Logo EKiR

Historikerin Nicole Kuropka über typisch Rheinisches an der Reformation

Den Schatz konfessioneller Vielfalt fürs 21. Jahrhundert heben

Pressemitteilung Nr. 14/2017

Bad Neuenahr. „Wer im Rheinland 2017 feiert, kann nicht ein Lutherjahr feiern, dazu ist die rheinische Reformationsgeschichte viel zu vielfältig in ihren Prägungen und Wegen“, betonte Dr. Nicole Kuropka. Die Kirchengeschichtlerin und rheinische Pfarrerin stellte den Mitgliedern der Landessynode in ihrem Vortrag „Das Reformationsjahr im Rheinland: Erinnern, feiern – und dann?“ den Wert konfessioneller Pluralität vor Augen, die dem Rheinland von Anfang an zu eigen sei. Der Niederrhein, das Bergische, aber auch der Hunsrück waren vom Nebeneinander unterschiedlicher Konfessionen stärker geprägt als andere Orte. Dieser Schatz einer historisch gewachsenen Vielfalt berge „ein ungeheures Potenzial“, sowohl mit Blick auf eine kirchliche Präsenz in der modernen Gesellschaft als auch mit Blick auf weitere ökumenische Prozesse.

„Die Reformation im Rheinland ist nicht einfach“, sagte Kuropka, aber dafür entdecke man gerade dort das vielschichtige Ringen um das Evangelium und die Reform der Kirche genauso wie die Verstrickungen von Politik und Kirche sowie die Grenzen menschlichen Handelns von Herrschern und Pfarrern. „Reformation erinnern heißt aber auch, ausgehend von der Rekonstruktion der Geschichte sich das Vergangene mit Blick auf unser heutiges Kirche-Sein anzueignen.“ An Aufbrüchen und Unsicherheiten, technischen Entwicklungen und Unwägbarkeiten, an Hoffnungen, Ängsten und Sorgen sei das 21. Jahrhundert genauso reich wie das beginnende 16. Jahrhundert. „Angesichts mancher Parallelen fasziniert umso mehr, wie Martin Luther es vermochte, sich selbst den existenziellen Ängsten seiner Zeit zu stellen, sich in die Unsicherheit des Suchens begab, bereit war alles zu hinterfragen und über die Jahre zu einer sprachfähigen Theologie fand, die nicht nur den religiösen Nerv der Zeit traf, sondern im Rückgriff auf die Bibel tragende Antworten und befreiende Botschaften verkündigte.“ Das Reformationsjahr 2017 biete die Chance, durch den Blick in die Vergangenheit einen geschärften Blick für die Gegenwart und die Zukunft zu gewinnen.


Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt vom 7. bis 13. Januar in Bad Neuenahr. Sie ist das oberste Leitungsgremium der mit rund 2,6 Millionen Mitgliedern zweitgrößten Landeskirche in Deutschland. Die Synode hat 210 stimmberechtigte Mitglieder aus den 38 Kirchenkreisen der rheinischen Kirche, sowohl Theologinnen und Theologen als auch Nichttheologinnen und -theologen. 

Mehr zum Thema

Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle / 09.01.2017


Pressekontakt