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Vizepräses wirbt für eine angstfreie Kirche, die sich einmischt

Reformationstag: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“

Pressemitteilung Nr. 164/2014

Zum heutigen Reformationstag hat der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, daran erinnert, was zu Veränderungen in Kirche und Welt führt: „Nicht Profilierungssucht, nicht Reformeifer, nicht eine medial perfekt inszenierte Bespaßung der Gemeinde verändern Welt- oder Kirchengeschichte, sondern die Nähe zu Christus, dass wir ihn schmecken, sehen und fürchten, dass wir aus der Liebe Gottes heraus leben und darin beitragen zur Veränderung der Welt für Gerechtigkeit und Frieden, sowie zur Bewahrung der Schöpfung“, sagte Vizepräses Pistorius in seiner Predigt in der Evangelischen Kirche Mettmann (Achtung, Sperrfrist: 20.30 Uhr!).

„Wer sich der Begegnung mit Gott aussetzt, kann nicht sagen: ,Ich will so bleiben, wie ich bin’, kann nicht alles mitmachen, was diese Welt und unsere Gesellschaft lebt, sondern wird sich immer wieder in den Weg stellen und sagen: ,Hier stehe ich, ich kann nicht anders.’ Und so beitragen zu einer Kirche im Aufbruch“, so Pistorius weiter. Um Veränderungen in Kirche und Welt zu erreichen, brauche es „eine angstfreie Kirche, die sich immer wieder neu auf Christus ausrichten muss, eben ,ecclesia semper reformanda’ sein muss, die für ihr Tun und Lassen, für ihre Verkündigung wie ihre Ordnung am Herrn der Kirche Maß nehmen muss“.

Präses Rekowski: „Einen Gottesstaat anzustreben, ist unvorstellbar“

In seiner Reformationstagspredigt (Achtung, Sperrfrist: 18.30 Uhr!) bezog sich Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, auf die Barmer Theologische Erklärung, mit der sich Evangelische 1934 gegen den Allmachtsanspruch der Nationalsozialisten gestellt hatten. Nach der Barmer Theologischen Erklärung ist es die Aufgabe der Kirche, an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten zu erinnern. Dies setze auch der Kirche Grenzen, so Präses Rekowski in der Kölner Trinitatiskirche.

Die Kirche übernehme nicht das weltliche Regiment: „Einen Gottesstaat anzustreben, ist unvorstellbar. Wo immer er versucht würde, es entstünde am Ende über kurz oder lang meist nichts anderes als ,Hölle auf Erden’. Das scheint mir übrigens eine religionsübergreifende Erfahrung zu sein. Die Kirche dominiert nicht! Sondern sie bringt sich gerade auch in einen weltanschaulich neutralen Staat und in eine plurale Gesellschaft erinnernd in den öffentlichen Diskurs ein: Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit. Gottes Reich ist der Gegenentwurf zu den bestehenden Verhältnissen. Gottes Gebote sind ein Angebot, damit Leben und Zusammenleben gelingen kann. Die Kirchen versuchen, sich verständlich zu machen mit ihren Anliegen in einer pluralen Gesellschaft und werben um das Einverständnis auch bei denen, die unsere religiöse Grundüberzeugungen nicht teilen. Und Gerechtigkeit – sie ist ebenso unteilbar wie Recht und Frieden – ist der Stoff, aus dem eine menschliche Gesellschaft entsteht. Die Regierenden tragen Verantwortung. Aber auch die Regierten sind (auch nach dem Wahltag) nicht verantwortungslos, nicht ohne Verantwortung“, stellte Rekowski fest.

Oberkirchenrätin Rudolph: Gemeindeglieder sollen sich politisch engagieren

An die Verantwortung der Christinnen und Christen für das Gemeinwesen erinnerte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph in der Marktkirche in Neuwied (Achtung, Sperrfrist: 19.30 Uhr!). „Gemeindeglieder sind aufgefordert, sich politisch zu engagieren und Verantwortliche in der Politik auf ihr Christsein anzusprechen. Das gibt eine ungeheure Freiheit des Gestaltens, eine große Freiheit, aber auch eine Verantwortung“, sagte die Leiterin der Abteilung Ökumene im Landeskirchenamt in ihrer Predigt. Der Reformator Martin Luther habe nicht nur den Stand der Laien und politisch Verantwortlichen gewürdigt: „Er hat sie auch in ihre Verantwortung vor Ort eingewiesen: Suchet der Stadt Bestes – das ist überschaubarer, als für die ganze Welt verantwortlich zu sein“, so Rudolph.

Der alte ökumenische Slogan:„ Global denken, lokal handeln“ greife hier, erläuterte die Oberkirchenrätin: „Und damit sind wir wieder bei dem biblischen Text aus dem Jeremiabuch: Suchet der Stadt Bestes. Hier vor Ort entscheidet sich, wie die Kirche und die Politik zusammen wirken, über 700 unterschiedliche Entwürfe in den Gemeinden und Städten des Rheinlandes. Und damit sind wir am Ende bei uns selbst angekommen, bei dem, wie Gott durch mein Leben gestalten, eingreifen und die Welt mit seiner Liebe prägen will.“

Erinnerung an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517

Den Reformationstag (31. Oktober) feiern Protestantinnen und Protestanten in Erinnerung an den Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg. Mit seiner Streitschrift prangerte der Mönch Luther Machtgier, Machtmissbrauch und Geschäftemacherei in seiner Kirche an und wollte sie zu einer Neubesinnung auf Jesus Christus und sein Evangelium bewegen. Letztlich entstand aus dieser innerkirchlichen Reformbewegung der Protestantismus.

Mettmann/Köln/Neuwied / EKiR-Pressestelle / 31.10.2014


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