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Präses Rekowski spricht heute in Solingen über „Kirche im Umbruch“

„Nicht den Aufbruch predigen und zugleich Zement anrühren“

Pressemitteilung Nr. 116/2014

Veränderungsbereitschaft ist eine christliche Grundhaltung, Reformstress dagegen ist „nicht konstitutiv für die christliche Existenz oder gar für die Kirche“. Das hat Präses Manfred Rekowski am Abend (vgl. Sperrfrist!) in Solingen betont. „Wenn wir von ,Kirche im Umbruch’ sprechen, geht es nicht um die Anwendung des Mottos ,Öfter mal etwas Neues’. Es geht aber sehr wohl um die Bereitschaft, sich herausrufen zu lassen, sich herausfordern zu lassen und auch tatsächlich aufzubrechen. Denn wenn wir unseren Auftrag als Kirche situationsgerecht und kontextgemäß wahrnehmen wollen, werden wir uns durch die Menschen und durch die jeweiligen Situationen herausfordern lassen. Umbruch ist dann nicht die störende Unterbrechung lieb gewonnener Abläufe, sondern der Normalfall“, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland in einem Vortrag vor den Mitgliedern der Synode des Kirchenkreises Solingen.

Und weiter: „Wenn wir unsere Existenz als Christen zwischen Glauben und Hoffen, zwischen Hoffen und Warten, ,zwischen dem Leben hier und dem Leben dort’ ernst nehmen, verträgt sich das nicht mit einer Haltung, bei der der Aufbruch gepredigt wird, aber zugleich der Zement angerührt wird, um den Ist-Stand abzusichern und zu verteidigen.“ Für eine Kirche im Umbruch stelle sich nicht die Frage, ob sie weiterhin in Verkündigung, Seelsorge, Diakonie usw. tätig sei, aber: „Es geht um den Umfang, die Arbeitsform, die Struktur u. ä. Letztlich geht es in einer Umbruchsituation in besonderer Weise um verantwortungsbewusste Haushalterschaft, um die Frage: Setzen wir die uns anvertrauten Mittel so ein, dass sie im Sinne der angestrebten Ziele nach menschlichem Ermessen Wirkung erzielen“, so Rekowski.

Vergegenwärtigung und Übersetzung als Herausforderung

Die Kirche stehe vor Umbrüchen in der theologischen Arbeit, unterstrich Präses Rekowski: „Unsere Aufgabe ist, vom Glauben so zu reden, dass sich Menschen wenigstens andeutungsweise erschließt, dass er für ihr eigenes Leben Bedeutung hat. Es geht nicht um das Wiederholen der biblischen Tradition, sondern um eine Vergegenwärtigung, um eine Übersetzungsaufgabe. In einem Taufgottesdienst etwa sollte nicht nur spürbar werden, dass wir nicht so steif sind, wie die Taufgemeinde eventuell denken könnte, sondern es sollte auch hörbar werden, worum es bei der Taufe geht: dass Christus Menschen in der Taufe vorbehaltlos annimmt. Ohne auf Leistungen und Fehlleistungen zu achten, ist und bleibt der Getaufte ein Kind Gottes. Nach meiner Wahrnehmung besteht die größte theologische Herausforderung gegenwärtig in der Hermeneutik, in der Übersetzungsarbeit.“

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Düsseldorf/Solingen / EKiR-Pressestelle / 07.11.2014


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