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Präses spricht bei Gedenkveranstaltung zum Solinger Brandanschlag

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“

Pressemitteilung Nr. 96/2013

„Wir können das Böse nicht aus der Welt schaffen. Doch wir können ihm gemeinsam begegnen.“ Das sagte Präses Manfred Rekowski am Mittwochnachmittag (29. Mai, vgl. Sperrfrist!) bei der Solinger Gedenkveranstaltung aus Anlass des 20. Jahrestages des Brandanschlags auf das Haus der Familie Genç. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland sprach als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Unheil und Unrecht begännen in den Köpfen einiger Menschen, wenn Menschenrechte nicht jedem zugestanden würden und wenn das Lebensrecht nicht mehr für alle in gleicher Weise gelten solle. „Christinnen und Christen glauben – und auch anderen Religionen ist dieser Gedanke nicht fremd: Gott liebt unterschiedslos und ausnahmslos die Welt und alle seine Menschenkinder“, so Präses Rekowski.

Familie Genç hat den Glauben an Recht und Gesetz nicht verloren

Nur zu häufig folge auf Gewalt und Hass Gegengewalt. Auch in Solingen hätten sich Wut, Trauer und Entsetzen nach dem Anschlag auf die Menschen im Haus an der Unteren Wernerstraße zunächst in gewaltsamen Ausschreitungen Bahn gebrochen. „Aber: Diese Stadt und ihre Menschen haben schließlich wieder zu sich und zueinander gefunden. Das ist nicht zuletzt dem vehementen Eintreten von Familie Genç für Toleranz und Miteinander zu verdanken.“ An die Familie Genç gewandt sagte Präses Rekowski: „Sie haben Ihren Glauben an Recht und Gesetz nicht verloren und sind nicht der Versuchung erlegen, jemand anderem als den vier Tätern die Schuld zu geben. Sie sehen das Gute und das Schlechte dieser Stadt, die Ihnen zur Heimat geworden ist.“ Ihm falle dazu ein biblisches Wort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom ein, so der 55-jährige Theologe: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Dies tun nach seiner Einschätzung gemeinsam mit Familie Genç auch viele andere Menschen in Solingen: „Sie haben das ,Solinger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage’ gebildet, bei dem die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Solingen als Bündnispartner mitarbeitet. Sie machen Angebote wie z.B. die Kunst-Mitmach- oder Mal-Mitmach-Aktion, bieten Vorträge an, demonstrieren und engagieren sich mit einem ,Tag des Dialogs’. Solingen lässt sich nicht auf diesen menschenverachtenden Brandanschlag reduzieren, sondern begegnet ihm offensiv mit Toleranz und Offenheit. Sie leben in Vielfalt zusammen.“

Abschließend sagte der rheinische Präses: „Wir können das Böse nicht aus der Welt schaffen. Doch wir können ihm gemeinsam begegnen. Wenn Vertrauen erschüttert wurde, Hass gesät und Verletzungen zugefügt, sollten wir uns Gott anvertrauen, ihm klagen und unsere Not schildern. Doch eins sollen wir nicht: Böses mit Bösem vergelten. Denn Gott ist hier, der gerecht macht (Röm. 8,33b). Das heißt: Wir liefern uns den Zerstörungen dieser Welt nicht aus. Gott begleitet uns, und Gott möchte seine Menschen zu einem guten Ziel führen.“ Wer von dieser Hoffnung geprägt sei, werde andere Menschen nicht im Stich lassen und könne es auch nicht zulassen, dass Menschen anderen Menschen Leid zufügen. „Nicht alle teilen diese religiösen Überzeugungen. Doch ich halte daran fest: ,Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.’ Die Welt kann nur besser werden, wenn Menschen das gelingt. Dazu helfe uns Gott.“

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Düsseldorf/Solingen / EKiR-Pressestelle / 29.05.2013


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