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Altersforscher Andreas Kruse fordert verstärkte Investitionen in Bildung

Sozialpolitischer Aschermittwoch 2014: Menschen sind bis ins hohe Alter lernfähig

Pressemitteilung Nr. 51/2014

Mit den Perspektiven einer Gesellschaft im demografischen Umbruch beschäftigte sich der diesjährige Sozialpolitische Aschermittwoch der Kirchen in der evangelischen Auferstehungskirche in Essen. Viele neigten dazu, beim Älterwerden an den Verlust der Kräfte zu denken, sagte Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Aber heute bestimme geistiges, körperliches und für viele auch wirtschaftliches Wohlergehen die Lebenszeit jenseits des Berufslebens. „Vielen wird ein dritter Lebensabschnitt geschenkt“, sagte Rekowski: „Der Ruhestand ist längst kein Ruhestand mehr.“ Unser Bild vom Alter stimme nicht mehr und müsse weiterentwickelt werden. Die Potentiale und Fähigkeiten des Alters zu nutzen, ohne die Verletzlichkeiten älterer Menschen auszublenden, das fordere auch die Kirchen heraus, sagte Rekowski. „Wir setzen auch in der Kirche vielfach auf die Dynamik der Jugend.“

Eine Gesellschaft im demografischen Umbruch müsse Menschen auch in einem höheren Alter am öffentlichen Leben beteiligen, sagte der Heidelberger Altersforscher Andreas Kruse. Der Direktor des Instituts für Gerontologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und einer der Vordenker der „Gesellschaft des langen Lebens“ zeigte in einem Vortrag mit dem Titel „Teilhabe, Gesundheit und Sinnerfüllung“ Perspektiven und Potenziale einer älter werdenden Gesellschaft auf. „Der öffentliche Raum ist im Alter von entscheidender Bedeutung“, sagte er. Auch Hochbetagte wollten handeln, etwas für andere tun, in Kontakt treten und anerkannt werden. Eine Gesellschaft, die sich dem Alter stelle, sehe daher nicht so sehr auf die Defizite ihrer älteren Mitglieder, sondern gehe auf sie zu und frage sie: „Wie weit willst du etwas für die Gesellschaft leisten?“

Eine zentrale Herausforderung einer Gesellschaft im demografischen Wandel sieht Kruse in der Bildung. Schlechte Bildungschancen wirkten sich auf die Lebensqualität bis ins Alter hinein aus. Kruse warb deshalb dafür, verstärkt in den Bildungsbereich zu investieren. Selbst im höheren Alter sei Bildung noch ein wichtiges Ziel, seien Menschen doch bis in die letzte Lebensphase hinein lernfähig.

Eine Gesellschaft müsse auf diese Fähigkeiten mit entsprechenden Strukturen reagieren, sagte Kruse. So möchten immer mehr Menschen auch über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten – so sie es selbst bestimmen können. Die Wirtschaft entdecke zunehmend die Chancen, die sich aus der Beschäftigung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben. Die Produktivität von Unternehmen sei dort am höchsten, wo jüngere und ältere Beschäftigte in Generationentandems zusammenarbeiten. Die reflektierten Erfahrungen der Älteren und die Kreativität der Jüngeren befruchteten sich gegenseitig.

Zum Sozialpolitischen Aschermittwoch laden das Ruhrbistum Essen und die Evangelische Kirche im Rheinland seit 1998 jährlich gemeinsam nach Essen ein. Dabei werden gesellschaftliche und sozialpolitische Themen in einem liturgischen Rahmen aufgegriffen. In diesem Jahr wirkten der rheinische Präses Manfred Rekowski, Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und der Superintendent des Kirchenkreises Essen, Irmenfried Mundt, an der liturgischen Gestaltung mit.

Düsseldorf/Essen / EKiR-Pressestelle / 05.03.2014


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