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Anfänge der Reformation im Rheinland lagen im Süden: Nicole Kuropka.

Anfänge der Reformation im Rheinland lagen im Süden: Nicole Kuropka.

Landessynode 2017

Kirchenhistorikerin: Aus Reformation für Gegenwart lernen

Es gibt nicht eine Reformationsgeschichte, sondern eine Vielzahl von Reformationsgeschichten. Das machte Kirchengeschichtlerin PD Dr. Nicole Kuropka in ihrem Vortrag vor der Landessynode 2017 deutlich. Die Anfänge der Reformation im Rheinland lägen im Süden der Landeskirche, auf der Ebernburg, erklärte sie weiter.

Die rheinische Kirche kann der Kichenhistorikerin Nicole Kuropka zufolge aus der Geschichte der Reformation für die Gegenwart lernen. Es geht etwa darum, "sich das Vergangene im Blick auf unser heutiges Kirche-Sein anzueignen", sagte die Dozentin der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel am Montag vor der rheinischen Synode in Bad Neuenahr.

Im Rheinland könne das Reformationsjubiläum dabei aber nicht als Lutherjahr gefeiert werden. "Dazu ist die rheinische Reformationsgeschichte viel zu vielfältig in ihren Prägungen und Wegen", betonte sie. "Das Nebeneinander unterschiedlicher Konfessionen ist dem Rheinland von Anfang an zu eigen, auch wenn es in den unterschiedlichen Regionen unterschiedlich ausgeprägt ist." Diese rheinische Vielfalt biete ein "ungeheures Potenzial, sowohl mit Blick auf eine kirchliche Präsenz in der modernen pluralen Gesellschaft als auch mit Blick auf weitere ökumenische Prozesse".

Die Situation im 16. Jahrhundert ist in manchen Teilen laut Kuropka mit der heutigen Zeit vergleichbar. Die Umbrüche im gesellschaftlichen Leben zeigten sich heute in der Wissens- und Medienrevolution, in Zukunftsängsten oder Unsicherheiten aufgrund des technischen Fortschritts. Allerdings seien die Texte der Reformatoren vor allem Antworten auf die Glaubens- und Lebensnöte ihrer Zeit. "Wir werden in den Texten von Martin Luther und auch nicht in den Texten von Johannes Calvin einfache Antworten für die Gegenwart finden", betonte sie. Dennoch seien diese Texte mehr als "verstaubte Zeitzeugen des 16. Jahrhunderts".

Man müsse sich einerseits den Verfehlungen der Reformatoren stellen und diese beim Namen nennen, forderte Kuropka. Dazu gehörten beispielsweise Martin Luthers judenverachtende Schriften. Andererseits sollte die Kirche auch mit dem Blick der Reformatoren auf die heutigen Strukturen blicken: "Wo würden zum Beispiel Luther, Melanchthon und Calvin heute den Kopf über uns schütteln oder wo würde unser kirchlicher Alltag ihnen vielleicht sogar die Zornesröte ins Gesicht treiben?"

epd, ekir.de/neu; Foto: Hans-Jürgen Vollrath / 09.01.2017


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