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Reformationsfest 2017 in der Düsseldorfer Tonhalle.

Reformationsfest 2017 in der Düsseldorfer Tonhalle.

Reformationsjubiläum

So feierte die rheinische Kirche

500 Jahre Reformation: Das haben Kirchengemeinden und Kirchenkreise mit zahlreichen bunten Veranstaltungen rund um den Reformationstag gefeiert. Zum Beispiel mit einem Reformationsfest in der Düsseldorfer Tonhalle. Was sonst noch alles passiert ist, erscheint nach und nach in diesem Beitrag.

. „Feiern, danken, wünschen, träumen“

400 Sängerinnen und Sänger präsentierten  Bachs Kirchenkantate „Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild“ in der Düsseldorfer Tonhalle.

400 Sängerinnen und Sänger präsentierten Bachs Kirchenkantate „Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild“ in der Düsseldorfer Tonhalle.

Reformationsfest 2017 in der Tonhalle Düsseldorf

Zum 500. Jubiläum der Reformation hatte der Evangelische Kirchenkreis Düsseldorf am 31. Oktober unter dem Motto „feiern, danken, wünschen, träumen“ in die Tonhalle eingeladen. Im bis auf den letzten Platz besetzten „Festsaal unserer Stadt“ - wie Superintendentin Henrike Tetz die Tonhalle in ihrer Ansprache nannte - präsentierten rund 400 Sängerinnen und Sänger aus 13 Chören und Kantoreien der evangelischen Kirchengemeinden in der Landeshauptstadt Johann Sebastian Bachs Kirchenkantate „Gott der Herr ist Sonn‘ und Schild“. Eine klanggewaltige Darbietung mit Solisten und Orchester.

„Zu jeder Zeit in unserem Leben ist Gottes Segen uns nahe“

„Martin Luther entdeckte bei seinem Bibelstudium neu, dass wir jederzeit und überall aus der freien Zuwendung Gottes leben dürfen. Später wurde dies die Reformatorische Entdeckung genannt, die den Anstoß für eine neue Sicht auf die Beziehung von Gott und Menschen gab“, sagte Henrike Tetz, die in ihrer Ansprache in der Tonhalle - inspiriert von der himmelsähnlichen Kuppel - das Bild von Jakob und seinem Traum von der Himmelleiter entfaltete als einer verlässlichen, immerwährenden Verbindung zwischen Gott zu den Menschen. „An jedem Ort in unserer Welt, zu jeder Zeit in unserem Leben ist Gottes Segen uns nahe. Das ist die Botschaft der Reformatorinnen und Reformatoren“, sagte die Superintendentin.

Zu den geladenen Gästen aus Politik, Kultur und Gesellschaft der Stadt Düsseldorf zählte auch Oberbürgermeister Thomas Geisel, der evangelisch ist und Presbyter in der Evangelischen Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte. „Kirchen sind nicht allein Privatsache, sie halten die Gesellschaft zusammen“, sagte er und befürwortete die Einführung eines bundesweiten Reformationsfeiertages.

„Ich bin vergnügt, erlöst befreit“

Natürlich durfte auch beim Jubiläumsfest die „evangelische Nationalhymne“, Luthers Lied „Ein feste Burg“ am Reformationstag, vom Chor und dem Publikum gesungen, nicht fehlen. Das Preludio aus dem „Salut für Dr. Martinus“ von Oskar Gottlieb Blarr bot mit seinen vielfältigen Geräuschen aus der Natur ein ungewöhnliches Klangerlebnis. Der 82-jährige Blarr, ehemaliger Kirchenmusiker der Düsseldorfer Neanderkirche, komponierte auch den eigens für das Reformationsfest in Auftrag gegebene Kyrie-Gesang. Er wurde im Wechsel mit den Fürbitten gesungen. Neben klassischen Werken von Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn Bartholdy stand auch ein Jazz-Pop-Psalmkantate „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ von Matthias Nagel nach einem Text von Hanns Dieter Hüsch auf dem Programm und bot eine moderne Klangfarbe.

Lied für Düsseldorf

Höhepunkt des festlichen Abends zur Reformation in der Tonhalle war die Uraufführung mit Orchester des „Liedes für Düsseldorf“ von Wolfgang Abendroth und Dirk Holthaus. Publikum und Chöre schmetterten laut „Biblisch fromm und rheinisch locker leben wir in unserer Stadt. Glauben fest, das dereinst Luther uns den Mut gegeben hat“. Durch den Abend führte der Moderator Matthias Bongard. Mit begeistertem Applaus ging das Reformationsfest in der Düsseldorfer Tonhalle zu Ende.

Das Heu nicht auf derselben Bühne haben

Münsterpredigerin Dr. Caroline Schröder Field hielt die Predigt in der Kölner Trinitatiskirche

Münsterpredigerin Dr. Caroline Schröder Field hielt die Predigt in der Kölner Trinitatiskirche

Reformationsfeier in der Trinitatiskirche am Reformationstag 2017

Die erste Bürgerin der Stadt brachte es auf den Punkt: "Vielen Dank für diesen wunderbaren Gottesdienst", sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker in ihrem Grußwort zum Abschluss der Reformationsfeier des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region in der vollbesetzten Trinitatiskirche. Die Feier stand unter dem Motte "Wohin geht der Weg der Erneuerung? 500 Jahre Reformation".

Zu Beginn begrüßte Stadtsuperintendent Rolf Domning die Gäste und erinnerte an das Motto der rheinischen Landeskirche zum Reformationsjubiläum: "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit." Domning nahm das Motto "ganz wörtlich" und erklärte, dass es ja auch entlastend sei, wenn sich das Jubiläumsjahr dem Ende zuneige, "frei nach dem Motto: Jetzt ist es geschafft". 500 Projekte, Veranstaltungen, Konzerte und vieles mehr wurde in dem Jubiläumsjahr in den Gemeinden in Köln und Region gezählt. Der Stadtsuperintendent freut sich über "die Vielzahl von ökumenischen Projekten, die gemeinsam geplant und durchgeführt wurden".

"Beide arbeiten am gleichen Werk"

Die Predigt hielt Dr. Caroline Schröder Field, Münsterpredigerin aus Basel. Sie begann mit einer wortbildlichen Anleihe aus der Landwirtschaft. In der Schweiz gebe es die Redewendung "das Heu nicht auf derselben Bühne haben", was soviel bedeutet wie "nicht die gleichen Interessen zu verfolgen". Das gelte im übertragenen Sinne auch für viele Bereiche der evangelischen Kirche wie z.B. bei Mitgliedern von Presbyterien und Synoden.. "Der Humanist Erasmus von Rotterdam hatte das "Heu nicht auf derselben Bühne" wie Martin Luther, obwohl man es doch gehofft hatte. Und Martin Luther hatte das "Heu nicht auf derselben Bühne" wie der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli oder der Basler Reformator Johannes Ökolampad."

Und das mit dem Heu und der Bühne setze sich bis heute fort. Das habe aber nicht erst mit der Reformation angefangen. Schon Apollos und Paulus hätten unterschiedliche Auffassung vertreten. Diesen Konflikt hätte Paulus sehr weise gelöst. Wer seien denn schon Apollos und Paulus? "Das Pflänzchen wachsen lässt weder Apollos noch Paulus. Das ist Gottes Wirken." Wichtig sei allein: "Beide arbeiten am gleichen Werk." Denn es ging schon damals um die Einheit der Kirche.

Flammendes Plädoyer für die Einheit der Kirche

"Und wenn wir unser Ohr zu unseren Gemeinden neigen, gerade so, als wollten wir das Gras wachsen hören, also richtig selbstvergessen und zugewandt, spüren wir dann nicht, was Männer und Frauen in unseren Kirchen ersehnen? Dass es ihnen um die Einheit der Kirche geht, nicht um den Erhalt ihrer jeweiligen Besitzstände. Hat nicht gerade Gottes Ackerfeld einen Durst danach, dass sich Gottes Mitarbeiter endlich uneingeschränkt akzeptieren, und kann auf diesem Ackerfeld je etwas wirklich wachsen und gedeihen, wenn dieser Durst nicht bald einmal gründlich und nachhaltig gestillt wird? Über den einmaligen Feiertag hinaus", hielt sie ein flammendes Plädoyer für die Einheit der Kirche.

"Es gibt eine Sehnsucht nach Einheit." Schröder Field verwies auf das Basler Münster, das als gutes Beispiel dafür herhalten könne, wie eine aus Sandstein gebaute mittelalterliche Kirche der ständigen Pflege bedürfe: "Der Bau einer Kirche hört nie auf. Und wenn er aufhört, zerfällt sie." Das Münster wurde 1019 als Marienkirche eingeweiht. Von Maria sei aber heute dort nicht mehr viel zu sehen. Die Reformation habe sie vom Sockel geholt. In der Krypta gäbe es aber Fresken, die die Kindheitsgeschichte von Maria erzählen.

Diese Geschichte finden man in einem Evangelium der alten Kirche, das es nicht in den biblischen Kanon "geschafft" habe: "Eine verborgene Geschichte, verborgen in der Krypta des reformierten Münsters und - man höre und staune - auch im Koran!" Am Hauptportal des Münsters gibt es ein bemerkenswerte Leerstelle: Dort habe auf einem Podest eine Marienfigur gestanden. "Was ich sagen will: am Basler Münster kann man nicht Pfarrerin sein, ohne ständige Tuchfühlung mit dem zu habe, wovon sich die Reformation getrennt hat. Am Basler Münster kann man nicht predigen, ohne immer wieder auf Geschichten zu stoßen, die nicht in der Bibel stehen und welche die Frömmigkeit der Menschen durch die Jahrhunderte hindurch trotzdem geprägt haben."

Gewissensfreiheit braucht Gemeinschaft

Immer an Silvester läutet im Baseler Münster ganz allein die Papstglocke. "Könnten wir bei ihrem Klang die Worte mithören, die auf ihr geschrieben stehen, würde sie uns an der Schwelle zu jedem neuen Jahr gemahnen: „Einen anderen Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Christus!" Ausgerechnet eine Papstglocke erinnert mich an einen Kernsatz der Reformation!", sagte die Predigerin und fuhr fort, dass das Bekenntnis zu Christus als Fundament zur Floskel verblassen könnte: "Dass der Mensch aus Glauben lebt und nicht aus seinen Werken, wird in unseren Leistungs- und Freizeitgesellschaften täglich Lügen gestraft. Und zur Freiheit des Gewissens, auf die wir so stolz sind: sie hat sich verwandelt in das Dogma, Glaube sei Privatsache." Die Gewissensfreiheit brauche eine Gemeinschaft, in der sie sich bilden könne.

Und zum Schluss der Predigt: "Ja. Das Erbe der Reformation ist wertvoll. Doch vieles davon ist den Menschen nicht mehr verfügbar. Es ist wie mit dem Basler Münsterportal: wo einst eine Marienfigur stand, steht nur noch ein leeres Podest. Wir tun gut daran, gemeinsam nach den Leerstellen zu fragen, die uns umgeben. Vielleicht ist dies unser gemeinsames Werk, zu dem wir berufen sind, wie einst Paulus und Apollos in Korinth. In Tuchfühlung mit dem, wovon wir uns getrennt haben, bauen wir Kirche und werden zur Kirche erbaut." "Wir haben ja denselben Grund dazu. Einen anderen kann keiner legen."

"Die Kölschen waren von der Obrigkeit schwer zu steuern"

In ihrem Grußwort erinnerte Oberbürgermeisterin Henriette Reker daran, dass man vor 500 Jahren in Köln von der Reformation nichts habe wissen wollen. Trotzdem hätten sich etliche Gläubige im Schatten des Doms der neuen Konfession zugewandt. "Die Kölschen waren damals schon von der Obrigkeit schwer zu steuern", sagte die Oberbürgermeisterin weiter. Erst die Franzosen hätten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Gleichberechtigung aller Konfessionen in Köln durchgesetzt. "Bis dahin war das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten geprägt von Abwehr, Scheitern, Untergrundarbeit, aber auch von praktischer Toleranz."

Die Geschichte könne zur Lösung aktueller Probleme beitragen. Heute würde der Islam von manchen kritisch gesehen. Dem müsse man den Schlüsselbegriff der Reformation gegenüber stellen: Gemeinsam. "Wir müssen uns auf das Gemeinsame besinnen, nicht auf das Trennende."

Gemeinsam war den rund 500 Gästen der Reformationsfeier auch die Freude an der Musik des „reger chors“ Köln und dessen Instrumental-Ensembles unter der Leitung von Wolf-Rüdiger Spieler abzuspüren. Diese führten die Bach-Kantate "Es ist das Heil uns kommen her" auf.

Die Orgelbegleitung des Gottesdienstes hat Thomas Pehlken, Kreiskantor des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Nord übernommen. Die liturgische Leitung oblag Pfarrerin Andrea Vogel, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch, und Pfarrer Dr. Bernhard Seiger, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln-Süd und Reformationsbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises Köln und Region.

So erlebten die Besucher dieser Reformationsfeier einen kanpp zweistündigen, bewegenden und inspirierenden Gottesdienst, dessen Botschaft noch nachhaltig weit über das 500. Jubiläum hinaus nachklingen wird.

Reformationsgottesdienst in Gummersbach mit 850 Gästen

Höhepunkt des Reformationsjahres im Kirchenkreis An der Agger war der Reformationsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Gummersbac

Höhepunkt des Reformationsjahres im Kirchenkreis An der Agger war der Reformationsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Gummersbac

Höhepunkt und Abschluss des Reformationsjahres in Gummersbach und im Kirchenkreis An der Agger war der Reformationsgottesdienst in der evangelischen Kirche in Gummersbach. Für Jugendliche gab es eine Church Night in Bergneustadt.

Als „Provokation“, die sich gegen Gottvergessenheit und Selbstvergessenheit richtet, hat Superintendent Jürgen Knabe beim Festgottesdienst in der Gummersbacher Kirche den Reformationstag bezeichnet. In seiner Festpredigt wies Knabe darauf hin, dass die Reformation nicht allein ein historisches Ereignis sei, sondern eine fortdauernde Aufgabe.

Die Erneuerung der Kirche, die Besinnung auf ihre Kernaufgaben, seien umso wichtiger, als die Welt derzeit aus den Fugen zu geraten sein scheine. Die Umsetzung des von Luther begründeten Priestertums aller Glaubenden und die Aufforderung, selber und eigenständig zu denken, seien das einzige wirkliche Mittel gegen die "geistige und geistliche Magersucht". Die dankbare Annahme der Gnade Gottes führe zu einem befreiten, entlasteten und fröhlichen Leben mit Zukunft, das auch den Nächsten nicht übersehe.

Die Kirche war brechend voll

Er habe gehofft, dass seine Kirche mal so richtig brechend voll sein würde, sagte der Gummersbacher Pfarrer Uwe Selbach in der Abkündigung. Seine Hoffnungen wurden übertroffen. Der Gottesdienst als Höhepunkt und Abschluss des Reformationsjubiläums im Kirchenkreis An der Agger hat die evangelische Kirche in der Gummersbacher Altstadt restlos ausgefüllt. Viele Gottesdienstbesucher standen im Eingang, um die besondere Atmosphäre mitzubekommen. Rund 250 Gäste verfolgten den Gottesdienst im Gemeindehaus, wo er auf einer großen Leinwand übertragen wurde.

Schon während des dreitägigen Luthermarktes rund um die evangelische Kirche war kräftig die Werbetrommel für den Reformationsgottesdienst im „Oberbergischen Dom“ mit anschließendem ökumenischen Abendimbiss gerührt worden. An jedem Stand gab es Hinweiskarten auf den Reformationstag als krönenden Abschluss der Feierlichkeiten. Gäste aus ganz Oberberg nahmen die Einladung an.

Bewegung aufeinander zu

Luthers Thesen sorgten für eine Kirchenspaltung, die heute vielerorts in ein versöhntes Miteinander mündet. 500 Jahre später wurden am Reformationstag weltweit ökumenische Gottesdienste gefeiert. Auch in Gummersbach: „Wir befinden uns seit etlichen Jahren in einem Prozess der Bewegung aufeinander zu“, hieß es in der Festpredigt von Superintendent Jürgen Knabe.

Schon eingangs hatte Pfarrer Helmut Krüger die besondere ökumenische Verbundenheit hervorgehoben, in der die oberbergischen Christen zueinander stehen. Keine Selbstverständlichkeit: Er könne sich noch gut an die Zeiten erinnern, als Reformationstag und Allerheiligen den einen Anlässe waren, die anderen zu ärgern. Krüger begrüßte besonders die anwesenden katholischen Schwestern und Brüder, namentlich Kreisdechant Christoph Bersch, der wie Pastoralreferent Simon Miebach einen Beitrag zur Liturgie leistete.

Eine der Neuerungen, die auf Martin Luther zurückgehen, ist der Gemeindegesang. Zuvor waren die Gottesdienstbesucher nur passive Zuhörer gewesen. Der Festgottesdienst stellte denn auch Luther-Lieder wie "Nun freut euch, lieben Christen g'mein" in den Vordergrund. Für die festliche Begleitung sorgten der Posaunenchor United Brass und Kantorin Annette Giebeler an der Orgel. So auch beim Abschlusslied "Ein feste Burg ist unser Gott".

Zum Schluss gab es die Einladung an alle Gottesdienstbesucher, ob evangelisch oder katholisch, zum "Festmahl in versöhnter Verschiedenheit" im Gemeindehaus, wo die Gottesdienstgemeinde noch lange zusammensaß - unterhalten von der Gruppe Kurtzweyl und aufs Köstlichste versorgt mit vier verschiedenen deftigen Suppen und Lutherbier.

Reformation für Jugendliche

In Bergneustadt fand am Abend die ChurchNight reformation31.10 für Jugendliche statt, veranstaltet von der Evangelischen Kirchengemeinde Bergneustadt und dem Jugendreferat des Kirchenkreises An der Agger. Jugendliche aus dem ganzen Kirchenkreis feierten die Reformation mit Denis Werth, Jugendevangelist des CVJM-Westbundes, und der Band Flying Mountains. Die evangelische Kirche am Hackenberg erstrahlte in einem ganz besonderen Licht. Ein Meer von verschiedenen Lichtern begrüßte die jugendlichen Besucher. Das Thema lautete: „Wo die Nacht zum Tag wird, braucht es aufgeweckte Menschen. Reformation geht weiter und darf nicht auf der Stelle treten.“

Am Vormittag war im Bergneustädter Reformationsgottesdienst ein Partnerschaftsvertrag zwischen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde unterzeichnet worden. In Waldbröl feierte die evangelische Kirchengemeinde den ganzen Tag ein fröhliches Reformationsfest, bei dem auch der neue Kirchplatz eingeweiht wurde. Superintendent Jürgen Knabe und Bürgermeister Peter Koester würdigten die Rolle der aktiven Kirchengemeinde für die Stadt. In vielen Gemeinden wurden Reformationsgottesdienste und Andachten gefeiert, immer mit dem Tenor: Die Reformation geht weiter.

Volle Hütte: Wuppertaler Stadthalle überlaufen

Festgottesdienst am Reformationstag in der voll besetzten Historischen Stadthalle in Wuppertal.

Festgottesdienst am Reformationstag in der voll besetzten Historischen Stadthalle in Wuppertal.

Festgottesdienst am Reformationstag in der Historischen Stadthalle in Wuppertal

Der Festgottesdienst am Reformationstag in der Historischen Stadthalle war ein fulminanter Höhepunkt des Wuppertaler Reformationsjahres: Rund 3000 Menschen waren in die „gute Stube“ der Stadt gekommen, um mit viel Musik und Predigtstimmen aus Reformation und Gegenwart zu feiern. Der Gottesdienst des Evangelischen Kirchenkreises Wuppertal stand unter der Überschrift „Was macht, dass ich so fröhlich bin?“. Die evangelischen Gemeinden in Wuppertal hatten alle Wuppertaler zu dem Gottesdienst eingeladen.

Der Andrang auf den Festgottesdienst war beeindruckend. Weit vor Beginn um 11 Uhr strömten von allen Seiten große und kleine Besucher auf die Stadthalle zu. Schon bald waren der große Saal mit den Emporen und der Offenbach-Saal bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Aber das Stadthallenmanagement reagierte schnell und so wurden nach und nach alle Säle der Stadthalle geöffnet, wenn auch die Zeit nicht mehr reichte, um in allen Räumen für Bestuhlung zu sorgen.

Zum Glück wurde der Gottesdienst im Ton und auch teilweise visuell auf Bildschirme übertragen, so dass auch diejenigen Besucher, die keinen Platz mehr bekommen hatten, zumindest einen kleinen Eindruck von dem Festgottesdienst bekommen konnten. In Kirchentagsähnlicher Atmosphäre verfolgten sie so das Geschehen. Auch der Kindergottesdienst mit viel Gesang, Bastelaktion und dem Besuch des Clowns Pommes, der in einem eigenen Saal stattfand, war mit mehr als 120 Kindern ein voller Erfolg.

Bis heute stimmt die Gnade Gottes fröhlich

In ihrer Predigt zu Römer 8 nahm Superintendentin Ilka Federschmidt Bezug auf Hanns Dieter Hüschs Text (nach Psalm 126) „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, der zugleich auch das Motto für den Festgottesdienst geliefert hatte. „Ich darf mich freuen, an den anderen, an der Welt an Dir“, sagte Federschmidt. Bis heute stimme uns die Gnade Gottes fröhlich. Das Gefühl, gebraucht zu werden, niemals fallengelassen zu werden. Diese Erkenntnis habe auch Luther aus der Bibel gezogen. „Auch bei Luther fiel ein Druck und eine regelrechte Panik ab, als er erkannte, dass uns Nichts von der Liebe Gottes trennen kann“, so Pfarrerin Federschmidt.

Unterbrochen wurde ihre Predigt von Stimmen aus der Reformation und von heute: Vom Gesang des Chores, von reformatorischen Zitaten von Calvin oder von Argula von Grumbach und zu guter Letzt von aktuellen Stimmen aus dem Kirchenkreis, die kurz auf die Jugendarbeit, der ehrenamtlichen Seelsorge oder das Engagement für Flüchtlinge eingingen. Die Freude über die reformatorische Entdeckung der Gnade Gottes solle allen Mut machen, anderen zu helfen und das auch gegen Widerstände hinweg, schloss Federschmidt ihre Predigt in der Stadthalle.

"Wir sind als Stadt offen für alle"

In seinem anschließenden Grußwort betonte Oberbürgermeister Andreas Mucke die Bedeutung der Reformation: „Sie hat uns bis heute entscheidende Impulse von Freiheit und Toleranz gegeben.“ Selbst zu denken und Verantwortung zu übernehmen, seien wichtige Grundlagen für Politik, Kultur und Wissenschaft und alle Bereiche des Zusammenlebens, so Mucke.

Die Folgen der Reformation seien auch in der Reformationsstadt Wuppertal bis heute spürbar, sagte der OB und nahm dabei kurz Bezug auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Wuppertal sei eine offene Stadt, in der Menschen aus 160 Nationen aller Glaubensrichtungen friedlich zusammenlebten. „Genau wie dieser Gottesdienst hier sind wir als Stadt offen für alle“, so Oberbürgermeister Andreas Mucke.

Großen Applaus gab es am Ende des Gottesdienstes für das musikalische Programm und dem Projektchor zum Reformationsjubiläum unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Jens-Peter Enk. Superintendentin Ilka Federschmidt zeigte sich wie alle Verantwortlichen begeistert von der großen Resonanz aus der Stadt.

Dennoch sei der Reformationstag kein Schlussstrich, sondern vielmehr ein Doppelpunkt: „Das Wuppertaler Programm zum Reformationsjubiläum stand und steht unter dem Motto ‚Wer glaubt, übernimmt Verantwortung – auch heute‘“ , sagt Superintendentin Ilka Federschmidt. „Der Höhepunkt des Jubiläums mit dem Gottesdienst in der Stadthalle ist deshalb kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt: Glaube und Verantwortung für die Welt, in der wir leben, gehören zusammen und müssen immer wieder neu formuliert werden. Eben auch in den nächsten 500 Jahren.“

Gemeinsam auf dem Weg

Der Kirchenkreis an Sieg und Rhein feierte das Reformatonsjubiläum auf dem Gelände der Steyler Missionare.

Der Kirchenkreis an Sieg und Rhein feierte das Reformatonsjubiläum auf dem Gelände der Steyler Missionare.

Der Evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein feierte den Reformationstag bei den Steyler Missionaren.

Deutlich hörbar und in besonderer ökumenischer Weite feierte der Evangelische Kirchenkreis An Sieg und Rhein heute das 500. Reformationsjubiläum auf dem Gelände der Steyler Missionare in Sankt Augustin.

Rund 3000 Menschen nahmen an der musikalischen Andacht teil, sangen kräftig mit und hörten von evangelischen und katholischen Geistlichen Worte, die von dem Willen geprägt waren, weiter aufeinander zuzugehen.

„Was uns die Reformation gelehrt hat, ist die Wertschätzung und die Schönheit der Vielfalt. Und wir lernen, uns gegenseitig zu respektieren, selbst wenn wir nicht genau dasselbe denken. Uns Evangelische und Katholische verbindet die Wiederentdeckung des Evangeliums von der freien Gnade Gottes und heute ist eine wunderbare Gelegenheit, sich der gemeinsamen Wurzeln des Glaubens zu vergewissern“, sagte Superintendentin Almuth van Niekerk während der Andacht.

Auch Hausherr Pater Dr. Piotr Adamek, Rektor des Missionspriesterseminars der Steyler Missionare, drückte seine Hoffnung auf den weiteren ökumenischen Weg aus: „Diesen besondern Tag nehmen wir zum Anlass, weiter miteinander Vertrauen zu lernen und Versöhnung zu leben, als ein Zeichen der Hoffnung für die Einheit der Christen.“

Befreiendes Aufatmen

Der Theologe Okko Herlyn

Der Theologe Okko Herlyn

Gottesdienst zum Reformationsjubiläum mit Okko Herlyn im Wetzlarer Dom

Eine Martin Luther-Figur auf dem Altar des Wetzlarer Doms. Eingraviert darauf die Worte „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, seit Generationen das Markenzeichen des Protestantismus. Okko Herlyn, evangelisch-reformierter Theologe aus Duisburg, der im zentralen Gottesdienst der Evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar zum Jubiläum „500 Jahre Reformation“ die Predigt hielt, warb für christliche Zivilcourage.

Ob beim Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit, gegen rassistische Parolen oder für Kinder aus sozialen Brennpunkten: „Da stehen kleine Luthers auf, weil sie um ihres an das Evangelium gebundene Gewissen nicht anders können.“

Mit deutlichen Worten erläuterte der Pfarrer und Theologieprofessor vor den rund 1.000 Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern aus der gesamten Region der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar, wie die biblisch-reformatorische Erkenntnis von  der Gerechtsprechung „ohne des Gesetzes Werke“ auch den Menschen unserer Zeit helfen kann.

„Allein durch den  Glauben“ - erstaunlich aktuell

„Allein durch den  Glauben“, wie es im Römerbrief, Kapitel 3, Verse 21 – 28 heißt, habe eine erstaunliche Aktualität. Heute versuche der Mensch zwar nicht mehr, sich wie zu Luthers Zeiten vor Gott zu rechtfertigen. Andere Götter, die „Werke“ fordern, seien jedoch an seine Stelle getreten: sozialer Status, Attraktivsein, Selbstinszenierung. Davon hänge ab, wie „okay“, beziehungsweise in der Sprache des 16. Jahrhunderts, wie „gerechtfertigt“ jemand sei.

 „Es ist ein tiefes, befreiendes Aufatmen, das von der reformatorischen Erkenntnis über die Jahrhunderte hinweg zu uns herüberweht“, sagte Herlyn. „Gott sei Dank muss ich einmal nichts tun! Gott sei Dank kann ich mir einmal einfach etwas schenken lassen! Gott sei Dank bin ich den Stress los, immer gut dastehen, immer etwas vorweisen, immer etwas aus mir und meinem Leben machen zu müssen!“

„Allein aus Gnade“ laute die befreiende Botschaft in Zeiten mit Parolen wie „Hauptsache Spaß“, „Hauptsache gesund“, „Hauptsache Erfolg“, die inzwischen zu Tyrannen geworden seien, unter denen Menschen mehr und mehr litten, „auch wenn ihre Keep-smiling-Masken etwas anderes weismachen wollen.“

Mit den Worten „Wir feiern Gottesdienst aus gutem Grund und auf gutem Grund, denn Christus ist der Beweggrund zur Reformation“ hatte der Braunfelser Superintendent Roland Rust für beide Kirchenkreise die Besucherinnen und Besucher begrüßt bevor alle den Lutherchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“ anstimmten, begleitet von Susanne Wirz (Trompete) und Kantor Dietrich Bräutigam an der Orgel.

Vergnügt, erlöst, befreit mit Chormusik

Musikalisch aufgenommen wurden die Worte der Predigt vom Chor Gospel+, dessen Leiter Jochen Stankewitz mit „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“ das Lied zum rheinischen Motto des Reformationsjubiläums dirigierte. Vertont hatte das Psalmgedicht von Hanns Dieter Hüsch der Kirchenmusiker Christoph Spengler. Zusätzlich stimmten die Sängerinnen und Sänger mit „God so loved the world“ (So sehr hat Gott die Welt geliebt) einen grundlegenden Text aus dem Johannesevangelium (Kapitel 3, Vers 16) von John Stainer und „I am with body and soul“ die erste Frage aus dem reformierten Heidelberger Katechismus, komponiert von Johannes Blomenkamp, an.

Dass die Erinnerung an 500 Jahre Reformation auch ein Grund ist, für vieles dankbar zu sein, zeigten Vertreterinnen und Vertreter  kreiskirchlicher Arbeitsbereiche gleich siebenfach. Sie trugen Brot und Wein zum Altar und luden zum gemeinsamen Abendmahl ein: die ehemalige Superintendentin Ute Kannemann dankte für die Einführung des ersten evangelischen Pfarrers auf dem Gebiet der rheinischen Kirche in Lützellinden, Pfarrer Stephan Hünniger mit dem Kreuz, das die Dompfarrer Kollas und Heymer im Versöhnungsgottesdienst im Frühjahr gemeinsam aufgerichtet hatten, für ökumenische Begegnungen, Superintendent Roland Rust für den Prozess der Vereinigung der Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar im guten Miteinander, Pfarrer Reinhard Vollmer für das Reformationsfest auf dem Altenberg, Frauenreferentin Simone Pfitzner für Orte der Begegnung in den Kirchenkreisen wie den Gottesdienst im Grünen, Pfarrerin Alexandra Hans für die Partnerschaften mit Christen in aller Welt sowie die  14-jährige Svenja Lotz und Jugendreferent Rüdiger Henke für Reisen mit Jugendlichen in diesem Jahr.

Den Segen zum Abschluss des Gottesdienstes, den Vertreterinnen und Vertreter des Arbeitskreises Reformationsjubiläum gemeinsam vorbereitet hatten, sprach Dompfarrer Björn Heymer. Er hatte gemeinsam mit Pfarrer Stephan Hünninger auch die liturgische Gestaltung der Reformationsfeier übernommen.

Nicht mehr getrennt glauben

Auftakt der Nacht der Reformation in der Ludwigskirche in Saarbrücken.

Auftakt der Nacht der Reformation in der Ludwigskirche in Saarbrücken.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen eröffnete die „Nacht der Reformation“ im Saarland mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Saarbrücker Ludwigskirche

„Hier stehen wir und können nicht anders. Wir können nicht anders hier stehen als gemeinsam.“ Mit diesen programmatischen Worten begann der Gottesdienst zur Eröffnung der „Nacht der Reformation“ im Saarland. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) feierte ihn am Reformationstag (31. Oktober) in der Saarbrücker Ludwigskirche. Evangelische und katholische Kirche, Methodisten und Freikirchen aus dem Saarland begingen das 500-jährige Reformationsjubiläum bewusst gemeinsam - als Christusfest. 53 Kirchengemeinden aus 45 saarländischen Orten beteiligten sich anschließend bis 23 Uhr mit eigenen Programmangeboten an der „Nacht der Reformation“.

„Wir wollen gemeinsam glauben“

Im Reformationsjubiläum werde nicht Martin Luther gefeiert oder die evangelischen Kirchen, sondern allein Jesus Christus, bekräftigten die Vertreter der unterschiedlichen Konfessionen in dem Gottesdienst. Deshalb wolle man künftig „nicht mehr getrennt glauben, sondern gemeinsam glauben.“ Den Gottesdienst gestalteten Superintendent Gerhard Koepke vom evangelischen Kirchenkreis Saar-Ost , Pfarrer Bernd Schikofsky von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Saarbrücken-Malstatt, Pastor Joachim Schumann von der Evangelisch-Methodistischen Kirche, Pastor Andreas Berg von der Selbständig-Evangelisch-Lutherischen Kirche, Militärpfarrer Karl-Martin Unrath vom Evangelischen Kirchenkreis Saar-West und Erika Hügel von der Synagogengemeinde Saar.

Gemeinsam erinnerten die Liturgen an die ursprüngliche Einheit der Kirche und beschrieben, wie es während der Reformation zur Trennung der Konfessionen kam. Sie gestanden sich ihre Irrwege und falschen Wahrnehmungen des jeweils anderen ein und beschrieben ihre Hoffnungen für ein neues Aufeinanderzugehen in versöhnter Verschiedenheit. Symbolisch traten sie dazu zunächst gemeinsam vor die Gemeinde, trennten sich dann in unterschiedliche Ecken im Kirchraum, um zum Schluss vor dem Altar wieder zusammenzukommen.

Zwar könne man das Abendmahl noch nicht miteinander feiern, „aber das kommt noch“, sagte Superintendent Koepke. „Bis dahin brechen wir das Brot in Hoffnung. Nehmt es mit in eure Gemeinden, heute in dieser Nacht der Kirchen. Vor allem aber: Teilt es“, appellierte er an die Gottesdienstbesucher. Als Gruß vom Eröffnungsgottesdienst erhielten die Vertreter der Kirchengemeinden, die sich an der Nacht der Reformation beteiligen, Brote in Form von Weinreben.

Magische Reise, Tischreden und Kabarett

53 Kirchengemeinden im ganzen Saarland öffneten anschließende ihre Türen für vielfältige Programmangebote rund um das Thema Reformation. Häufig feierten evangelische, katholische und freikirchliche Gemeinden gemeinsam, wie etwa in St. Wendel. Hier beteiligten sich fünf Kirchen der Stadt unter dem Motto „ecclesia reloaded“ unter anderem mit einer magischen Reise durch fünf Jahrhunderte mit dem Magier Kalibo und Pfarrerin Christine Unrath, einer Theateraufführung „Mönsch Martin“, einem Ökumenischen Abendlob und einer nächtlichen Kirchenführung.

In Merzig lud die evangelische Kirchengemeinde unter dem Motto „Iss, was gar ist; trink, was klar ist; sag, was wahr ist“ zu einem Abendessen in der Kirche mit Musik und Auszügen aus Luthers Tischreden ein. In der evangelischen Kirche Dillingen gab es zu Lutherbier, Gewürzwein und Reformationsbrötchen Mitmachaktionen und Informationen über Frauen der Reformation. In der Versöhnungskirche Völklingen betrachtete der „Wortkünstler“ Detlev Schönauer die Reformation durch die kabarettistische Brille. Und in Saarbrücken-Brebach gingen bei einer Feuershow symbolisch Ablass-Briefe in Flammen auf.

Den Schlusspunkt der „Nacht der Reformation“ setzte im Festzelt auf dem Saarbrücker Ludwigsplatz eine interreligiöse Gesprächsrunde. Über den Beitrag ihrer Religion zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft diskutierten Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Synagogengemeinde Saar, der Islamischen Gemeinde Saarland und der Alevitischen Gemeinde Saarland.

Reformationstag im Zeichen der Ökumene

Menschenkette in Simmern

Menschenkette in Simmern

Kreiskirchentag des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach in Simmern

Ganz im Zeichen der Ökumene und der Verbundenheit der christlichen Konfessionen feierte der evangelische Kirchenkreis Simmern-Trarbach am Reformationstag in Simmern einen großen Kreiskirchentag, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers. Mit einem bunten, vielfältigen Programm und vielen Menschen. Und dem Motto „Aus Liebe zur Wahrheit“.

„Aus Liebe zur Wahrheit“, so begannen die Thesen Martin Luthers. „Am Anfang steht die Liebe, die Liebe zur Wahrheit“, so Superintendent Horst Hörpel im Festgottesdienst in der Stephanskirche. „Und auf diesem Kirchentag wollen wir darum der Frage nach der Wahrheit nachgehen“, betonte die Simmerner Pfarrerin Heike Perras vom Vorbereitungsteam des Kreiskirchentags.

Jetzt anfangen, gemeinsam den Weg zu gehen

Die Wahrheit sei ein gemeinsamer Weg, „mit allen, die an Christus glauben“, unterstrich der Superintendent. Darum sei es auch richtig, diesen Reformationstag nicht allein evangelisch, sondern in ökumenischer Weite zu feiern. „Im himmlischen Jerusalem wird es keine Konfessionen mehr geben. Darum ist es gut, dass wir schon jetzt damit anfangen, gemeinsam den Weg zu gehen“, machte Horst Hörpel deutlich. Deshalb brauche es Begegnungen, den Austausch von Gedanken, Gesprächsmöglichkeiten und mehr Miteinander. Und darum freue er sich, dass die anderen Konfessionen die Einladung zu einem gemeinsamen Christusfest angenommen hätten.

Und in der Tat bestimmte die Ökumene das Bild dieses Kreiskirchentags in Simmern. So gab es nach dem Gottesdienst als ein öffentliches Zeichen der Verbundenheit eine Menschenkette zwischen der evangelischen Stephans- und der katholischen Josefskirche, bei der Bibeln ausgetauscht wurden.

Auch die Moscheengemeinde öffnete ihre Türen, lud die Kirchentagsbesucher zum Gespräch ein. „Es ist gut, dass wir diesen besonderen Reformationstag nicht in einer konfessionellen Nische feiern, sondern uns öffnen, uns von unseren unterschiedlichen Glaubenserfahrungen erzählen und uns auch hinterfragen lassen“, so der Superintendent.

Den Angstmachern die Stirn bieten

„Die Wahrheit will frei machen und die Angst nehmen“, machte Horst Hörpel klar. Dies sei in einer Zeit, in der mit Angst Politik gemacht werde, wichtig. „Die Ängste vor einem Klimawandel, vor Krieg, Gewalt, Hungersnöte sind ernst zu nehmen, aber diese Ängste zu instrumentalisieren, das ist Missbrauch“, mahnte der Superintendent. Es sei auch Aufgabe der Kirche, Nein zu sagen zu Mächten des Todes, Lügen nicht zuzulassen und Angstmachern die Stirn zu bieten, unterstrich Hörpel.

„Ist die Wahrheit noch zu retten?“, so fragten die Teilnehmer an einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in der katholischen Familienbildungsstätte. Eine aktuelle Fragestellung angesichts der Wahlerfolge von Populisten, der Diskussionen um die AfD oder Fake-News.

„Wir brauchen heute Menschen, die nicht gleich jeder Botschaft nachlaufen, sondern die ein starkes Selbstgefühl haben und aufrecht durchs Leben gehen“, betonte Professor Dr. Gerhard Wegner vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD. Und Spiegel-Redakteurin Melanie Amann bedauerte, dass es in den Diskussionen oft mehr um Angst und Gefühle als um Fakten gehen würde. „Wichtig ist auch, dass die Politik die Menschen anders ansprechen“, so die Journalistin.

Mehr als 750 Menschen in der Stephanskirche

Der Rheinböllener Lehrer Torsten Brittnacher beschrieb anschaulich, wie sich angesichts der veränderten Medienlandschaften Jugendliche informieren. Und der Beauftragte der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz, Dr. Thomas Posern, bedauerte, dass die Politik manche Politikfelder wie die Sozialpolitik vernachlässigt habe, die jetzt von Populisten besetzt würden,

Der Kreiskirchentag in Simmern stieß auf großes Interesse. Die Stephanskirche konnte kaum die mehr als 750 Menschen fassen, die zum Festgottesdienst kamen. „Ich bin überwältigt, wie viele Menschen hier in der Kirche sind“, zeigte sich Pfarrerin Heike Perras beeindruckt.

Und auch der Markt der Möglichkeiten in der Hunsrückhalle, oder die Podiumsdiskussion waren gut besucht, teilweise auch überfüllt. An vielen Orten gab es Konzerte, Vorträge, Führungen, Diskussionsrunden, Gesprächsangebote, Ausstellungen und Aufführungen. Dazu viel Musik, ebenso ein eigenes Kinderprogramm. Der Kreiskirchentag endete mit einem ökumenischen Reisesegen mit Vertretern der römisch-katholischen, der evangelischen und der Freikirchen.

 

ekir.de / dj, uks, jhp, ubl, ÖR Wuppertal, KK An der Agger, sr, evdus, Fotos: dj, uks, hp, jhp, ubl, Jan Kleinschmidt, EKAgger, sr, Sergej Lepke / 31.10.2017


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