Landessynode 2017
Twitter

Facebook-Gruppe zur Landessynode

Für Facebook-Mitglieder die Gruppe zur Landessynode   

> weitere Informationen

Ephorus Dr. Darwin Lumbantobing (l.) und Rev. Dr. Martongo Sitinjak von der HKPB-Kirche aus Indonesien Ephorus Dr. Darwin Lumbantobing (l.) und Rev. Dr. Martongo Sitinjak von der HKPB-Kirche aus Indonesien

Landessynode 2017

Kirchenleiter aus Indonesien: Der Dialog mit dem Islam fordert uns heraus

Als Kirche in einer mehrheitlich islamisch geprägten Gesellschaft steht die indonesische HKBP-Kirche vor besonderen Herausforderungen und setzt auf interreligiösen Dialog und Bildungsarbeit.

Auf Einladung der Synode besuchen Ephorus Darwin Lumbantobing, Leitender Geistlicher der indonesischen Partnerkirche Kirche  „Huria Kristen Batak Protestan“ (HKBP), und Pfr. Dr. Martongo Sitinjak, Leiter der Abteilung Koinonia der HKBP, die Tagung der Landessynode.

Im ekir.de-Interview sprechen sie über den christlich-islamischen Dialog in Indonesien, die Bildungsanstrengungen ihrer Kirche und das Reformationsjubiläum.

 

Wie ist die Lage der christlichen Kirchen in Indonesien? Gibt es einen Dialog zwischen Christen und Muslimen?

Ephorus Darwin Lumbantobing: In Indonesien leben wir als Christen in einer Minderheit, die meisten Menschen in Indonesien sind Muslime. Wir stehen daher vor der Herausforderung, als Christen in einer mehrheitlich islamischen Gesellschaft zu leben.

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Darf ich hinzufügen: In Indonesien gibt es zwei Ausprägen des Islam. Es gibt einen moderaten, toleranten Islam einerseits und andererseits einen intoleranten, radikalen Islam. Mit den toleranten Muslimen haben wir ein gutes Verhältnis, wir stehen im Dialog mit ihnen und arbeiten gut mit ihnen zusammen. Unsere gemeinsame Aufgabe ist der Umgang mit dem radikalen Islam. Denn in Indonesien greift ein radikaler Islam um sich, der sich gegen andere Religionen und auch gegen die Regierung wendet. Innerhalb der islamischen Gemeinschaft sieht man selbst das Problem, wie man mit radikalen Muslimen umgeht

 

Gibt es Bereiche, in denen Sie mit Muslimen zusammenarbeiten, etwa im Bildungswesen? Auf welchen Ebenen führen Sie den Dialog?

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Auf der Ebene religiöser Leiter gibt es einen guten Dialog in Indonesien, unser gemeinsames Ziel ist es, wie wir unser Land in Frieden aufbauen. Dabei konzentrieren wir uns auf junge Menschen. Wir veranstalten gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel Camps, oder machen gemeinsam Sozialarbeit. Mit moderaten Muslimen haben wir kein Problem.

 

Sie führen den Dialog auf Leitungsebene. Was sagt man an der Basis, wenn Sie zum Dialog aufrufen und sich für gemeinsame Projekte einsetzen. Gibt es dazu Widerspruch?

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Im Dialog mit dem Islam nehmen wir die gesellschaftliche Themen in den Blick, anstatt die Glaubensunterschiede zwischen uns zu thematisieren. Wir lassen uns auf den Dialog ein. Wir stärken aber gleichzeitig auch die religiöse Identität unserer jugendlichen Gemeindeglieder, wenn sie islamischen Jugendlichen begegnen.

 

Stärkt die Dialogfähigkeit auch die eigene Identität?

Ephorus Darwin Lumbantobing: Der Dialog fordert uns heraus. Man muss die eigene Position kennen, um sie zu vertreten. Dies gilt für uns ebenso wie für unsere islamischen Partner.

 

Wird die Gesellschaft in Indonesien religiöser?

Ephorus Darwin Lumbantobing: Die Gesellschaft wird im Bereich der Religion extremer. Sowohl unter Muslimen und als auch unter Christen gibt es Fundamentalismus. Um dieses Problem zu lösen, müssen wir den Gemeindegliedern helfen, die jeweils eigene Religion besser zu verstehen, damit sie nicht in den Fundamentalismus abdriften.

 

Sie haben Fundamentalismus erwähnt und sie sehen eine gemeinsame Herausforderung, wie man dagegen angeht. Ist Bildung ein Ansatzpunkt?

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Der Säkularismus wächst überall auf der Welt, gleichzeitig kommt ein Fundamentalismus an die Oberfläche. Bildung ist eine Möglichkeit, dem Erstarken des Fundamentalismus zu begegnen. Zur Bildung gehört auch, dass wir die Theologie stärken und in unseren Gemeinden Gottes Wort lehren. Unsere Kirche betont deshalb im Jahr des Reformationsjubiläums Bildung und „Empowerment“.

Ephorus Darwin Lumbantobing: In unserem Land gibt es die traditionellen Kirchen und charismatische Gemeinden. Die traditionellen Kirchen machen eine gute Bildungsarbeit, während den charismatischen Gemeinden die Beschäftigung mit Bildung fehlt, sie setzen mehr auf Gefühle.

 

Indonesien ist ein Land mit großer Facebook-Nutzung. Sind Hass-Posts und Fake-News auch in Indonesien ein Problem?

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Social Media ist sehr wichtiges Medium, aber leider nutzen auch Fundamentalisten Social Media und stellen Fake-News ins Netz, um Menschen zu beeinflussen. Das ist ein großes Problem. Aus diesem Grund hat unsere Regierung einige Server, die Hass verbreiten, vom Netz genommen. Wir versuchen, mit Aufklärung gegen Fake-News anzugehen. Deshalb ist Bildung gerade im Jahr des 500. Reformationsjubiläums so wichtig.

 

Welchen Wunsch haben Sie für das Reformationsjubiläum?

Ephorus Darwin Lumbantobing: Wir wollen herausstellen, was Reformation für unsere Gesellschaft bedeutet. Wir wissen, dass Martin Luther – besonders in Deutschland – das Bildungswesen beeinflusst hat. Darauf wollen wir blicken und überlegen, was das für unseren Kontext bedeutet.

Rev. Dr. Martongo Sitinjak: Wir wollen im Reformationsjahr an die Quellen zurück, also an den Ursprung unseres Glaubens und den Beginn der Glaubensvermittlung. Daher werden wir uns auf die Kinder in unseren Gemeinden konzentrieren und ihnen das Evangelium, so wie es Martin Luther verstanden hat, näher bringen. Wir planen daher, 15.000 Sonntagsschullehrer fortzubilden. Unsere Vorgehensweise ist „train the teacher“, um über den Weg der Lehrerfortbildung Tausende Kinder zu erreichen. Wenn uns die rheinische Kirche dabei helfen könnte, würden wir uns freuen.

Hinweis: Das Interview wurde von Nichtmuttersprachlern auf Englisch geführt. Bei der Übersetzung ins Deutsche war es daher nicht möglich, zu entscheiden, wann Begriffe Männer und Frauen oder nur Männer meinen. Bei der Wiedergabe im Deutschen wird daher auf inklusive  Sprache verzichtet.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

Bad Neuenahr / ekir.de / rpr / 09.01.2017



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.