EKiR-News - Februar 2018 - Religionsunterricht - Religiöse Bildung hat Zukunft - Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
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Religionsunterricht markiert einen unverzichtbaren Bereich allgemeiner und individueller Bildungsarbeit in der Schule.

Religionsunterricht markiert einen unverzichtbaren Bereich allgemeiner und individueller Bildungsarbeit in der Schule.

Religionsunterricht

Religiöse Bildung hat Zukunft

Der konfessionell gebundene Religionsunterricht ist in einer pluralen Gesellschaft unverzichtbar, sagt Landeskirchenrat Eckhard Langner. Die Vereinbarungen über den konfessionell-kooperativen Unterricht stoßen bei Schulen deshalb auf breites Interesses.

Die Zahl der evangelischen und katholischen Schülerinnen und Schüler geht stetig zurück. Welche Zukunft hat der konfessionell verantwortete Religionsunterricht angesichts dieser Entwicklung?

Ich bin davon überzeugt, dass er eine gute Zukunft hat. In einer Gesellschaft, die von religiöser und weltanschaulicher Pluralität geprägt ist, markiert er einen unverzichtbaren Bereich allgemeiner und individueller Bildungsarbeit in der Schule. Unabhängig von demografischen Entwicklungen bleibt dieser Bildungsauftrag bestehen. Religiöse Orientierung, Vergewisserung im Blick auf die eigene religiöse Tradition und Konfession, die Entwicklung einer eigenen Position und die Befähigung zum Dialog mit anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen – das sind die Perspektiven und Aufgaben, um die es nach wie vor geht.

Was leistet der konfessionelle Religionsunterricht, was ein Fach Religionskunde oder Ethik nicht können?

Konfessionell darf nicht mit „exklusiv“ oder „abschottend“ übersetzt werden. Im Gegenteil: Konfessionsbindung, Bekenntnisorientierung – das sind profilbildende Begriffe. Religionsunterricht ohne eine authentische Innensicht von Religion ist nur verkürzt denkbar. Anders als jede Form von Religionskunde oder Ethik geht es nicht nur um „Information in Sachen Religion“, sondern im Kern um die Begegnung mit dem christlichen Glauben evangelischer Prägung als Lebensform und Sinnangebot. Wie modern und zukunftsorientiert ein solches Konfessionsverständnis sein kann, haben wir im Reformationsjahr in vielfacher Hinsicht erfahren. In der Freiheit eines Christenmenschen sein Leben zu verstehen und zu gestalten, es auch in der Schule zu reflektieren, Einstellungen dazu mit anderen zu entwickeln und auszuprobieren, ist ein gutes Beispiel für ein religiös profiliertes und zugleich einladend-dialogorientiertes Lebenskonzept.

Die rheinische Kirche hat sich mit einigen Bistümern in Nordrhein-Westfalen auf einen kooperativen Unterricht verständigt. Wie haben Schulen bislang reagiert?

Es zeigt sich ein großes Interesse an diesem Modell, auch wenn wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht konkret sagen können, wieviele Schulen sich zum nächsten Schuljahr dann auch wirklich auf ihren „konfessionell-kooperativen“ Weg machen werden. Mein in diesem Zusammenhang schönstes Telefonat hatte ich mit einem Schulleiter, der mir sagte: „Ich hätte es nicht geglaubt, die Kirchen bewegen sich doch. Grund für mich, wieder in die Kirche einzutreten.“ Eine parallele Entwicklung zu der in Nordrhein-Westfalen zeichnet sich in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen ab, wo Gespräche über vergleichbare kirchliche Vereinbarungen unmittelbar bevorstehen.

Wie können Presbyterien den evangelischen Religionsunterricht stärken?

Zunächst, indem sie wahrnehmen, dass die Evangelische Kirche im Rheinland im Religionsunterricht in den verschiedenen Schulformen fast 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler erreicht. Die rund 24.000 staatlichen und kirchlichen Religionslehrerinnen und Religionslehrer wünschen sich eine sie fachlich und persönlich begleitende Kirche. Diesem Wunsch kann ein Presbyterium in verschiedener Weise begegnen: vom regelmäßig tagenden „Pfarrer-Lehrer-Stammtisch“ zu theologischen Fragestellungen, Interviews und Besuche von Mitgliedern des Presbyteriums in Lerngruppen bis hin zu Schülerpraktika in der Gemeinde, Einladungen zu Gemeindefesten und gemeinsam organisierten Projektwochen.
In Nordrhein-Westfalen ist nach wie vor die Kontaktstunde in der Grundschule eine gute Gelegenheit für Kirchengemeinde und Grundschule zusammenzuarbeiten. Auch Schulgottesdienste sind eine bewährte Form, gemeinsam Verantwortung für die religiöse Erziehung wahrzunehmen. Presbyterien können die kreiskirchlichen Schulreferentinnen und -referenten zu einem Gespräch über den Religionsunterricht vor Ort einladen, darüber ergibt sich möglicherweise auch ein konkretes „Stärkungsprojekt“. Mich hat beeindruckt, wie sich ein Presbyterium vor dem Hintergrund eines solchen Gespräches mit einer Religionslehrerin an der Finanzierung und der inhaltlichen Gestaltung der religiösen Einkehrtage einer Abschlussklasse beteiligt hat. So geschieht wirksame Unterstützung des Religionsunterrichtes.     

ekir.de / Wolfgang Beiderwieden / 05.02.2018


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