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Landessynode 2004

Mit dem großen Thema Abendmahl

Die Teilnahme am Abendmahl ist eines der großen Themen der bevorstehenden Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Als Frage ist die dazugehörende Vorlage formuliert: „Darf die Kirche vom Mahl des Herrn ausschließen?“ Die Antwort lautet: nein

Füllt sich ab Sonntag: Plenarsaal der Landessynode in Bad Neuenahr. Füllt sich ab Sonntag: Plenarsaal der Landessynode in Bad Neuenahr.

Von Sonntag, 11. Januar, bis Freitag, 16. Januar, treten die 244 Mitglieder der Landessynode in Bad Neuenahr zusammen und beraten in Ausschuss- und Plenarsitzungen 26 Vorlagen. Dazu gehören – neben dem Thema Abendmahl - der Haushalt 2004 und die Frage einer möglichen Hauptamtlichkeit der Superintendentinnen und Superintendenten. Anträge aus Kirchenkreisen bringen die Erinnerung an 100 Jahre Beginn des antikolonialen Kriegs in Namibia auf die Tagesordnung.

Die Synode beginnt am Sonntag mit dem Eröffnungsgottesdienst ab 17 Uhr in der Martin-Luther-Kirche. Die Predigt hält Präses Nikolaus Schneider. Ihn hören die Synodalen auch am folgenden Tag: in seinem „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“. Das ist eine Premiere: Schneider legt diesem Bericht - am 260. Tag seiner Amtszeit – erstmals ab.

Kirchentag beflügelte Abendmahls-Diskussion

Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Thema Abendmahl ist eine frühere Entscheidung der Landessynode: Vor acht Jahren hatte sie die Bestimmung aufgehoben, die den Abendmahlausschluss als Mittel der Kirchenzucht vorsah. Damit strich sie die Möglichkeit zum Ausschluss vom Abendmahl – obwohl diese in Bekenntnisschriften wie dem Heidelberger Katechismus, der nach wie vor zu den Grundlagen der EKiR gehört, enthalten ist. Die Diskussion um ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Evangelischen – zuletzt auf dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 – habe das Papier „bestimmt beflügelt“, sagt EKiR-Pressesprecher Jens Peter Iven.

Bedingungs- aber nicht folgenlos – auf diese Formel bringt das Papier nun die Frage der Teilnahme am Abendmahl. Jesu Tischgemeinschaft „nimmt die Menschen an, wie sie sind, aber er lässt sie nicht, wie sie sind“, heißt es in der Vorlage. Die Gäste müssten zwar „nichts mitbringen“. Die Einladung des Gastgebers sei „offen und bedingungslos“, wie Landeskirchenrat Klaus Teschner einmal zum Papier erläuterte. Andererseits aber ermögliche die Teilnahme Buße als „fröhliche Folge“ der Tischgemeinschaft, so der Theologe, der das Papier vor seinem Ruhestand zum Jahreswechsel auf den Weg brachte.

Ohne "Verbilligung der Verbindlichkeit"

Gleichzeitig ist klar: Die uneingeschränkte Einladung zum Abendmahl kann nicht als „Verbilligung der Verbindlichkeit“ gesehen werden, so Teschner. Sie ist nicht oberflächlich offen, unterschätzt nicht den Tischherrn. Die rheinische Kirche – nimmt die Landessynode die Vorlage an – wird ihre angestammte Haltung bestätigen, wonach nicht die Menschen, sondern Christus selbst zum Abendmahl einlädt. Presbyterinnen und Presbyter, Pfarrerinnen und Pfarrer, die das Brot austeilen, können nicht vom Mahl ausschließen. Denn sie sind selbst Gäste.

Zu den weiteren Tagesordnungspunkten der Landessynode gehört die kirchliche Finanzlage, insbesondere der Haushalt 2004. Dazu wird Oberkirchenrat Georg Immel einen Finanzbericht abliefern. Debatten könnte es um die Höhe des prozentualen Anteils für die landeskirchlichen Aufgaben geben. Schließlich haben mehrere Kreissynoden eine Senkung der Umlage beantragt. Bisher kommen 10,25 Prozent der Kirchensteuereinnamen in der EKiR Aufgaben der Landeskirche zu – die im vergangenen Jahr umstrukturiert wurden, um künftig Kosten zu sparen.

Umstrukturierungen begonnen

Die Evangelische Akademie verließ ihre Villa in Mülheim an der Ruhr und startet im Januar ihre Angebote am Sitz des Pädagogisch-Theologischen Instituts in Bonn. Auf dem „heiligen Berg“ in Wuppertal findet sich zieht künftig neben der Kirchlichen Hochschule auch das Pastoralkolleg und das Seminar für pastorale Aus- und Fortbildung, zu dem das Kreuznacher Predigerseminar und das Reformierte Seminar zusammengefasst wurden. So entsteht in Wuppertal das rheinische Zentrum für die theologische Aus- und Fortbildung. Auch die Medienarbeit der rheinischen Kirche wurde kostensparend verändert.

Die Frage der möglichen Hauptamtlichkeit der Superintendentinnen und Superintendenten hat schon die Basis beschäftigt. 608 der über 800 rheinischen Kirchengemeinden haben sich dazu geäußert, ob Superintendenten nicht länger ihr Amt neben der normalen Pfarrstellen ausüben sollen. Gut die Hälfte der Kirchengemeinden sagt: Das Nebenamt kann bleiben, das Hauptamt soll zusätzlich ermöglicht werden. In diese Richtung geht auch die Vorlage an das Gesetzgebungsorgan Landessynode: Vorgeschlagen wird, die Grundlagen für das Hauptamt zu schaffen, aber den Kirchenkreisen die Entscheidung zu überlassen, ob sie ihre Vorsitzende oder ihren Vorsitzenden haupt- oder nebenamtlich in die Position stellen.

Namibia, NRW-Kürzungen und Arbeitsrecht

100 Jahre Beginn des antikolonialen Kriegs in Namibia – Grund genug für Partnerkirchenkreise im Rheinland, die Erinnerung an Namibia 1904 auf die Tagesordnung zu bringen. Die Bundesregierung soll sich zu ihrer historischen Schuld bekennen, heißt es fordernd in den Anträgen.

Die NRW-Kürzungspläne im Bereich Jugend und Schule werden ein weiteres Thema der Landessynode sein – ebenfalls durch Anträge aus den Kirchenkreisen. Zu den weiteren so genannten Verhandlungsgegenständen der Synode gehören eine eventuelle Verkleinerung von Presbyterien und Synoden, der Fusion von Kirchenkreisen und beispielsweise auch das kirchliche Arbeitsrecht. Hierzu liegt der Landessynode ein Prüfbericht vor zur Frage, ob die Kirche ihren „dritten Weg“ ohne Gewerkschaften und Tarifverhandlungen, Streik und Aussperrung beibehalten soll.

Arbeitskämpfe widersprechen dem kirchlichen Selbstverständnis, vor allem der kirchlichen Tradition der Dienstgemeinschaft, wird in dem Bericht deutlich. Vorgeschlagen wird eine Veränderung, in der Gewerkschaften wie „ver.di“ mehr Einfluss gegeben wird. Ohne, dass der „dritte Weg“ aufgegeben würde.

 

 

 

06.01.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 6. Januar 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 9. Januar 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 


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