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Landessynode 2008

Es war ein gutes Jahr

Maßvoll haushalten und vorausschauend planen, so lautet weiterhin die Devise. In seinem Finanzbericht erläuterte Oberkirchenrat Georg Immel Bestand und Entwicklung. Die Landessynode beschloss den landeskirchlichen Haushalt einstimmig.

Warnt vor zuviel Optimismus: Finanzdezernent Georg Immel. LupeWarnt vor zuviel Optimismus: Finanzdezernent Georg Immel.

Immels Bilanz für 2007: "Es war ein gutes Jahr". Der konjunkturelle Aufschwung hat besonders im ersten Halbjahr 2007 zu deutlichen Zuwächsen bei der Kirchensteuer geführt. Nachdem das Kirchensteueraufkommen 2006 knapp unter 500 Millionen Euro lag, geht die Schätzung für 2007 inzwischen von einem Verteilungsbetrag von 560,8 Millionen Euro aus. Für 2008 werden 574 Millionen Euro erwartet.

Im Rahmen der Pressekonferenz zum Finanzbericht betonte Immel jedoch: "Ich liebe diese Frage geradezu: "Was macht die rheinische Kirche mit dem vielen Geld?" Ich sage dann: Kein Problem, ich habe einen großen leeren Eimer. Und das Geld, was ich kriege, deckt jetzt vielleicht den Boden oder die unteren paar Zentimeter."

Achtung vor überzogenem Optimismus

Immel warnte auch die Synodalen vor überzogenem Optimismus: "Die ‚Relativität‘ dieses sicherlich erfreulichen Betrags können Sie gut an dem Vergleich des Verteilungsbetrags mit anderen Jahren sehen. ... Der Spitzenverteilungsbetrag des Jahres 1994 mit 631,5 Millionen Euro ist unerreichbar!" Und er betonte: "Die langfristige Prognose der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Gemeindemitgliederzahlenentwicklung und der Entwicklung der Kirchensteuern wird durch das Kirchensteueraufkommen der Jahre 2007 und 2008 nicht widerlegt."

Für 2008 rechnet der Finanzdezernent zudem damit, „mit einem ähnlichen Kirchensteuereinnahme-Ergebnis wie 2007 auszukommen“. Dass sich das Ergebnis kaum steigere, erläuterte Immel in der Pressekonferenz so: „Wir haben mit unserer Versorgungskasse ein deftiges Problem!“. Es gelte, so zu wirtschaften, dass die nachfolgende Generation nicht mehr Geld in die Versorgungskasse zahlen müsse, als vorhanden sei, so der Finanzdezernent.

„Da der grundsätzliche Trend jedoch nach unten geht, werden die Gemeinden auch mit diesem Ergebnis zufrieden sein“, fuhr der Jurist fort. „Ich brauche drei Minuten, um das beste Ergebnis wieder schlecht zu reden“, erklärte Immel augenzwinkernd. Aber die EKD-Prognose gebe ihm recht.

 

 

Einstimmig beschlossen: Der landeskirchliche Haushaltsplan. LupeEinstimmig beschlossen: Der landeskirchliche Haushaltsplan.

Finanzkraft reduziert sich auf die Hälfte

Denn danach geht die Mitgliederzahl in der rheinischen Kirche bis 2030 von knapp drei Millionen auf zwei Millionen Mitglieder zurück, die Finanzkraft reduziert sich auf die Hälfte. Den Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und Verbänden empfahl Immel in seinem Bericht dringend, die steuerlichen Mehreinnahmen aus dem Jahr 2007 zur Konsolidierung ihrer Haushalte und zum Auffüllen benötigter Rücklagen zu verwenden.

Steigende Ausgaben im landeskirchlichen Haushalt

Auch den landeskirchlichen Haushaltsplan 2008 mit einem Volumen von 82,4 Millionen Euro legte Immel der Synode vor. Noch im Vorjahr 2007 umfasste dieser 78,9 Millionen Euro. Dass die Ausgaben steigen würden, gehe im Wesentlichen auch auf die Auffüllung der Versorgungskasse zurück.

Problem Versorgungskasse

Gleiches Stichwort gilt für die Ausgaben der Pfarrbesoldung. Diese würden sich 2008 um 41,2 Millionen Euro erhöhen - "ein gewaltiger Betrag", so Immel. Die Mehrausgaben seien jedoch nicht auf eine Erhöhung der Besoldung oder der Pfarrstellenanzahl zurückzuführen, sondern sie ergäben sich aus Nachzahlungen in die Versorgungskasse zur Absicherung bestehender Versorgungsverpflichtungen.

In Menschen – nicht in Steine investieren

Es sei zudem wichtig, sich klar zu machen, wie viele Finanzmittel aufzuwenden seien, um alle Immobilien der rheinischen Kirche im kommenden Jahr auf dem Stand zu halten, erläuterte Immel weiter vor der Synode.

Und: „Wenn eine Körperschaft feststellt, gleichgültig ob Kirchengemeinde, Kirchenkreis oder Landeskirche, dass der überwiegende Teil ihrer Finanzen in Immobilien fließt, ist die Lösung nicht das Kündigen von Mitarbeitenden, sondern die Befassung mit der Frage, ob und wie die übernommenen Aufgaben mit weniger Gebäuden erfüllt werden können.“

Zum Vergleich: In der rheinischen Kirche gibt es 6.800 Gebäude, darunter ca. 1.250 Kirchen und Kapellen und ca. 1.370 Gemeindehäuser. Gut die Hälfte der Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.

 

 

Gemeinden finanzieren durch Umlage

 Da die Kirchensteuerhoheit in den 777 Gemeinden liegt, wird der landeskirchliche Haushalt aufgrund einer kirchengesetzlichen Regelung mit einer Umlage von 10,25 Prozent finanziert. Das sind für das laufende Jahr 58,9 Millionen Euro.

Neues Kirchliches Finanzwesen

Neu im Haushalt 2008 etatisiert sind die Kosten in Höhe von 6,2 Millionen Euro für die Projektfinanzierung des so genannten Neuen Kirchlichen Finanzwesens (NKF) in der rheinischen Kirche. Das neue kaufmännische Buchungssystem bilanziert Vermögen, Schulden und Rücklagen und gliedert Aufgaben und Handlungsfelder nach Kostenstellen. Doch es geht nicht nur um Buchführung: Erreicht werden soll „die Erkenntnis über den Stand der Verpflichtungen, die wir heute haben und die möglicherweise die nächsten Generationen mit weniger Mitteln werden erfüllen müssen“, unterstrich der Finanzdezernent in seinem Bericht. Die rheinische Kirche ist eine der ersten Landeskirchen im Bereich der EKD, die das NKF einführt.

 

 

es / mai /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 10. Januar 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 11. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.