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Wanderausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung eröffnet

Rekowski: "Der Glaube segnet nicht ab, was die jeweilige politische Führung festlegt"

Pressemitteilung Nr. 124/2016 

Düsseldorf/Hannover. Im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland in Hannover ist am heutigen Donnerstag, 22. September 2016, eine Wanderausstellung zur Barmer Theologischen Erklärung von 1934 eröffnet worden. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sie unter dem Titel „Gelebte Reformation zwischen Widerstand und Anpassung“ zum Reformationsjahr 2017 entwickelt.

Die „Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche“, so die Überschrift des in sechs Thesen und Gegenthesen formulierten Textes, wurde am 31. Mai 1934 in der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen von Mitgliedern unierter, lutherischer und reformierter Kirchen verabschiedet, um sich gegen die nationalsozialistische Ideologie der „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ abzugrenzen. Die Barmer Erklärung wurde zum theologischen Fundament der Bekennenden Kirche und gilt als eines der wegweisenden Glaubenszeugnisse im 20. Jahrhundert. Auf sie berufen sich auch heute noch Kirchen weltweit.

„Auch wenn sich die Zeiten gewandelt haben, ist die Erklärung in ihrer Ausrichtung heute so aktuell wie 1934“, sagte Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und lange Jahre Pfarrer sowie Superintendent in Wuppertal, bei der Eröffnung: „Heute wie damals gilt: Der christliche Glaube segnet nicht ab, was staatliche Ordnungen vorgeben oder die jeweilige politische Führung in ihrer Richtlinienkompetenz festlegt. Der Blick geht zuerst zu Gott, der Partei nimmt für die Schwachen und Abgeschriebenen. Besonders in dem anstehenden Jahr des Reformationsjubiläums ist es wichtig, dass sich die Kirche hieran erinnern lässt.“

Im Beisein des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, der Präses der Synode der EKD, Dr. Irmgard Schwaetzer, und der leitenden Geistlichen der Mitgliedskirchen der EKD wurde die Ausstellung heute vorgestellt. Sie kann im Kirchenamt der EKD, noch bis 10. Oktober 2016 besichtigt werden. Im Sommer des kommenden Jahres wird sie auf der Weltausstellung der Reformation in Wittenberg als gemeinsames Projekt der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche gezeigt, bevor sie im Herbst für mehrere Wochen im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf zu sehen ist.

Im Vorwort zum zeitgleich erschienenen Begleitband der Ausstellung erinnert Irmgard Schwaetzer daran, dass Theologinnen, Theologen und Nicht-Theologinnen und Nicht-Theologen gemeinsam an der Barmer Theologischen Erklärung mitgewirkt haben, eine Praxis, die bis zur Gegenwart konstitutiv für die evangelische Kirche sei. „Besonders beeindruckend an der Ausstellung ist, dass sie nicht bei der Veröffentlichung der Erklärung und den zeitgenössischen Reaktionen bleibt. Sie widmet sich der Vorgeschichte ebenso wie den bis heute wirksamen Anstößen. Die Wirkung der Erklärung über den Zeitpunkt der Veröffentlichung hinaus wird dort offenbar, wo neue Erklärungen entstehen, die sich gegen bestehende Ungerechtigkeit aussprechen: 1982 wurde in Südafrika auf der Generalsynode der farbigen Niederländisch-reformierten Missionskirche der erste Entwurf der Belhar-Erklärung geschrieben. Die Verfasser sehen sich in der Tradition von Barmen. Sie sprechen sich gegen die Apartheid in Südafrika aus. Der Mut der in Barmen tagenden Synode hat Menschen immer wieder ermutigt, sich mit dem Blick in die Bibel gegen bestehende Ungerechtigkeit zu engagieren.“

Der Leiter des Projektes, der rheinische Pfarrer Martin Engels, der auch Moderator des Reformierten Bundes ist, betonte, dass in der Barmer Theologischen Erklärung der reformatorische Geist im 20. Jahrhundert lebendig geworden sei. Angesichts des dichten theologischen Inhalts habe sich bei der Konzeption der Wanderausstellung die Frage gestellt: „Wie kann ein solcher Text erleb- und erfahrbar werden?“ In einem knapp zweijährigen Entwicklungs- und Umsetzungsprozess seien interaktiv angelegte und variable Module entwickelt worden, die vielfältige Einblicke in die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte eines der bedeutenden christlichen Bekenntnisse der Gegenwart gewähren.

Düsseldorf/Hannover / EKiR-Pressestelle / 22.09.2016


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