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Der Comedian Hagen Range verlieh auf der Reformationsgala Luther seine Stimme.

Der Comedian Hagen Range verlieh auf der Reformationsgala Luther seine Stimme.

Reformationsgala

„Luther war ein Düsseldorfer“

Es war das deutschlandweit größte Fest zum Schluss des Reformationsjubiläums: Die Gala im Bonner Telekom Dome mit vielen prominenten Gästen wie Fernsehmoderator Ralph Caspers, Bundesligatrainer Heiko Herrlich und Komiker Willibert Pauels, die alle eins bezeugen konnten – dass Luther noch heute inspiriert.

Reformationsgala im Telekom Dome

Reformationsgala im Telekom Dome

Es wird still, als die deutsch-iranische Altistin Schirin Partowi ihre Stimme erhebt. Sie singt ganz allein. Das Bonner Beethoven-Orchester hinter ihr schweigt, die Band auf der Balustrade, der Chor der 500 Stimmen aus den Bonner Kirchen in den ansteigenden Sitzreihen, und die fünftausend Besucherinnen und Besucher im „Telekom Dome“ der Bundesstadt, wo sonst die „Telekom Baskets“ ihre Heimspiele bestreiten, schweigen auch.

Weiße Strahlen von den beweglichen Bühnenscheinwerfern streichen bedächtig über die Decke mit den mächtigen Lüftungsrohren. Der Kamerakran des Westdeutschen Rundfunks beschreibt langsam einen Kreis über den Köpfen der Menschen. Die Reformationsgala geht zu Ende, das deutschlandweit größte Fest zum Schluss des 500. Jubiläumsjahres der Reformation.

Altistin Schirin Partowi

Schirin Partowi intoniert ein Lied Martin Luthers: Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten. Das Lied entstand 1529 in der Angst um heraufziehende Kriege um den Glauben. Heute verbindet es Konfessionen, denn es steht im Evangelischen Gesangbuch wie auch im katholischen „Gotteslob“.

Nach der Altistin setzt das Beethoven-Orchester der Stadt ein. Aus einem Stakkato formt sich die Melodie des Reformationsliedes „Ein feste Burg ist unser Gott“. Aber dann geht die Melodie über in die Europahymne aus der Feder des wohl berühmtesten Bonners, Ludwig van Beethoven: „Freude, schöner Götterfunken“, ein Bekenntnis zur Einheit über alle Grenzen hinweg: Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt. Die Botschaft aus Bonn lautet: Wo die Reformation Gläubige trennte, soll ihr Jubiläum Menschen zusammenbringen. Und sie ermutigen, gemeinsam für Freiheit aufzustehen.

Ralph Caspers und Heiko Herrlich im Gespräch mit Eckart von Hirschhausen

Luther inspiriert, das konnten alle Gäste bezeugen, ob Fernsehmoderator Ralph Caspers, Fußballtrainer Heiko Herrlich oder die Anwältin Seyran Ateş, die seit elf Jahren mit Personenschutz unterwegs ist, weil sie Morddrohungen erhält, und im Lutherjahr in Berlin eine Reform-Moschee eröffnet hat, in der Männer und Frauen gemeinsam beten.

 „Was ich heute erlebe, macht mir Mut“, sagt sie. „Die Gewalt, die uns begegnet, soll uns nicht ängstigen.“ Oder die Poetry-Slammerin Sandra Da Vina aus dem nahen Meckenheim. Es begeistert sie, dass Luther mächtige Wörter wie Feuereifer und Herzenslust erfand. Er hat zum Beispiel Lügen mit Schneebällen verglichen. Das hat sie bewegt: „Lasst uns dafür sorgen, dass Lügen nicht zu Lawinen werden.“

Drei Stunden vorher hat ein Lutherzitat die Gala eröffnet: „Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben.“ Der Comedian Hagen Range leiht Luther seine Stimme.

Jubiläumsjahr hat Gemeinsamkeiten der Kirchen sichtbar gemacht

Präses Manfred Rekowski interviewt von Sabine Scholt

Präses Manfred Rekowski interviewt von Sabine Scholt

Das greift der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, später auf: „Mir macht Hoffnung, wenn Menschen sich aufeinander zu bewegen.“ Auch er freut sich darüber, dass das Jubiläumsjahr der Reformation viele Gemeinsamkeiten zwischen den Kirchen sichtbar gemacht hat. Auch deshalb, weil sich die evangelische Kirche kritisch mit Luther auseinandergesetzt hat: mit seiner Feindschaft gegen Juden zum Beispiel und mit seinem Aufruf, Aufstände der Bauern in Blut zu ertränken. Durch das Jubiläumjahr, so hat er erfahren, „bekamen Menschen Anstöße zum Glauben.“

Das kann auch der – katholische – NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bestätigen, der heute schon auf der dritten Reformationsfeier zu Gast ist: „Die christliche Botschaft ist das beste, was man dieser Welt anbieten kann“, sagt er. „Und wir Kirchen haben so viele Gemeinsamkeiten, da sollten wir uns nicht streiten.“

Anselm Grün, Autor vieler Bücher über das Glück, hat Luther im Jubiläumsjahr als Mystiker kennen gelernt. Und zieht daraus ebenfalls den Schluss: „Wir gehören zusammen und befruchten einander“. Die Dogmatik, die oft herhalten muss, um die Trennung zwischen Katholiken und Protestanten zu begründen, meint er, „ist eigentlich vor allem der Versuch, das Geheimnis des Glaubens wach zu halten.“

Komiker Willibert Pauels

Komiker Willibert Pauels

Auch Bonns katholischer Oberbürgermeister Ashok Sridharan outet sich als Fan der Ökumene. Der ebenfalls katholische Diakon und Komiker Willibert Pauels sowieso. Er hat auch eine Erklärung dafür, dass Luther die Kölner als Esel beschimpfte: „Jetzt wissen wir: Luther war ein Düsseldorfer!“

Dirk Kaftan, Generalmusikdirektor und Dirigent des Bonner Beethoven-Orchesters, steigt vom Pult und lässt sich von Eckart von Hirschhausen und der WDR-Journalistin Sabine Scholt interviewen. Luther, sagt er, „hat mit seiner Musik die Kluft zwischen Fühlen und Denken zusammengebracht. Ohne ihn hätten wir nicht die Musikbewegung, die wir heute haben. Auch Katholiken machen heute viel Musik.“

Der Deutsche Musikrat hat Zahlen veröffentlicht, die für sich sprechen: Mehr als die Hälfte der 1,4 Millionen Chorsängerinnen und -sänger sind in Kirchenchören aktiv. Das wäre nicht denkbar ohne Luther, der bis heute zu den kreativsten Kirchenlieddichtern gehört. Er hat auf Gassenhauer seiner Zeit geistliche Texte geschrieben.

Luther setzt die Menschen immer noch in Bewegung

Der  Chor der 500 Stimmen

Der Chor der 500 Stimmen

In zwei fast ganztägigen Proben hatte Kreiskantorin Friederike Heiwolt den Chor der 500 auf das Zusammenspiel mit Orchester und Band vorbereitet.Kaftan hatte zum Schluss das Zusammenwirken mit den Musikerinnnen und Musikern gesprobt. Die 500 äußerten sich nachher begeistert von beiden.

Nach Kaftans Interview intoniert die aus Barbados stammende Sängerin Judy Bailey ihren Hit „Rise Like a Champion“ und reißt die Leute mit, im Parkett, wo sonst die Champions um den Sieg kämpfen, und bis hoch in die zehn Sitzreihen zwischen den steilen Treppen mit Leuchtstreifen im Telekom-Magenta.

Luther trennt die Menschen nicht mehr, aber immer noch setzt er sie in Bewegung. 700 Mitwirkende haben die Gala gemeinsam zustande gebracht, sagt Organisator Pfarrer Siegfried Eckert, 600 davon sind Ehrenamtler. „Das hier ist ein Graswurzelfest, ein Stück des Evangelischseins, für das ich mich engagiere.“ Als Verantwortlicher für Kirchentagsveranstaltungen kennt sich Eckert mit großen Formaten aus. Vier Jahre hat er in die Vorbereitung gesteckt. Die Landeskirche ließ sich gewinnen, die Kirchengemeinden auch. „Aber da war Überzeugungsarbeit zu leisten“, sagt Superintendent Mathias Mölleken.

Zum Schluss schwenken alle Knicklichter

Zum Schluss schwenken alle Knicklichter

Jakob Siegburg ist gern gekommen. Vor zwei Wochen hat er seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Johanniter-Unfallhilfe begonnen. Jetzt steht er oben an der Eingangstreppe, bereit zum Einsatz, und verteilt gleichzeitig Knicklichter zum Schwenken am Schluss.

Und auch Annemarie Gerster, die tatsächlich anders heißt. Sie will nicht, dass ihr Name veröffentlicht wird, denn sie meint, dass andere mehr für das Fest getan haben als sie. Sie gehört zum ehrenamtlichen Team der Bonner Bahnhofsmission. Heute hat sie Rollstuhlfahrer begrüßt, die durch den VIP-Eingang in die Halle kamen, und sie zum Aufzug abwärts ins Parkett und zu ihren Plätzen begleitet.

 

Von der Reformationgala gibt es verschiedene Fotokollektionen zum Download in unserem Medienpool (Links weiter unten). Bitte bei Verwendung immer folgenden Bildnachweis benutzen: ekir.de/Meike Böschemeyer.

ekir.de / Wolfgang Thielmann, Fotos: Meike Böschemeyer / 31.10.2017


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