho und Dr. Deborah Weissman sprechen über die Situation in ihrer Heimat.

Landessynode 2015

Israel und Palästina: Wahrheit ist vielstimmig

Miteinander im Gespräch zu sein, ist oft der erste wichtige Schritt hin zu einer Lösung. Auf der Synode diskutierten die jüdische Theologin Deborah Weissman und der palästinensische christliche Theologe Yohanna Katanacho miteinander und mit den Synodalen.

Zu Beginn des Gesprächs bekennt sich Deborah Weissman zum Frieden und Dialog. Häufig werde man vor die Alternative gestellt, sowohl pro Israel und anti Palästina zu sein bzw. sowohl pro Palästina und anti Israel. Sie aber bekenne sich dazu, pro Israel und pro Palästina zu sein, weil sie pro Frieden sei.

Yohanna Katanacho gibt zu bedenken, dass er aus einer Situation der Unterdrückung, der Gewalt und des Hasses komme, aber sein Ziel sei Frieden und Gerechtigkeit. Er bewege sich in zwei Welten, wenn er zwischen Nazareth und Bethlehem, zwischen Israel und der besetzten Westbank pendele. In der Moderne habe man gefragt, was Gerechtigkeit sei. In der Postmoderne laute aber die Frage: Was ist deine Geschichte von der Gerechtigkeit? Diese habe viele Aspekte, politische, soziologische und theologische. Er suche nach der biblischen Interpretation, was Frieden sei, vom Buch der Genesis bis zur Offenbarung. So ergebe sich dann eine vielstimmige Geschichte der Wahrheit.

Deborah Weissman ergänzt, Dialog sei nur möglich, wenn Wahrheit nicht exklusiv verstanden werde. Jede Gruppe – Israelis und Palästinenser – sei gleich viel wert. Solange man an einen lebendigen Gott glaube, gebe es Hoffnung und als religiöser Mensch glaube sie an die Kraft der Veränderung, denn Menschen können sich ändern.

Politisch verorten sich beide – Katanacho und Weissman – links und bedauern, dass zurzeit extreme Parteien Oberhand haben. Bei der Frage, ob Israel sich als jüdischer Staat definieren solle, herrscht Dissens zwischen ihnen. Katanacho wünscht sich einen säkularen und demokratischen Staat Israel mit gleichen Rechten für alle Bevölkerungsgruppen. Weissman dagegen favorisiert einen jüdisch geprägten Staat Israel und einen unabhängigen Staat Palästina, die beide offene Grenzen haben.

Einig sind sich aber beide darin, dass alle Bürger Israels – unabhängig von Religion und ethnischer Herkunft - dieselben Rechte haben müssen, dafür lohne es sich, friedlich zu demonstrieren.

„Erwartet keine Antworten von uns,“ wendet sich Katanacho an die rund 50 Synodalen, die der Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung gefolgt waren, „wir sind hier, weil wir Hilfe brauchen, denkt mit uns mit.“ Dass Deborah Weissman und Yohanna Katanacho auf der Landessynode miteinander sich für den Frieden in Israel und Palästina einsetzen, ist auch ein Ergebnis der Dialogveranstaltungen, die die rheinische Kirche seit dem Jahr 2013 im Heiligen Land durchführt.

Auch wenn sie bei Fragen konträre Positionen vertreten, sind sie im Gespräch miteinander und setzen sich gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit ein. „Deborah und ich sind im selben Team,“ sagt Katanacho, und Weissman nickt.

ekir.de / rpr / 13.01.2015


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