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Pressestelle
Hans-Böckler-Straße 7
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Tel.: 0211 - 4562-373
Fax: 0211 - 4562-490
Mail pressestelle@ekir.de

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Statement von Präses Nikolaus Schneider anlässlich des Jahrespresseabends am 6. Dezember 2005

Pressemitteilung Nr. 171 a

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

"So wahr mir Gott helfe!" – Bis auf eine Ministerin haben alle Mitglieder der neuen Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel ihren Amtseid mit dieser Formel abgelegt. Das sind ja inzwischen durchaus bemerkenswerte Töne. Sie alleine machen freilich noch keine bessere Politik, aber sie lassen doch aufhorchen:

Hier ist Männern und Frauen große politische Verantwortung für die Menschen in unserem Land übertragen worden, und sie wissen – das zeigt der Verweis auf Gott jedenfalls –, dass all ihr Tun und Lassen vergeblich bleiben wird, wenn nicht Gottes Segen und die schöpferische Kraft seines Heiligen Geistes mit von der Partie sind. Menschen, politisch Verantwortliche allzumal, die sich daran erinnern (lassen), dass sie bei allem, was sie selbst können, Gottes Hilfe und Begleitung brauchen, sind recht gut vor falschem Machtdenken und übersteigertem Leistungsdruck gewappnet.

Und diese Rückbindung macht ja auch persönlich und politisch frei von parteipolitischen Einzelinteressen oder Lobby-Zwängen. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass sich diese Freiheit in den konkreten politischen Entscheidungen der großen Koalition niederschlägt. Was wir jetzt brauchen sind Reformen, die die Menschen in unserem Land tragen und ertragen können. Dabei ist klar, dass soziale Gerechtigkeit nur gelingt, wenn alle ihren Beitrag dazu leisten. Für mich heißt das: jeder und jede darf nur so viele Lasten aufgebürdet bekommen, wie er oder sie auch tragen kann, ohne ins soziale Abseits, ohne in die wirtschaftliche und menschliche Perspektivlosigkeit gedrängt zu werden.

Die Eigentumsverpflichtung, von der das Grundgesetz spricht, gilt für alle Menschen in unserem Land – und zwar nach ihren Kräften und wirtschaftlichen Möglichkeiten. Was also sollte falsch daran sein, dass Kapitalvermögen wieder stärker besteuert wird? Und was bitte ist daran falsch, den Skandal auch beim Namen zu nennen, wenn auf dem Hochaltar des Shareholder-Value Tausende Arbeitsplätze geopfert werden, um die Götzen "Aktienkurs" und "Dividende" gnädig zu stimmen?

Aber lassen Sie uns den Blick auch auf die Kirche richten.

Was ist das in diesen schwierigen Zeiten für eine Kirche?

Wenn man alleine auf die Schlagzeilen sieht, dann könnte man eine im Schock erstarrte Kirche, eine Kirche der Depression erwarten: Kirchensteuer-Rückgang in Millionenhöhe, Kirchen- und Kindergartenschließungen, Kürzungen beim Weihnachtsgeld, Entlassungen … – Ist das unsere Kirche?

Alles, was ich gerade aufgezählt habe, ist Realität in der Kirche, auch in der rheinischen.

Aber auch das ist Realität zwischen Emmerich und Saabrücken:

  • Viel mehr Menschen treten (wieder) ein.

  • Die Zahl der Austritte ist enorm gesunken.

  • Sonn- wie feiertags zieht es wieder mehr Menschen in die Gottesdienste.

  • Bei den Kindergottesdiensten sieht es sogar noch besser aus.

  • Die Konfirmation ist nach wie vor fest im Leben evangelischer Familien verwurzelt.

  • Das ehrenamtliche Engagement in Presbyterien, Gemeindekreisen, Posaunen- und Kirchenchören ist ungebrochen; Tendenz steigend.

  • Dort wo Gemeindehäuser aus Kostengründen aufgegeben werden müssen, bauen Gemeinden ihre Kirchengebäude mit viel Phantasie so um, dass sie eben nicht nur sonntags ein lebendiges Haus sind.

Wenn Sie, meine Damen und Herren, in Ihre Pressemappen schauen, finden Sie entsprechende Detailinformationen auch zu diesen Themenbereichen. Zum ein oder anderen Thema werden Sie heute Abend auch noch etwas hören.

Sie sehen: Unsere Kirche ist lebendig.

Und: Sie muss ihre Lebendigkeit erhalten und weiter entfalten, wenn sie ihrem Auftrag, die Liebe Gottes an "alles Volk" in Wort und Tat auszurichten, gerecht werden will. Auf der Synode im vergangenen Januar haben wir uns für die kommenden Jahre als Schwerpunkt in unserer Arbeit vorgenommen, als missionarische Volkskirche "Vom offenen Himmel" zu erzählen – so wahr uns Gott helfe!

Wir Pastorinnen und Pastoren, die auf die Kanzel steigen, müssen auch von dem sprechen, was wir ganz persönlich glauben. Da dürfen wir nicht kneifen! Ohne das eigene Glaubensbekenntnis bleibt unsere Predigt ein tönendes Erz, wie Paulus es sagen würde. Es reicht einfach nicht, allein gelehrte Theologie für den Verstand zu treiben. Unsere Theologie muss zu Herzen gehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Aber das ist nicht nur der Auftrag akademisch wie praktisch gut ausgebildeter Theologinnen und Theologen. Martin Luther hat für uns einen großen Schatz ans Tageslicht geholt: das Priestertum aller Glaubenden. Die Bildzeitungs-Schlagzeile ist zwar plakativ, aber zutiefst evangelisch: "Wir sind Papst!"

Wir Christinnen und Christen, ob ordiniert oder nicht, sind aufgerufen und auch befähigt, die gute Nachricht von Gottes unbedingter Liebe zu den Menschen hinaus in die Welt zu tragen. Vom eigenen Glauben zu sprechen, das erfordert Mut. In unseren Zeiten breiten viele Menschen eher ihr Intimleben vor der nachmittäglich vor dem Fernseher versammelten Talkshow-Gemeinde aus, als im Restaurant bei Tisch die Hände zu falten und das Dankgebet zu sprechen.

Es hindert freilich nicht, aber man muss kein kraftvoller Fernsehprediger und auch kein rhetorisch geschliffener, frommer Buchautor sein, um vom offenen Himmel erzählen zu können. Manchmal ist es der Bibelvers, den man der überarbeiteten Kollegin sagt, der neue Kraft gibt. Oder es ist das kurze Psalmwort, das der verzweifelten Nachbarin, die den Tod ihres Mannes beklagt, wärmenden Trost bringt.

Wenn wir Mut fassen, unser Hasenherz in die Hand nehmen und auch im Kleinen, im Älltäglichen von unserem eigenen Glauben erzählen, dann ist auch das ein starkes und lebendiges Stück Kirche in der Nachfolge Jesu Christi – ganz unabhängig von der Zahl unserer Kirchengebäude und der Höhe der Kirchensteuern.

Vor uns liegen im kommenden Jahr gleich zwei Synoden; im Januar eine ordentliche und im Juni eine außerordentliche. Dabei werden wir die Weichen für eine veränderte äußere Gestalt unserer rheinischen Landeskirche stellen, die ihrem Auftrag und ihrer Botschaft treu bleibt. Das ist naturgemäß ein schwieriger und sicher auch schmerzhafter Prozess, über den Sie gleich noch etwas hören werden. Dass mich die Aufgabe trotzdem nicht aus der Ruhe bringt, liegt einerseits an der konstruktiven, unaufgeregten und sachorientierten Arbeit all derer, die sich in Synode, Kirchenleitung, Strukturausschuss, Ausschüssen und Landeskirchenamt mit dem Thema beschäftigen. Und es liegt sicherlich auch an der Zusage, die uns mit der Jahreslosung für das Jahr 2006 gegeben ist: "Gott spricht: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." (Josua 1, 5b)

Die Frage nach dem, was uns für die Zukunft unserer Kirche wichtig ist, und die Frage, was für uns als Einzelne ganz persönlich lebensnotwendig ist und bleibt, treffen sich meiner Meinung nach beglückend klar in der Losung für das kommende Jahr. Gottes Nähe und Treue ist unserer Kirche zugesagt. Sie ist mir zugesagt. Und sie ist Ihnen zugesagt.

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 6. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 6. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle /



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