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Abendmahl

Darf die Kirche vom Mahl des Herrn ausschließen?

In der rheinischen Kirche darf niemand vom Abendmahl ausgeschlossen werden, das hat die Landessynode heute bekräftigt. Damit zieht die Kirche die Konsequenz aus der ersatzlosen Streichung der "Kirchenzucht-Artikel“ in der Kirchenordung im Jahr 1996

Auch Nicht-Theologinnen und Theologen dürfen das Abendmahl austeilen Auch Nicht-Theologinnen und Theologen dürfen das Abendmahl austeilen

Für viele Christinnen und Christen ist das Abendmahl die zentrale Feier in ihrem Glaubensleben. Hier wird Gemeinschaft mit Gott und anderen Gläubigen und Sündenvergebung erfahren. Für viele ist die Feier des Abendmahls ein ganz besonders heiliger Augenblick, der geschützt werden muss. So entstanden in der Geschichte Regelungen, wie eine unangemessene Teilnahme am Abendmahl ausgeschlossen werden könne. Im Mittelalter wurde unter anderem deshalb die „Kirchenzucht“ entwickelt. Aus der positiven Absicht, das heilige Abendmahl vor unangemessener Teilnahme zu schützen, entwickelte sich in einigen Gemeinden auch ein Missbrauch. Unliebsame Mitglieder konnten mit der Berufung auf die „Kirchenzucht“ vom Abendmahl ausgeschlossen werden.

 

Abendmahl: Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen Abendmahl: Gemeinschaft mit Gott und anderen Menschen

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat das Instrument der Kirchenzucht schon 1996 aufgehoben. Nun wird mit Berufung auf das Neue Testament und das Vorbild Jesu auch konsequent der Ausschluss vom Abendmahl abgelehnt. Jesus hat mit Sündern und Randgruppen der Gesellschaft zusammen gegessen und gefeiert. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Hier wird ein zu tiefst evangelisches Verständnis greifbar. Zum Abendmahl sind nicht die Reinen, Guten, Erlösten geladen, sondern die Mühsamen und Beladenen, die erst durch Gottes Gnade Erlösung erfahren.

 

Abendmahl: Befreiung und Sündenvergebung mit Leib und Seele schmecken Abendmahl: Befreiung und Sündenvergebung mit Leib und Seele schmecken

Gott nimmt alle Menschen an, wie sie sind, aber er lässt sie nicht wie sie sind. Die Buße, die Umkehr ist nicht Bedingung der Sündenvergebung, sondern die „Frucht“ und fröhlich Folge. Diese theologische Einsicht wird konsequent auf die Feier des Abendmahls übertragen. Alle sind an den Tisch des Herrn eingeladen, egal welcher Konfession und welcher Lebenssituation sie stehen. Nur jeder selbst kann sich von dieser Einladung ausschließen.

Dieses Abendmahlsverständnis erlaubt es auch, dass in Rheinland Kinder das Abendmahl mitfeiern dürfen. Noch kann jede Gemeinde dies in der Praxis unterschiedlich handhaben, aber weitere Beratungen scheinen hier nötig.

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist nun beauftragt ihre Position in ökumenischen Gesprächen mit anderen Kirchen darzulegen. Da gerade in katholischen, orthodoxen, aber auch freien Kirchen teilweise ein anderes Verständnis vom Abendmahl vorherrscht. Abendmahlsgemeinschaft hat die rheinische Kirche mit den Kirchen der Leuenberger Konkordie, der Evangelisch-methodistischen Kirche, den mennonitischen Gemeinden und der United Church of Christ in den USA und Kanada.

 

Bad Neuenahr / 15.01.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 15. Januar 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 16. März 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 


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