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Vizepräsident Dr. Weusmann spricht über die Bibel als politisches Buch

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“

Pressemitteilung Nr. 140/2014

Ob Flüchtlingsdrama an den EU-Außengrenzen, Friedenspolitik unter Einsatz von Waffen oder die Herausforderungen der wirtschaftlichen Globalisierung – die Bibel weist wie ein Kompass die Richtung, in der Antworten zu suchen sind. Das sagt Dr. Johann Weusmann, Vizepräsident der Evangelischen Kirche im Rheinland. In einem Festvortrag zum 200-jährigen Bestehen des Evangelischen Bibelwerks im Rheinland erläutert der leitende Jurist der rheinischen Kirche am Sonntag, 21. September 2014, 14.30 Uhr, im Großen Saal des Missionshauses der Vereinten Evangelischen Mission, Rudolfstraße 135 in Wuppertal, wie Christinnen und Christen mit der Bibel politische Verantwortung übernehmen können. „Die Bibel als politisches Buch“ ist der Titel seines Vortrags.

Wie sollte beispielsweise eine Friedenspolitik aussehen, die nachhaltig wirkt? Weusmann verweist auf einen Satz aus dem Römerbrief des Paulus: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Die politische Verantwortung der Christinnen und Christen beginne weit vor der bewaffneten Auseinandersetzung, nämlich dort, wo die Konflikte entstehen und nicht erst dort, wo sie eskalieren. „Die Waffenarsenale dieser Welt sind nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.“

Christinnen und Christen wüssten allerdings nicht alles besser, nur weil sie die Bibel hätten. „Auch als Kirche können wir politische Sachverhalte nicht besser wissen oder beurteilen als es nach der allen Menschen geschenkten Einsichtsfähigkeit möglich ist“, sagt Weusmann. Wenn sie sich aber zu Wort melden, tun sie es in dem Bewusstsein, sich für ihre Entscheidungen vor Gott verantworten zu müssen.

Weusmann erinnert dabei an zwei biblische Grundprinzipien: Da ist einmal das biblische Menschenbild, in dessen Zentrum die Ebenbildlichkeit Gottes steht: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“ (1. Mose 1,27) Diese Gottesebenbildlichkeit „gilt jedem Menschen unabhängig von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, Vermögen, Geburt, sexueller Orientierung und was einem sonst noch als Unterscheidungsmerkmal einfallen mag“. Im Neuen Testament werde die Menschenwürde als Wesensmerkmal aller Menschen durch die Menschenwerdung Gottes in Jesu Christi selbst besiegelt. Die Bibel fordere zu einer umfassenden Mitmenschlichkeit heraus, wie Jesus sie etwa im Gleichnis vom barmherzigen Samariter beschrieben habe.

Als zweites Grundprinzip verweist Weusmann auf den biblischen Grundsatz der Freiheit und Gerechtigkeit. Es gehöre zur Urerfahrung der christlich-jüdischen Tradition, dass Gott der Befreier der Machtlosen sei. „Der biblische Gerechtigkeitsbegriff fällt mit dem Recht der Schwachen und Bedürftigen zusammen. Es geht um soziale Gerechtigkeit“, so Weusmann in seinem Vortrag über die Bibel als politisches Buch.

Weusmanns Festvortrag ist Teil eines „Bibeltages“, mit dem das Evangelische Bibelwerk im Rheinland sein 200-jähriges Bestehen feiert. Er beginnt um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Unterbarmer Hauptkirche. Es predigt Oberkirchenrat Klaus Eberl, Leiter der Bildungsabteilung im Landeskirchenamt und Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Danach gibt es ein Programm im Bibelzentrum und im Missionshaus der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in der Rudolfstraße.

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 17.09.2014


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