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Vizepräses Pistorius predigt beim Erntedankempfang des NRW-Umweltministers

Die ökonomische Effizienz verdrängt den Dank für das tägliche Brot

Pressemitteilung Nr. 132/2016 

Köln. Viele Menschen haben kein dankbares Verhältnis zu Lebensmitteln mehr, weil sie Früchte, Gemüse und Fleisch nur noch als fertig produzierte Produkte aus dem Supermarkt kennen. Darauf hat der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, anlässlich des Erntedankfestes hingewiesen. „Immer mehr Lebensmittel werden für den Verkauf produziert, aber dann weggeworfen“, sagte er in einem ökumenischen Erntedankgottesdienst in der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol. Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatten dazu und zu einem anschließenden Erntedankempfang eingeladen.

„Es gibt, so glaube ich, nur noch wenige Menschen, die in der Lage sind, einen Gemüsegarten zu bewirtschaften“, sagte der rheinische Vizepräses im Gottesdienst. Gefördert werde diese Entfremdung von den naturbelassenen Lebensmitteln durch Kaufverhalten und Produktion. „Egal, ob es um Tierhaltung oder um Ackerbewirtschaftung geht – die ökonomische Effizienz ist die Leitmaxime: für die Landwirtschaft, den Handel und auch für uns Verbraucher“, so Pistorius weiter. Wertschätzung für Lebensmittel, zu der Remmel und Reker in ihrer Einladung zu Gottesdienst und Empfang aufgerufen hatten, könne sich unter diesen Bedingungen nicht einstellen.

„Das Wort ,Wertschätzung‘ selbst findet sich in unseren Bibelübersetzungen so nicht“, sagte Pistorius in seiner Predigt weiter. Die Bibel kenne stattdessen das Wort „heiligen“, das allerdings kaum noch in Gebrauch sei. „Wer wertschätzt, wer heiligt, der nimmt nicht achtlos, und der lässt nicht achtlos liegen.“ Der sei dankbar für das, was er zum Leben habe. Pistorius erinnerte an die Bitte im Vaterunser: „Unser tägliches Brot gibt uns heute“ sowie an Psalm 103: „Als Christinnen und Christen können wir gemeinsam mit Israel beten: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat und tut.“

Auch wenn ein Fest wie der Erntedank einem ständigen Wandel unterliege, bleibe es bedeutsam für eine Gesellschaft, sagt der Vizepräses in seiner Predigt und erinnerte an einen Satz des Soziologen Èmile Durckheim, nach dem jede soziale Gruppe zur Erhaltung ihrer Identität auf Feste angewiesen sei. Pistorius wies darauf hin, dass Feste immer auch eine integrative Komponente haben. Multikulturalität sei keine Utopie von Gutmenschen, sondern jede Kultur sei immer „multikulti“ entstanden, wie das Weihnachtfest und auch Erntedank zeigten. „In diesem Sinne freue ich mich, wenn das nordrhein-westfälische Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz einen Empfang anlässlich des Erntedankfestes gibt.“

 

Köln / EKiR-Pressestelle / 30.09.2016


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