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Pressekontakt

Pressestelle
Hans-Böckler-Straße 7
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 4562-373
Fax: 0211 - 4562-490
Mail pressestelle@ekir.de

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Statement von Vizepräses Petra Bosse-Huber anlässlich des Jahrespresseabends am 6. Dezember 2005

Pressemitteilung Nr. 175 a

„Und ich urteile rundheraus und scheue mich nicht zu behaupten, dass es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichgestellt werden könnte. Sie allein bringt nach der Theologie das zuwege, nämlich ein ruhiges und fröhliches Herz. Dafür ist ein klarer Beweis, dass der Teufel, der Urheber trauriger Sorgen und beängstigender Unruhen, beim Klang der Musik fast genauso wie beim Wort der Theologie flieht.“

Nach evangelischem Verständnis leistet die Kirchenmusik einen wesentlichen Beitrag zur Verkündigung des Evangeliums. Die „Förderung der Kirchenmusik“ gehört daher nach unserer Kirchenordnung zu den zentralen Aufgaben der Evangelischen Kirche im Rheinland. Unter anderem deshalb werden wir uns auf der Landessynode in fünf Wochen anhand eines Positionspapiers mit dem gegenwärtigen Stand und den zukünftigen Aufgaben der Kirchenmusik beschäftigen.

Und das ist eine spannende Materie:
In den vergangenen Jahren hat sich im Bereich der Kirchenmusik in der Evangelischen Kirche im Rheinland vieles verändert. Das musikalische Repertoire hat sich erweitert. Waren noch vor 15 oder 20 Jahren Jazzklänge ungewohnte Töne in den Kirchen, so erklingen heute dort als neue Elemente und teilweise sogar als Schwerpunkte Gospel, Pop, Rock und Rap.

Inzwischen liegt ein Schwerpunkt im kirchenmusikalischen  Dienst auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, der ein besonderer Stellenwert im Blick auf musikalische Früherziehung und Nachwuchsförderung zukommt. Das Papier der Synode beschreibt konsequent die „Krise des Singens als Herausforderung für die musikalische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen“.

Neben neueren popularen Musikstilen pflegen Gemeinden und Kirchenkreise aber auch weiterhin die klassische Arbeit und das klassische kirchenmusikalische Repertoire gepflegt. Viele Ehrenamtliche engagieren sich in Posaunenchören, Vokalchören und Instrumentalgruppen. Konzerte der großen Chor- und Orgelwerke gehören weiterhin zu den gefragten Angeboten der kirchenmusikalischen Arbeit. Das Positionspapier beschäftigt sich darum ausführlich mit 

  • dem „gottesdienstlichen Singen der Gemeinde“
  • dem „Singen und Spielen in Chören und Instrumentalgruppen der Gemeinde“
  • der „Musik in der weiteren Gemeindearbeit“ und 
  • der „Kirchenmusik in übergemeindlichen und anderen Beziehungen“.

In unseren Beratungen wird es nicht bei papiergewordener Theorie bleiben: Eine Übersicht über das gesamte musikalische Spektrum werden die kirchenmusikalischen Verbände in der Evangelischen Kirche im Rheinland während der Landessynode bei einem Nachtkonzert am späten Mittwochabend, das ist der
11. Januar 2006,  in der Bad Neuenahrer Kirche geben. Das sollten Sie nicht verpassen!


Welche musikalischen Akzente eine Kirchengemeinde aufgrund ihrer Struktur und ihrem Leitbild auch immer setzen mag: Kirchenmusik ist in jeder Form ein Zugang für sogenannte „Kirchenferne“ und hat insofern auch einen werbenden und bindenden Charakter.

Altersgruppen, die sonst nicht erreicht werden, engagieren sich über Musik in der Kirche und werden mit verschiedenen Aspekten kirchlichen Lebens, insbesondere seinem gottesdienstlichen Zentrum vertraut. Kirchenmusik führt Menschen in Gemeindegruppen und zur Gemeinde und macht sie über die Musik mit zentralen Inhalten der christlichen Botschaft vertraut. Darüber hinaus stehen wir vor der Herausforderung, zunehmend die Aufgabe, "Kirchenmusik als seelsorglichen Dienst wahrzunehmen".

Kirchenmusik dient dem Gemeindeaufbau. Das dürfen wir nicht übersehen. Deshalb müssen wir Wege finden, Kirchenmusik in  Gesamtkonzeptionen gemeindlicher Arbeit zu integrieren.


Neben ihrer innerkirchlichen Bedeutung leistet Kirchenmusik auch einen wichtigen ge-sell-schaftlichen Beitrag zur Kulturlandschaft in den Städten und Dörfern. Die Fragestellung der „Kirchenmusik in der Begegnung von Kirche und Kultur" ist deshalb ebenfalls im Blick. Hier knüpfen die Überlegungen an die 2002 erschienene Denkschrift „Räume der Begegnung“ der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen zum Verhältnis von Religion und Kultur an. Insgesamt gesehen zeigt sich in der Kirchenmusik ein bemerkenswertes Engagement der Gemeinde und ihrer Mitglieder, nicht nur finanziell, sondern vor allem auch im hunderttausendfachen persönlichen Engagement. Diese Arbeit soll von der Synode ausführlich gewürdigt werden.

Trotz so vieler positiver und ermutigender Entwicklungen gibt die aktuelle Stellensituation in der Kirchenmusik auch Anlass zur Sorge:

In der Evangelischen Kirche im Rheinland nehmen zur Zeit 241 Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker ihren beruflichen Dienst wahr; die Stellen sind eingeteilt in 66 A-Stellen (davon 44 Vollzeitstellen) und 175 B-Stellen (davon 102 Vollzeitstellen). In den vergangenen fünf Jahren wurden 30 Prozent der hauptberuflichen Stellen abgebaut: Im landeskirchlichen Stellenplan für das Jahr 2000 waren noch 340 berufliche Stellen (90 A-Stellen und 250 B-Stellen) vorgesehen.

Bedingt u. a. durch das Fehlen einer zentralen Förderung der A- und B-Stellen auf regionaler oder landeskirchlicher Ebene und das im EKD-Vergleich unterdurchschnittliche Vergütungsniveau ist momentan eine starke Abwanderung von Fachkompetenz durch den Weggang von qualifizierten Mitarbeitenden in andere Landeskirchen oder außerkirchliche Berufe festzustellen.

Weit mehr als 1.000 Musikerinnen und Musiker mit Befähigungsnachweis oder C-Prüfung arbeiten nebenberuflich in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie alle prägen mit ihren spezifischen Gaben in Kirche und Öffentlichkeit das Bild einer eigenständigen, lebendigen, kompetenten und kreativen musikalischen Arbeit.

Ein besonderes Problem stellt zunehmend die Nachwuchssuche dar. Auch der Musikunterricht an den Musikschulen bricht ja ab, und vielerorts sind nicht einmal mehr Jugendliche zu finden, die an der Orgel bzw. am Klavier einen Gottesdienst begleiten können. Seit die Kirchenmusikschule in Düsseldorf 1995 geschlossen und die C-Ausbildung 1996 regionalisiert wurden, sind Befähigungsnachweise und C-Prüfungen gegenüber 1990 um mehr als um 50 Prozent zurückgegangen.

In Aufnahme verschiedener Anträge von Kreissynoden (Lennep, An Sieg und Rhein, Gladbach-Neuss) soll deswegen die „Kirchenleitung ... beauftragt (werden,) zu prüfen, wie die kirchenmusikalische Nachwuchsförderung qualitativ und quantitativ verbessert und die C-Ausbildung neu strukturiert werden kann.“

Dass wir als Landeskirche fähig sind, trotz schwieriger Ausgangslage zukunftsweisende Problemlösungen zu entwickeln, haben wir schon oft bewiesen. Deswegen gibt das Positionspapier Hinweise zur Weiterarbeit und zu möglichen Lösungen, wie die Qualität der Arbeit bei einer sicher unvermeidbaren quantitativen Reduzierung möglichst doch gesichert werden kann.

Neben den bereits genannten Konsequenzen für die Aus- und Fortbildung sowie die Forderung nach einer verbesserten Nachwuchsförderung werden Überlegungen angestellt, wie die kreiskirchliche Ebene gestärkt werden kann stärken. Hier wird versucht, mit beispielhaften Modellen von Kooperationen und Kombi-Stellen etc. in den Gemeinden innovative Konzepte anzuregen.
Diese jetzt im Detail zu erläutern, würde zu weit führen. Aber vielleicht ergibt sich ja später bei Tisch die Gelegenheit zur Vertiefung. Also schließe ich mit einem Zitat aus Luthers Tischreden:

„Wer die Musik verachtet ..., mit denen bin ich nicht zufrieden. Denn die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, nicht ein Menschengeschenk. So vertreibt sie auch den Teufel und macht die Leute fröhlich: man vergisst dabei allen Zorns, Unkeuschheit, Hoffart und anderer Laster. Ich gebe nach der Theologie der Musik die nächste Stelle und die höchste Ehre.“

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 6. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 7. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Düsseldorf, EKiR-Pressestelle /



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