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Landessynode 2010

"Der Blick in die Zukunft ist nicht rosig"

„Evangelische Jugendarbeit ist nicht Betreuung, sondern Bildungsarbeit, die nur mit hoher Professionalität geleistet werden kann“, erklärte Landesjugendpfarrerin Simone Mechels bei der Vorstellung des Jugendberichtes 2010.

Stellten den Jugendbericht 2010 vor: Dr. Stefan Drubel, Simone Mechels, Thomas, Weckbecker und Tim Polick (v.l.)

Stellten den Jugendbericht 2010 vor: Dr. Stefan Drubel, Simone Mechels, Thomas, Weckbecker und Tim Polick (v.l.)

Allerdings befürchtet sie einen weiteren Abbau von Hauptamtlichen. „Organisierte Kinder- und Jugendarbeit braucht ein stabiles Netzwerk von Hauptamtlichen“, bestärkt sie der Vorsitzende der Evangelischen Jugend im Rheinland, Thomas Weckbecker. Breche das Netzwerk der Hauptamtlichen weg, sinke das Engagement der Ehrenamtlichen. Sein größter Wunsch für die Zukunft sei, dass die Jugendarbeit in der momentanen Qualität erhalten oder sogar ausgebaut werde.

Lebenswelten der Jugendlichen ändern sich

Den veränderten Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen wird in dem Bericht Rechnung getragen. „Der Blick in die Zukunft ist nicht rosig. Die Jugend von heute tritt ein schweres Erbe an“, erläuterte Mechels. Grund ist unter anderem die Wirtschaftskrise. Mechels befürchtet eine weitere Zunahme von Armut. Aber nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart sei düster. Denn etwa 1,9 Millionen Kinder werden in Familien, die von Hartz IV leben, groß. Die Schere zwischen Arm und Reich sei auch schon in der Lebenswelt der Jugendlichen geöffnet, so ihre Erfahrung.

Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen

Weckbecker verweist in diesem Zusammenhang auch auf das veränderte Freizeitverhalten Jugendlicher. So fänden Angebote der evangelischen Jugendarbeit häufig am Nachmittag statt. Ganztagsschulen nähmen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zur Teilnahme. Dazu komme, dass unter den etwa 15000 Ehrenamtlichen in der evangelischen Jugendarbeit im Rheinland ebenfalls viele Schülerinnen und Schüler seien, die ihr Ehrenamt somit nicht mehr ausüben könnten. Doch Weckbecker stellte auch Lösungen vor. So berichtete er von Projekten der evangelischen Jugendarbeit in Kooperation mit Ganztagsschulen. Es gebe Gemeinden, in denen Jugendarbeit an einem Nachmittag in der Schule sei, „natürlich ohne Pflicht zur Teilnahme“.

"Junge Gesicht des Glaubens"

Und auch wenn Jugendliche in Leitungsgremien immer noch selten sind, gibt es auch positive Entwicklungen: Der 17-jährige Tim Polick ist einer von sechs Jugendlichen, die als Gast an der Landessynode teilnehmen. In seiner Gemeinde in Wuppertal-Cronenberg, berichtete der Schüler, sind drei von zwölf Presbytern und Presbyterinnen jugendlich. Als Beispiel für die Veränderungen, die von den Jugendlichen auf die Gemeinde ausgehen, nannte er, die Einstellung einen neuen Jugendleiters: "Die Presbyter haben uns bei der Vorstellung der Bewerber nach unserer Meinung gefragt und erst dannn entschieden."

Das freut den Leitende Dezernenten im Landeskirchenamt, Dr. Stefan Drubel. „Wir dürfen nicht aufhören, Jugendliche mit ihrem Glauben in unsere Gemeinden einzuladen. Wir brauchen das junge Gesicht des Glaubens, damit wir lebendig bleiben als Kirche“, betonte er.

Zurzeit gibt es 450 Vollzeitstellen in der evangelischen Jugendarbeit, davon werden 300 durch die Kirchenkreise und Gemeinden finanziert.

ekir.de / pas / 05.02.2010