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17 Gäste nahmen rheinische Kirche elf Tage lang unter die Lupe

Blick von außen: Eine Kirche mit Potenzial, die deutlicher theologisch auftreten soll

Pressemitteilung Nr. 124/2015 

„Die Evangelische Kirche im Rheinland ist eine Kirche, die sich als Mitgestalterin des Reiches Gottes versteht. Sie nimmt ihre Verantwortung für die Welt ernst. Die theologische Begründung wird allerdings oft nicht überzeugend deutlich artikuliert. Viele Einrichtungen und Aktionen vermitteln den Eindruck, eher humanistisch orientiert als evangelisch profiliert zu sein. Die Kirche stellt sich wichtige Fragen hinsichtlich ihrer gegenwärtigen und zukünftigen Arbeit, aber sie diskutiert manchmal nur zögernd gesellschaftliche Tabus.“ Es sind Beschreibungen wie diese, die die rheinische Kirche nun herausfordern, über sich und ihre Mission nachzudenken.


Elf Tage lang hat sich die zweitgrößte EKD-Gliedkirche von 17 Vertreterinnen und Vertretern aus nationalen und internationalen Partnerkirchen unter die Lupe nehmen lassen – erstmals in ihrer Geschichte. Gestern hat die Gruppe Präses Manfred Rekowski ihren Abschlussbericht der Ökumenischen Visite bei einem Gottesdienst in Wuppertal übergeben; heute fassten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Eindrücke vor Journalistinnen und Journalisten in Düsseldorf zusammen. „Oft überlagert das gute Engagement das Bekenntnis des Glaubens“, sagte dabei Kimberly Redding von der United Church of Christ in den USA: „Wir würden uns wünschen, dass die Menschen in den Gemeinden sagen, dass sie das, was sie tun, aus ihrem Glauben heraus tun.“ Und der namibische Bischof Ernst //Gamxamub brachte es auf die Formel: „Was die Kirche tut, ist gut, aber es fehlen das Salz und das Licht.“ „Die Evangelische Kirche im Rheinland ist eine Kirche, die den Mut hat, sich den Spiegel vorhalten zu lassen“, fassen die Gäste, die u. a. aus Indonesien, den USA, Namibia, Belgien, Rumänien, Ungarn, Polen und Frankreich kamen, in ihrem Abschlussdokument zusammen.


Zukunftssorgen, theologisches Verständnis und konfessionelle Identität


Die rheinische Kirche verfüge über Ressourcen, „so dass sich die Glieder der Kirche um Arme und Fremde kümmern können. Wir nehmen aber die Sorge wahr, in Zukunft mit weniger Personal auskommen zu müssen, ohne dass die Arbeit weniger würde. Wir stellen fest, dass ihr das Schrumpfen Sorge macht und dass auch das theologische Verständnis und die konfessionelle Identität nur selten zur Sprache kommen. Jenseits dieser Sorgen hat uns die ökumenische Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden in Deutschland und international positiv beeindruckt“, beschreiben die Gäste, die sich mehrere Tage in Arbeitsgebieten in sechs Regionen der rheinischen Kirche zwischen Niederrhein und Saarland umgesehen haben, ihre Eindrücke.


Beeindruckendes Engagement von beruflich wie ehrenamtlich Mitarbeitenden sei oft auch von Erschöpfung begleitet, stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ökumenischen Visite fest. „Wir fragen uns, wie diese Kirche unter den Herausforderungen der Zeit eine ,prophetische Kirche’ sein kann, die ihre Position als eine von Gott berufene Institution in der heutigen Gesellschaft klar vertritt. Auf der einen Seite haben wir eine hohe Professionalität wahrgenommen, auf der anderen Seite hat uns des Öfteren das spezifisch Evangelische an der Kirche gefehlt. Das Fehlen einer solchen theologischen Begründung wird zum Beispiel im Bereich des diakonischen Handelns sichtbar“, heißt es in dem Papier. Deswegen schlage die Gruppe vor, „eine klarere theologische Begründung des Handelns der Evangelischen Kirche im Rheinland vorzunehmen. In diesem Sinne gilt unseres Erachtens die Orientierung an der Bibel als richtungsweisender Maßstab für alle Bereiche des kirchlichen Lebens. Diese sollte zurück gewonnen, gepflegt und vermittelt werden.“


Kirchenleitung und Landessynode beschäftigen sich mit den Ergebnissen


„Wir werden die Ergebnisse der Visite in der Kirchenleitung anschauen, aber wir werden sie auch der Landessynode vorlegen“, machte Präses Manfred Rekowski bei der Übergabe des Abschlussvotums am Sonntag in Wuppertal deutlich: „Wir kennen unsere Kirche. Wir haben unser Bild von unserer Kirche, aber Menschen von außen haben noch einmal einen anderen Blick.“


An der Visite haben teilgenommen: Pfarrer Welman Tampubolon und Pfarrer Sahala Girsang aus Indonesien, Bischof Ernst //Gamxamub aus Namibia, Pfarrer Kambale Mangolopa aus dem Kongo, Pfarrer Dr. Dietmar Plajer und Dr. Kimberly Redding aus den USA, Bischof Jerzy Samiec aus Polen, Dr. Stefan Cosoroaba aus Rumänien, Pfarrer Roman Mazur aus Tschechien, Pfarrerin Eszter Dani aus Ungarn, Pfarrer Robin Sautter und Evelyne Will-Muller aus Frankreich, Pfarrer Jelle Brouwer aus Belgien sowie Natalia Vasilevic, Lic. Theol. Volker Meißner, Dr. Wolfgang Thielmann und Pastor Mike Lee aus Deutschland.


Ihr Abschlussdokument steht hier zum Download bereit: http://www1.ekir.de/url/Q7Y   

 

Düsseldorf / EKiR Pressestelle / 22.06.2015


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