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Christoph Pistorius spricht heute beim Jahresempfang in Remscheid

Vizepräses: „Wir schulden der Gesellschaft Angebote zur Orientierung“

Pressemitteilung Nr. 163/2014

„Der christliche Glaube entsendet den Menschen in die Welt und nicht allein in eine religiöse Innerlichkeit. Es geht nicht allein darum, Gott am Sonntag im Gottesdienst zu dienen, sondern eben auch im Alltag der Welt.“ Das hat Vizepräses Christoph Pistorius am Abend (vgl. Sperrfrist!) in Remscheid unterstrichen. „Wir sind als Christen gesandt, uns in unserem lebensweltlichen und politischen Um¬feld zu orientieren, zu bewegen und ,dankbaren Dienst an allen Geschöpfen’ zu leisten, wie es die 2. These der Barmer Theologischen Erklärung formuliert“, sagte der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland in einem Vortrag über „Kirche und Politik“ anlässlich des Jahresempfangs des Kirchenkreises Lennep.

„Die Bibel ist uns dabei Leitschnur und bietet uns ethische Orientierung. Die Barmer Theologische Erklärung spricht vom Wort Gottes als der einzigen Quelle, aus der die Kirche und die Christen¬heit zu leben habe. Auch hier ist noch einmal die Eigenverantwortung des Einzelnen zu betonen. Martin Luther steht mit seiner Übersetzung der heiligen Schrift ins Deutsche dafür, dass der einzelne Christ die Bibel zur Hand nimmt, darin liest und studiert, und sich für das Leben im Alltag der Welt aus der Bibel heraus orientieren und inspirieren lässt“, so Pistorius am Vorabend des Reformationstags. Einerseits habe Helmut Schmidt Recht, der in der Diskussion um den Nato-Doppelbeschluss gesagt hat, mit der Bergpredigt könne man keine Politik machen. „Eine konkrete Entscheidung in einem aktuellen Kontext lässt sich aus diesen Worten Jesu, die er auf einer Anhöhe über dem See Genezareth an das Volk gerich¬tet hat, nicht eins zu eins ablesen. Es bedarf immer der Einordnung und je und je einer neuen verantworteten Entscheidung“, stimmt der rheinische Vizepräses dem einstigen Bundeskanzler zu, aber: „Andererseits bleibt die Idee der Feindesliebe eine unumstößliche Wahrheit oder ein fundamentaler Wert. Es diente dem Wohl der gesamten Menschheit, wenn wir in unseren Beziehungen die Feindschaft, den Hass und den aggressiven Neid nicht kultivierten und verstärkten, sondern vielmehr unsere Feinde liebten, so wie es die Bergpredigt sagt.“

Der Schweizer Theologe Karl Barth habe einmal gesagt: „Christen lesen die Bibel und die Zeitung.“ In diesem Sinne resümierte Christoph Pistorius: „Wir schulden der Gesellschaft Angebote zur Orientierung und zur Deutung, wissend darum, dass politi¬sche Willensbildungsprozesse auch abseits der Kirche, ja manchmal auch gegen die Kirche verlaufen. Unsere Aufgabe als Christinnen und Christen ist es, Gottes Wort in Zuspruch und Anspruch in diese Welt zu sagen.“

Düsseldorf/Remscheid / EKiR-Pressestelle / 30.10.2014


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