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Britta Huening (Hüning), Oberaerztin in der Neonatologie der Uniklinik Essen hat mit Kollegen eine App fuer Fruehchen entwickelt, die sogenannte Fruehstart-App (Foto vom 15.12.2017 auf der Fruehchenstation der Uni-Klinik mit der App auf dem Smartphone). B

Britta Hüning, Oberärztin in der Neonatologie der Uniklinik Essen, hat mit Kollegen die sogenannte Frühstart-App entwickelt.

Uniklinik Essen

App für Frühgeborene unterstützt Eltern und Fachpersonal

Wenn ein Baby deutlich zu früh zur Welt kommt, ist das für die Eltern eine große Belastung. Eine App hilft dabei, die schwere Zeit durchzustehen. Entwickelt wurde sie in der Universitätsklinik Essen.
 

Als die Ärzte ihr mitteilten, dass ihr Kind sofort per Notkaiserschnitt geholt werden müsse, kam das für Julia G. völlig überraschend. "Das war schon sehr schlimm. Wir fühlten uns überrumpelt", sagt die junge Mutter. Und so wurde ihr Sohn Jakob zehn Wochen zu früh geboren und verschwand gleich in einem Brutkasten auf der Neugeborenen-Intensivstation. "Er war so winzig, 43 Zentimeter und 1.600 Gramm", erinnert sie sich.

So wie dem Ehepaar G. geht es vielen jungen Paaren, deren Kinder als Frühchen zur Welt kommen. Statt das Kind endlich im Arm zu halten und sich gegenseitig kennenlernen zu können, finden sie sich plötzlich auf einer hochtechnologisierten Neugeborenen-Intensivstation wieder, mit piependen Maschinen und einem winzigen verkabelten Baby. Die Eltern dürfen ihr Kind nur durch die Scheibe des Inkubators sehen und nur durch Greiflöcher vorsichtig anfassen.

Hilfe gegen Depression

"Das ist für Eltern schon sehr schwierig, sie fühlen sich da sehr hilflos", sagt Dr. Britta Hüning, die als Oberärztin in der Neonatologie der Uniklinik Essen arbeitet und dort die Elternberatung "Frühstart/BunterKreis" leitet. Bis zu 40 Prozent aller Mütter von Frühchen entwickelten nach der Geburt eine Depression, sagt sie.

Um die jungen Paare in den ersten Wochen und Monaten ihres Elterndaseins zu unterstützen, haben Hüning und ihre Kollegen eine App entwickelt, die sogenannte Frühstart-App. Bereits 1.000 Mal wurde die kosten- und werbefreie App von Nutzern auf ihr Smartphone heruntergeladen, 700 nutzen sie aktiv. "Wir haben nach einem Unternehmen gesucht, das bereits über die nötige Infrastruktur verfügt und es uns ermöglicht, Daten sicher auf einem Server zu platzieren", erläutert Hüning. Dies geschieht auch in Kooperation mit dem Softwareunternehmen Microsoft, das in seiner Cloud kostenlos Speicherkapazität zur Verfügung stellt. Das alles unterliege sehr strengen Datenschutzregeln, sagt Hüning.

Auch Großeltern können einbezogen werden

Die App umfasst vier Bereiche: In der "Mein Tagebuch"-Funktion können Eltern kleine Entwicklungsfortschritte ihres Kindes mit Texten, Audio- und Videodateien festhalten. "Meine Termine" erinnert an anstehende Kinderarztbesuche oder Impfungen. "Meine Medikamente" fordert zu Medikamentengabe auf. Und in "Meine Entwicklung" können Eltern vermerken, wie das Baby zunimmt, wie es wächst und wie viel es trinkt.

Die App verfügt auch über einen Kommunikationsbereich, über den die Eltern mit der Nachsorgeschwester oder ihrem Kinderarzt in Kontakt stehen und etwa Daten zum Wachstum und zur Gewichtszunahme übermitteln können. Auch Großeltern, die nicht in der Nähe wohnen, können die Entwicklung des Enkelkindes über die App mitverfolgen.

Kleine Fortschritte im Tagebuch notieren

"Gerade die Tagebuchfunktion ist sehr wichtig für Eltern", sagt Hüning. Sie helfe, sich auch kleine Fortschritte vor Augen zu führen. "Denn ein Frühchen zu haben, ist wie Achterbahn fahren. Man fällt erst mal in ein tiefes Loch." Die Eltern hätten oft das Gefühl, nichts tun zu können.

"Das Tagebuchschreiben dagegen hilft den Eltern, auch kleine Fortschritte in der Entwicklung wahrzunehmen. Es gibt ihnen eine Aufgabe, sensibilisiert für die Bedürfnisse des Kindes, bindet sie früh in die Versorgung mit ein und hilft, die Verantwortung für das Kind schrittweise mitzutragen." Und die App könne dabei helfen, die Angst vor dem Nachhausegehen zu überwinden, sobald das Kind dann endlich aus der Klinik entlassen wird.

Meilensteine festhalten

Julia G. findet besonders schön, dass man kleine Meilensteine festhalten kann, die eben typisch sind für das Leben mit Frühchen. Zum Beispiel: "Heute haben wir zum ersten Mal Känguruhing gemacht." Das heißt, dass das Baby nur in Pampers auf den Bauch von Mama oder Papa darf.

Andere Meilensteine waren: "Heute zum ersten Mal selbst gewickelt." Jakob durfte nach sieben Wochen nach Hause.

epd / epd-bild / 28.12.2017


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