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Präses Rekowski unterstreicht: „Christen sehen zuerst auf Gott“

„Der christliche Glaube segnet nicht ab, was staatliche Ordnungen vorgeben“

Pressemitteilung Nr. 86/2014

Ist Politik ein Thema für die Kirche? Für den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland lautet die Antwort ohne Wenn und Aber: „Ja“. „Jesu Predigt vom kommenden Reich Gottes enthält von Anfang an die Botschaft, dass die bestehenden Verhältnisse nicht alternativlos sind, sondern dass er ein Reich des Friedens, der Gerechtigkeit und des Rechts will. Darum sind wir Christinnen und Christen nicht nur fromm, sondern die Weltverantwortung, die gesellschaftliche Relevanz des christlichen Glaubens, steht für uns immer auch auf der Tagesordnung“, machte Präses Manfred Rekowski am Samstagabend (vgl. Sperrfrist!) im Paul-Schneider-Haus in Erkrath-Hochdahl deutlich. Dort predigte Rekowski am Vorabend der Europa- und Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen in einem „Gottesdienst in anderer Gestalt“, an dem auch Erkrather Politiker beteiligt waren.

Unter Verweis auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934 machte der rheinische Präses deutlich, wie Christenmenschen mit Fragen des Staates und der Politik umgehen: „Der christliche Glaube segnet nicht ab, was staatliche Ordnungen vorgeben oder die jeweilige politische Führung in ihrer Richtlinienkompetenz festlegt. Der Blick geht zuerst zu Gott.“ Und wenn das Neue Testament von Gott spreche, „dann hat es den Gott Israels vor Augen, den Vater Jesu Christi. Das ist der Gott, der Israel aus der Sklaverei Ägyptens befreit hat. Das ist der Gott, der sein Volk geradezu beschworen hat, die Rechte der Fremden und der Schwachen zu achten. Das ist der Gott, der die Begrenzung von Arbeit und Gewinnmaximierung um der Menschen willen einfordert; das Sabbat- bzw. Feiertagsgebot erinnert daran. Das ist der Gott, dem an Schuldenerlass und Zinsverbot liegt. Das ist der Gott, der, ,die Gewaltigen vom Thron (stößt) und … die Niedrigen (erhebt). Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.’ Sie merken: Wer in der biblisch-reformatorischen Tradition Aussagen über Politik und Weltverantwortung sucht, wird wenig Ausgewogenes finden, wohl aber viel Parteilichkeit. Parteilichkeit für die Schwachen, die Abgeschriebenen und die Abgeschobenen“, so Rekowski.

Was ist Aufgabe des Staates? Was ist Aufgabe der Kirche?

Die Barmer Theologische Erklärung, die dem Allmachtsanspruch der Nazis 1934 eine theologische Absage erteilte, beschreibe aber die wichtige Funktion, die der Staat – nach wie vor – „nach göttlicher Anordnung“ habe: „Er hat ,für Recht und Frieden zu sorgen’– notfalls unter Androhung und Ausübung von Gewalt; das Gewaltmonopol des Staates wird nicht bestritten, aber eingeordnet. Daran ist der Staat zu messen. Das ist die ihm ;in der noch nicht erlösten Welt‘ zugewiesene Aufgabe.“ Alle wüssten, dass „in der noch nicht erlösten Welt“, in der auch die Kirche stehe, keine paradiesischen, keine idealtypischen Zustände herrschten, betonte der Theologe. Das könne man schon im „kirchlichen Betrieb“ erleben, und in der Politik setze sich das „ja in ganz anderer Weise fort. Deswegen wird nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens regiert; d.h. mit Kompromissen, mit Fehlern und Irrtümern, ohne dass Politik dadurch automatisch als schmutziges Geschäft diffamiert werden könnte.“

Aus einem Gottesstaat wird am Ende die „Hölle auf Erden“

Aber auch der Kirche würden Grenzen gesetzt, sagte Präses Rekowski: „Sie übernimmt nicht das (weltliche) Regiment. Einen Gottesstaat anzustreben, ist unvorstellbar. Wo immer er versucht würde, es entstünde am Ende über kurz oder lang meist nichts anderes als ,Hölle auf Erden’. Das scheint mir übrigens eine religionsübergreifende Erfahrung zu sein. Die Kirche dominiert nicht! Sondern sie bringt sich gerade auch in einen weltanschaulich neutralen Staat und in eine plurale Gesellschaft erinnernd in den öffentlichen Diskurs ein: Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit. Gottes Reich ist der Gegenentwurf zu den bestehenden Verhältnissen. Gottes Gebote sind ein Angebot, damit Leben und Zusammenleben gelingen kann. Und Gerechtigkeit – sie ist ebenso unteilbar wie Recht und Frieden – ist der Stoff, aus dem eine menschliche Gesellschaft entsteht. Die Regierenden tragen Verantwortung. Aber auch die Regierten sind (auch nach dem Wahltag) nicht verantwortungslos, nicht ohne Verantwortung.“

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 23.05.2014


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