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Konsultation europäischer Partnerkirchen heute und morgen in Budapest

Präses zur Flüchtlingsfrage: „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl“

Pressemitteilung Nr. 88/2016 

Budapest. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland hat eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage angemahnt: „Den Regierenden sagen wir klar: Eine tragfähige europäische Lösung im Umgang mit dem Weltproblem Flucht muss einen substanziellen und nachhaltigen Beitrag leisten, der der Leistungsfähigkeit Europas und den uns verbindenden Werten tatsächlich entspricht“, sagte Manfred Rekowski am Mittag zum Auftakt einer kirchlichen Konsultation europäischer Partnerkirchen zum Thema Flucht in Budapest. Die Tagung in der ungarischen Hauptstadt knüpft an ein erstes Treffen an, zu dem die rheinische Kirche im Januar nach Bad Neuenahr eingeladen hatte.

„Christinnen und Christen bringen unabhängig von Trends, Umfrageergebnissen und Mehrheitsmeinungen biblisch begründete Maßstäbe und Werte in die Debatten um die Flüchtlingspolitik ein. Gemäß der Grundüberzeugung der Evangelischen Kirche im Rheinland, ist Aufgabe der Kirche, ,an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten‘ zu erinnern“, verwies Präses Rekowski in seinem Einführungsstatement auf die fünfte These der Barmer Theologischen Erklärung von 1934. Weil für Christenmenschen gelte, was im Philipperbrief so formuliert ist: „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen“, werde die Evangelische Kirche im Rheinland weiterhin beharrlich an die Verantwortung und Verpflichtung für alle Menschen erinnern, die aus welchen Gründen auch immer auf der Flucht sind oder Asyl suchen. „Lösungen, die alleine dem nationalstaatlichen Interesse dienen oder die die Probleme auf andere Länder abschieben und das Schicksal vieler anderer notleidender, verfolgter und hungernder Menschen ausblenden oder unberücksichtigt lassen, wird unsere Kirche niemals akzeptieren können. Zur unaufgebbaren Verantwortung der Völkergemeinschaft, zum politischen Dauerauftrag der Regierungen gehört auch, dass alle verfügbaren Möglichkeiten und Mittel genutzt werden, um Fluchtursachen wirksam und nachhaltig zu bekämpfen“, unterstrich der oberste Vertreter der zweitgrößten EKD-Kirche vor den Vertreterinnen und Vertretern der Partnerkirchen.

Nächstenliebe hängt nicht von der Staatsangehörigkeit ab

„Die Wahrung der Menschenrechte gilt vollumfänglich für alle Menschen; also auch für alle Flüchtlinge. Sie gilt auch für die Flüchtlinge, die bereits mitten in Europa unter menschenunwürdigen Verhältnissen leben“, sagte Manfred Rekowski: „Die Menschenrechte gelten gleichermaßen für Syrer und für Flüchtlinge aus anderen Herkunftsländern. Denn Gottesebenbilder sind stets sehr international. Und Nächstenliebe hat nie die Staatsangehörigkeit des Landes zur Voraussetzung, in dem man sich gerade aufhält.“

Die Tatsache, dass bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland im vergangenen Jahr vorübergehend ungeordnete und unkontrollierte Verhältnisse herrschten, könne und dürfe nicht dazu führen, dass die Aufnahme von Flüchtlingen grundsätzlich verweigert werde. Rekowski weiter: „Angesichts der Zerrissenheit unserer Gesellschaft in der Flüchtlingsfrage ist es vordringliche Aufgabe der Kirche, zuerst und zuletzt die Werte und Maßstäbe zu verteidigen, die eine christlich verantwortete Flüchtlingspolitik bestimmen muss. Hier werben wir um das Einverständnis und um die Zustimmung derer, die sich als Christen verstehen. Aber wir bemühen uns auch um das Einverständnis derer, die unsere religiöse Position nicht teilen. Auch sie wollen wir überzeugen, dass der Umgang mit Flüchtlingen, wie es den biblischen Weisungen entspricht, letztlich dem gesellschaftlichen Frieden national und international dient.“

Menschen, die nach Deutschland kommen, müssen rasch Fuß fassen

Die in Deutschland an verschiedenen Stellen, u. a. auch an den Vorbehalten gegenüber Flüchtlingen und ihrer fremden Kultur und Religion deutlich erkennbar werdende Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts fordere alle heraus, machte Präses Manfred Rekowski deutlich: „Fraglos müssen alle Kräfte guten Willens in Politik, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft weiterhin und verstärkt einen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen, die nach Deutschland kommen, möglichst rasch Fuß fassen, die Spielregeln unserer Gesellschaft lernen und sich hier einbringen. Wir sind dankbar, dass insbesondere Industrie, Wirtschaft und Handwerk immer wieder auch auf die Chancen, die in der Aufnahme von Flüchtlingen für unsere Gesellschaft liegen, hinweisen.“

Die Konsultation der europäischen Partnerkirchen, die auch die je eigene Lage in den Ländern Europas in den Blick nimmt, dauert bis morgen. Auf Seiten der Evangelischen Kirche im Rheinland nehmen neben Präses Rekowski auch Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (Abteilungsleiterin und Mitglied der Kirchenleitung), Dr. Monika Lengelsen (Mitglied der Kirchenleitung), Karin Asboe (Fachreferentin Migration und Flucht bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe) und der im Landeskirchenamt für Fragen von Migration und Flucht zuständige Dezernent Kirchenrat Rafael Nikodemus teil.

Budapest / EKiR-Pressestelle / 02.06.2016


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