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Friedhelm Waldhausen

Friedhelm Waldhausen ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dinslaken.

Nominierungsarbeit und Gremienkultur (3)

Gemeinsam mit anderen das Gemeindeleben bereichern

Welche Erwartungen können Presbyterinnen und Presbyter an die Arbeit in ihrer Gemeinde haben und wie kann sich Wertschätzung ausdrücken? Superintendent Friedhelm Waldhausen berichtet in der Reihe zu Nominierungsarbeit und Gremienkultur in der Evangelischen Kirche im Rheinland von Erfahrungen aus dem Kirchenkreis Dinslaken.   

Was weckt nach Ihrer Erfahrung das Interesse in ein Presbyterium oder ein anderes kirchliches Gremium zu gehen?

Voraussetzung für ein entsprechendes Interesse sind nach meiner Erfahrung das Erleben und eine gewachsene Beziehung zum gemeindlichen Leben. Dazu gehören sowohl das Feiern von Gottesdiensten sowie die Mitarbeit in Gemeindegruppen, die sich gesellschaftlichen und religiösen Themen widmen, als auch der Kontakt zu anderen Gemeindegliedern und Mitarbeitenden in der Gemeinde und zu den Pfarrerinnen und Pfarrern. Ich habe erlebt, wie Interessierte einerseits konkret mit ihren ganz persönlichen Begabungen – zum Teil aus ihrem professionellen Bereich – Zeit für ihre Gemeinde zur Verfügung stellen möchten, andererseits mit bestimmten Vorstellungen gemeinsam mit anderen das Gemeindeleben bereichern möchten. Der Wunsch an einer Kirche mit zu bauen, die konkret in einem Stadtteil beziehungsweise in einer Region erkennbar ist, weil sich hier Menschen im Geiste Jesu begegnen, indem sie Freud und Leid miteinander teilen, Anteil aneinander nehmen und Kraft haben, sich um Benachteiligte und Verlassene sowie um ungerechte Verhältnisse zu kümmern.

… und was hält davon ab?

Meines Erachtens die empfundene hohe Verantwortung und damit verbunden eine vermutete Erwartungshaltung von Gemeindegliedern, der manche sich jedoch meinen, nicht gewachsen zu fühlen.

Welche Erwartungen können neue Presbyterinnen und Presbyter an ihre Gemeinde haben und welche Erwartungen haben Gemeinden an die neuen?

... dass sie Geduld für sie aufbringen, weil es mindestens ein bis zwei Jahre dauert bis man die Komplexität von gemeindlichen Leitungsaufgaben annähernd versteht. Ich glaube, dass Gemeindeglieder manchmal einfach ganz froh sind, eine Ansprechperson im Presbyterium zu wissen, weil man zum Beispiel gerne mal eine Rückmeldung etwa zum Konfirmandenunterricht ins Presbyterium geben möchte oder Anregungen für ein bestimmtes Engagement unterbreiten will.

Welche Form der Vielfalt brauchen kirchliche Gremien?

Die Vielfalt kirchlicher Gremien sollte unbedingt allen an der Vielfalt beteiligten gemeindlichen Gremien bekannt gemacht werden durch regelmäßige Begegnungen. Die Transparenz der Themen, mit denen man sich beschäftigt, sollte dabei eine bedeutende Rolle spielen. Wohin sich die Gemeinde entwickeln soll, das zu benennen ist dabei Aufgabe des Presbyteriums.

Was kann man für diese Vielfalt tun?

Begegnungen initiieren, vorbereiten und nachbereiten. Nicht-Gremien-Mitglieder zu teilöffentlichen Fachausschusssitzungen und teilöffentlichen Presbyteriumssitzungen mit Rederecht einladen.

Wie lässt sich mit Enttäuschungen umgehen – zum Beispiel, wenn eine Kandidatin oder ein Kandidat nicht gewählt wird?

In unserem Presbyterium haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, dass Kandidatinnen und Kandidaten für das Presbyterium, die nicht gewählt wurden, ganz offiziell in einen gemeindlichen Fachausschuss, der dem jeweiligen Interesse entsprach, berufen wurden. Die Annahme der Berufung wurde zum Beispiel durch Abkündigung im Gottesdienst bekanntgegeben. Ein so berufenes Gemeindeglied fühlt sich so sowohl gewertschätzt als auch hineingenommen in gemeindliches Leitungshandeln.

Friedhelm Waldhausen ist seit 2014 Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dinslaken.

Ein weiteres Interview zum Thema Nominierungsarbeit und Gremienkultur folgt mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Kleve, Hans-Joachim Wefers.

ekir.de / rtm / Foto: Kirchenkreis Dinslaken / 02.06.2016


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