Logo EKiR

Predigt bei Vertreterversammlung des Gustav-Adolf-Werkes in Bonn

Präses Rekowski: Auch Christen dürfen sich Sorgen machen

Pressemitteilung Nr. 169/2017

Bonn. „Sorgen dürfen wir uns machen, aber sie dürfen uns nicht ausmachen. Es werden immer Sorgen in unserer Seele bestehen, aber unsere Seele soll nicht aus Sorgen bestehen.“ Das hat Präses Manfred Rekowski am Sonntagabend deutlich gemacht. Der oberste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland predigte anlässlich der Vertreterversammlung des Gustav-Adolf-Werkes (GAW) in Bonn. Das GAW unterstützt weltweit evangelische Gemeinden in Diasporasituationen, aktuell zum Beispiel syrische Gemeinden beim Wiederaufbau ihrer Kirchen, Gemeinderäume und Schulen oder protestantische Kirchengemeinden in Spanien, die Flüchtlingen Unterkunft und Versorgung gewähren.

Die Bibel gestehe dem Menschen die Sorge zu, so Rekowski: „Nirgendwo verfährt die Bibel nach dem Bestseller-Motto: ,Sorge nicht, lebe.‘ Immer wieder stellt die Bibel fest, dass wir uns Sorgen machen, dass wir Angst haben, dass wir manchmal verunsichert und mutlos sind. Und wir dürfen das. Es ist nicht die Sorge an sich, vor der Jesus etwa in der Bergpredigt warnt, sondern es ist die übertriebene Sorge, die leicht zu Ohnmachtsgefühlen und Kontrollverlust, oder aber zu Selbstüberschätzung und Überforderung führen kann. Die Einstellung, selbst das Leben meistern und alles kontrollieren zu müssen und zu können, ist ebenso gefährlich, wie das Gefühl, wehr- und verantwortungslos ein Spielball namenloser Kräfte zu sein.“

„Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“

Das Gustav-Adolf-Werk habe Kontakte zu Partnergemeinden in aller Welt, die sich Sorgen machen: „wie sie das Dach der Kirche decken sollen, wie sie die Pastorin, den Pastor bezahlen sollen, wie sie Material für die Jugendgruppe anschaffen können, vielleicht auch ganz existentiell, ob und wie sie den Anfeindungen und Nachstellungen von Obrigkeit und Umgebung entgehen. Diese Gemeinden haben allen Grund, sich Sorgen zu machen“, sagte Präses Rekowski: „Und doch beschämen sie unsere reichen, besorgten Kirchen oft durch ihre Zuversicht, Demut und ihren festen Glauben. Weil sie wissen, dass sie eben nicht alles unter Kontrolle haben. Weil sie wissen, dass sie ihr Leben, ihre Gesundheit, ihr Glück Gott verdanken und nicht eigenen Verdiensten. Sie sind im guten Sinne demütig, weil sie wissen, dass sie Gott brauchen in allen Lagen.“

„Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.“ Die beste Methode, damit dieser Vers aus dem 1. Petrusbrief konkret und erlebbar werde, sei das Gebet, machte Manfred Rekowski deutlich: „Gott sagen, was uns bedrückt und was uns ängstigt. Aussprechen, was uns belastet, was wir vielleicht keinem Menschen anvertrauen können. Damit sind die Sorgen nicht einfach weg, aber sie verlieren die Herrschaft über unser Gemüt, sie vergiften nicht länger das Leben und lähmen nicht länger unsere Kräfte. Bei Gott sind unsere Sorgen gut aufgehoben. Weil Gott der Geber aller Gaben ist, der Geber des Lebens. Wer das weiß, der lebt nicht nur demütig und überfordert sich nicht so leicht, sondern vertraut auch darauf, dass Gott ihn versorgen wird. Wer seine Sorgen mit Gott teilt im Gebet, dem werden sie keineswegs genommen. Gott gibt uns genug Kraft und Verstand, Aufgaben zu übernehmen und Herausforderungen zu bestehen. Aber er weiß, dass er das nicht allein schaffen muss, sondern dass Gott für unser Leben sorgt – durch alle Sorgen, Misserfolge und Rückschläge hindurch.“

Mehr zum Thema

Bonn / EKiR-Pressestelle / 24.09.2017


Pressekontakt