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VEM: Bildung ist ein Menschenrecht

Pressemitteilung Nr. 175/2013

Ein Drittel aller Kinder in Afrika südlich der Sahara sind von Armut betroffen. Statt zur Schule zu gehen, müssen sie sich als billige Haushaltshilfen verdingen oder unter unmenschlichen Bedingungen auf Fischfarmen arbeiten. Andere schuften unter Lebensgefahr im Bergbau, um Mineralien zu fördern. Auch in vielen Ländern Asiens ist der regelmäßige Schulbesuch nicht selbstverständlich – nicht weil Eltern und Kinder das nicht wollten, sondern weil sie die Armut dazu zwingt, schon im Grundschulalter zum Familieneinkommen beizutragen.

„Das ist ein Teufelskreis: Armut verhindert Bildung, und ohne Bildung schafft auch die nächste Generation nicht den Weg aus der Armut“, sagte Dr. Jochen Motte, Vorstandmitglied der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), anlässlich der neuen VEM-Menschenrechtsaktion „Bildung ist ein Menschenrecht“. Heute wurde die Aktion gemeinsam mit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) offiziell vorgestellt.

Der Zugang zu elementarer Bildung sei dabei keine Wunschvorstellung oder ein Gnadenakt, sondern ein elementares Menschenrecht, so Motte. Nicht umsonst hätten sich die Vereinten Nationen in ihren „Millennium Development Goals“ zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 allen Kindern auf der Welt eine Grundschulbildung zu verschaffen. Zwar habe es Fortschritte gegeben, erklärte Motte. In Süd- und West-Asien habe sich in den vergangenen Jahren die Anzahl der Kinder, die keine Schule besuchen, halbiert. Und auch im südlichen Afrika sei die Einschulungsrate um ein Drittel gestiegen. Für die besonders armen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen sei die Umsetzung des Rechts auf Bildung aber nach wie vor in weiter Ferne.

Motte nannte als Beispiel die Region West-Papua in Indonesien, wo es zwar Schulen gebe, aber kaum Lehrerinnen und Lehrer, weil viele Gegenden sehr abgelegen sind. Auch im Bürgerkriegsgebiet im Ost-Kongo sei die Lage schwierig. Die Mitgliedskirchen der VEM in Afrika, Asien und Deutschland engagieren sich mit einer Vielzahl von Projekten in diesen besonders prekären Situationen.

Auch in Deutschland gebe es laut UN noch Defizite. Der zuständige UN-Sonderberichterstatter habe am dreigliedrigen Schulsystem kritisiert, dass es Kinder aus Migrantenfamilien, Kinder aus wirtschaftlich armen Familien und Kinder mit Behinderungen deutlich benachteilige. Und auch laut Länderüberblick der OECD für das Jahr 2012 sei die Bildungsmobilität nach oben in Deutschland nach wie vor deutlich geringer ausgeprägt als in vergleichbaren Ländern. Deutschland investiere immer noch einen eher geringen Anteil seines Volksvermögens in die Bildung.

In dieser Woche bestätigte die neue PISA-Studie, dass die Resultate nach wie vor spürbar sind. „Uns Protestanten macht dieses Defizit Sorgen, weil Bildung eine Voraussetzung für politische und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit ist und Inklusion im Sinne von Chancengleichheit erst ermöglicht“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski. „Schulbildung war ein wichtiges Anliegen der Reformatoren, weil sie wollten, dass jeder Mensch die Bibel lesen und öffentlich über den Glauben sprechen kann, aber auch, weil er oder sie sich für die eigene Stadt oder das eigene Dorf einsetzen können soll.“

Angesichts der vorhandenen Defizite fordern die VEM und die Rheinische Kirche unter anderem sicherzustellen, dass in Deutschland Kindern mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskindern die gleichen Bildungschancen gewährt werden wie allen anderen. Außerdem müsse die Armutsbekämpfung weltweit Priorität haben, um Familien in die Lage zu versetzten, sich Bildung auch leisten zu können.

Das Plakat zur VEM-Menschrechtsaktion und weitere Hintergrund- und Projektinformationen gibt es unter www.vemission.org/menschenrechtsaktion.

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 06.12.2013


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