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Panorthodoxes Konzil

Fragen an Oberkirchenrätin Barbara Rudolph

Welche Bedeutung messen Sie als Leiterin der Ökumene-Arbeit der EKiR dem geplanten panorthodoxen Konzil bei?

Das Panorthodoxe Konzil ist für die Orthodoxie nicht nur ein Jahrhundert-, sondern ein Jahrtausend-Ereignis. Zum ersten Mal nach über 1000 Jahren treffen sich die 14 selbständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen. In 50 Jahren Vorbereitung und vielen Vorkonferenzen wurden die Beschlussvorlagen vorberaten, die jetzt auf Kreta beschlossen werden. Für die orthodoxen Kirchen ist es ein Kraftakt, nach einer so langen Zeit zu gemeinsamen Verlautbarungen zu kommen. Die Kirchen haben den Anspruch, alle Entscheidungen einstimmig zu treffen. Wichtig sind die Diskussionen innerhalb der orthodoxen Gemeinschaft, auch hier in Deutschland. Manche Professoren der orthodoxen Lehrstühle in Deutschland wünschen sich zum Beoispiel eine größere Beteiligung der Basis. Die Evangelische Kirche im Rheinland wird mit der Orthodoxen Kirche nach dem Konzil beraten, was die Beschlüsse für die Ökumene in Deutschland bedeuten.

Sind die Absagen aus Russland, Bulgarien, Georgien und Antiochien dramatisch? Die Kritik von Metropolit Augoustinos ist ja ungewöhnlich scharf.

Die Konflikte innerhalb der Orthodoxie gären schon seit langem. Nach der politischen Umwälzung Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts konnten sich orthodoxe Kirchen nach der langen Zeit der kommunistischen Unterdrückung wieder neu entfalten. Häufig hat es sich verbunden mit nationalen Interessen, allem voran in Russland. Offensichtlich spitzen sich die nationalen Interessen direkt vor dem Konzil zu. Ich hoffe, dass letzten Endes die Kirchen sich der gemeinsamen Beratung nicht entziehen werden.

Sind die Absagen auch für die EKiR problemaisch, befürchten Sie Auswirkungen oder Schäden?

Die Evangelische Kirche wartet zunächst ab, wie sehr sich die schon seit langem bekannten Konflikte tatsächlich auf den Ablauf des Konzils auswirken werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Konzil etwas bewegen wird. Gern schließen wir uns der Initiative des Bistums Trier an, für unsere Schwesterkirchen am Sonntag zu beten. Die Orthodoxe Kirche feiert am Sonntag das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes. Ein gutes Zeichen für das Konzil!

ekir.de / neu / 17.06.2016


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