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Die jüdische Theologin Dr. Deborah Weissman hielt Andacht zu Gottesbildern

Gott wird erkennbar im Nächsten – etwa in jenem Muslim, der in Paris 15 Juden rettete

Pressemitteilung Nr. 12/2015

„Wie Gott zur Welt kommt“ ist das theologische Thema der diesjährigen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Er wird erkennbar im Angesicht des Nächsten“, lautet die Antwort der jüdischen Theologin Dr. Deborah Weissman. Gott komme in unseren Taten zur Welt, sagte sie mit einem Verweis auf das Gottesbild des Talmud. So wie Gott beispielsweise die Hungrigen sättigt, sollen wir es auch tun. Die Welt sei voll von guten Geschichten, sagte Weissman, die als Dozentin für Talmud und jüdische Bibelauslegung in Jerusalem tätig war. Wie beispielsweise jene des 24-jährigen Muslims aus Mali, der beim islamistischen Mordanschlag und Geiseldrama von Paris 15 Kundinnen und Kunden des jüdischen Supermarktes im Kühlraum des Ladens versteckte und so ihr Leben rettete.

Welches kritische Potenzial ein Gottesbild hat, machte Dr. Weissman am Beispiel des Transhumanismus deutlich, einem Projekt, dass den Menschen durch technischen Fortschritt in Richtung Unsterblichkeit führen möchte, dabei jedoch auf die Trennung der Menschheit in „Super-Menschen“, die es sich leisten können, und den armen Rest hinauslaufe. Dagegen setzte sie die theologische Erkenntnis des Talmud, dass nur Gott unsterblich sei, der aber durch die sterblichen Menschen wirke.

Dr. Deborah Weissman ist eine langjährige Partnerin der rheinischen Kirche im christlich-jüdischen Gespräch und in den vergangenen drei Jahren maßgeblich an einem christlich-jüdischen Workshop beteiligt, den die rheinische Kirche gemeinsam mit der „Evangelisch lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land“ (ELCJHL) in Jerusalem organisiert hat und der in diesem Jahr fortgesetzt wird. Sie war an der Hebräischen Universität tätig und hat in Israel angehende Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet. Bis zum Sommer 2014 war sie auch Präsidentin des „Internationalen Rates der Christen und Juden“ (ICCJ).

Morgen wird die Andacht von Dr. Yohanna Katanacho gehalten. Er ist Pfarrer der Baptist Church of Nazareth und Academic Dean des Bethlehem Bible College und neben Dr. Weissman in dem christlich-jüdischen Workshop engagiert. Mit der Einladung der beiden möchte die rheinische Kirche an den wegweisenden Beschluss zur bleibenden Erwählung Israels von 1980 erinnern, mit dem die Landessynode vor 35 Jahren das Verhältnis von Christen und Juden auf eine neue Grundlage gestellt hat.

Das theologische Thema „Wie kommt Gott zur Welt“ nehmen zwei weitere Andachten der diesjährigen Synode auf. Sie werden von Diplom-Ingenieurin Kathrin Zindel (Donnerstag) und Physikprofessor Dr. Jürgen Schnakenberg (Freitag) gehalten.

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Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle / 12.01.2015


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