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Präses Rekowski predigt am Reformationstag in der Bonner Kreuzkirche

„Friede und Gerechtigkeit gehören wie Zwillingsgeschwister zusammen“

Pressemitteilung Nr. 182/2015 

Bonn. „Wenn wir im Bemühen um den Frieden weiter kommen wollen, müssen wir uns unangenehme Fragen von Jesus gefallen lassen: Steckt nicht hinter manchen Konflikten und Kriegen auch jahrelange Missachtung? Wo die Welt in ergreifender Schlichtheit aufgeteilt wird in Gut und Böse, wo der Islam verteufelt wird, wo uns die Waffengeschäfte wichtiger sind als der Abbau von Konflikten, da ist der Friede schon seit langem zerstört.“ Das hat Präses Manfred Rekowski am Samstagabend in seiner Predigt zum Reformationstag festgestellt. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland predigte in der Bonner Kreuzkirche über eine der Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt: „Selig sind die Friedenstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9)

Ausgehend von den Forderungen Jesu erinnerte Präses Rekowski an den Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit: „Geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder. Wir hören: Der Friede ist nicht teilbar oder begrenzbar. Und wir glauben, dass das auch für Nächstenliebe und für Barmherzigkeit gilt. Daran werden wir durch den Bergprediger erinnert, und daran werden wir in der laufenden Diskussion um eine Begrenzung humanitärer Hilfe auch öffentlich erinnern“, machte er deutlich.

In Sachen Frieden seien die Menschen bescheiden geworden, sagte der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Und wir müssen es wohl auch sein. In vielen Konflikten der Erde wäre es schon ein wahrer Segen, wenn wenigstens die Waffen schweigen würden. Wenn das ganze Elend von Sterben, Hungern, Fliehen-Müssen endlich ein Ende hätte. Das wäre schon viel.“ Und doch, so Präses Rekowski, wäre kein Friede hergestellt, wenn „nur“ die Waffen schwiegen: „Der wunderbar leuchtende Begriff Shalom/Friede meint in der Bibel etwas Umfassenderes. Friede ist nach Meinung der Bibel immer ,sozial orientiert’ und umfasst das ,gemeinschaftliche Wohlergehen’. Friede meint den Zustand, wo alles in Ordnung ist in einer Gemeinschaft, wo Menschen sich das geben, was sie brauchen zum Leben: Liebe, Achtung, Solidarität, Hilfe. Deshalb gehören Friede und Gerechtigkeit wie Zwillingsgeschwister zusammen. Konkret: Es wird Frieden z. B. im Nahen Osten nicht geben können, so lange die Palästinenser nicht die Chance bekommen, ein Leben in Würde und Selbstbestimmung zu führen.“

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Bonn / EKiR-Pressestelle / 31.10.2015


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