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Petra Bosse-Huber sieht neue vorgeburtliche Bluttests kritisch

Vizepräses: „Hauptsache gesund? Für mich ist das kein Maßstab“

Pressemitteilung Nr. 106/2013

Durch einen neuen Bluttest können vier Chromosomenstörungen schon vor der Geburt eines Kindes entdeckt werden, drei mehr als noch vor einem Jahr. Zwar gebe es bei den neuen Bluttests nicht die Gefahr einer Fehlgeburt, doch ein Schritt in die falsche Richtung seien sie dennoch, wie Petra Bosse-Huber im Präsesblog der Evangelischen Kirche im Rheinland (www.praesesblog.ekir.de) schreibt: „Risikolos ist der Bluttest in Bezug auf die unmittelbaren körperlichen Auswirkungen für Mutter und Kind“, erklärt sie, „aber er birgt dasselbe Risiko: dass sich herausstellt, dass ‚etwas nicht in Ordnung ist mit dem Kind’“.

Wenn dieser Fall eintrete, gehe es für Eltern um schwerwiegende Fragen: „Können wir uns das Leben mit einem behinderten Kind vorstellen? Und was, wenn nicht?“ Zwischen 85 und 95 Prozent der Feten, bei denen beim bisherigen invasiven Testverfahren Trisomie 21 festgestellt wurde, seien  abgetrieben worden. Jede schwierige Einzelentscheidung werde aus guten Gründen getroffen und habe ihre Berechtigung, schreibt Vizepräses Bosse-Huber. Ihre Sorge gelte dagegen dem gesellschaftlichen Rahmen, in dem Eltern und Mediziner ihre ethischen Entscheidungen treffen.

 Dieser Rahmen bestimme, ob Menschen ein Leben mit Kindern mit Behinderung als vorstellbar oder als ausgeschlossen erachten. Eltern, die sich bewusst für Kinder mit Down-Syndrom oder anderen Chromosomenstörungen entschieden, kämen unter steigenden Rechtfertigungsdruck. Der Versuch, Leben mit Behinderung zu vermeiden, widerspreche christlichen Grundüberzeugungen, wie Petra Bosse-Huber klarstellt: „Unser christliches Menschenbild ist nicht an einem Ideal von Perfektion ausgerichtet.“ Neben der Wertschätzung des Individuums zähle auch das menschliche Leben in Gemeinschaft zu den Grundsätzen christlichen Denkens: Kein Glied am Leib Christi sei immer stark oder immer schwach – das mache eine humane Gesellschaft aus. „Hauptsache gesund? Für mich ist das kein Maßstab“, resümiert die Vizepräses.

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 10.06.2013


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