Dickenschied

Erinnerung an den „Prediger von Buchenwald“

„Der Tod von Paul Schneider stellt auch heute noch Fragen an uns.“ Das betonte Pfarrer Dietrich Benninghaus bei einem Gedenkgottesdienst in Dickenschied.

Er widersetzte sich dem NS-Regime. Er bekannte offen seinen Glauben. Er wurde verhaftet und schließlich im KZ Buchenwald ermordet: der Hunsrücker Pfarrer Paul Schneider, der „Prediger von Buchenwald“. In Dickenschied wurde am 18. Juli, seinem Todestag, mit einem Gottesdienst an seinem Grab an ihn erinnert.

„Paul Schneider stellt mit seinem Wirken und seinem Tod auch heute noch Fragen an uns, wenn es um Kirche und Staat geht“, sagte der Dickenschieder Pfarrer Dietrich Benninghaus. „Im Dritten Reich hat die Kirche mit der Gestapo verhandelt, damit Verfahren gegen Pfarrer beschleunigt werden, um sie aus dem Pfarrdienst entlassen zu können. Ist das verantwortungsvolles Verhalten der Kirche?“, fragte Benninghaus, der auch stellvertretender Vorsitzender der Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft ist. Pfarrer der Bekennenden Kirche wie Paul Schneider hätten sich damals geweigert, ihre Gemeinden zu verlassen, obwohl der Staat sie aus den jeweiligen Provinzen ausgewiesen hätte. „Das lässt uns auch noch heute danach fragen, wo der Gehorsam von Christen gegenüber dem Staat endet“, meinte der Dickenschieder Pfarrer.

Das gelte auch für die Frage, wie das Zeugnis der Christen heute aussehe, betonte Benninghaus. „Hält unser Glaube stand, wenn er bedroht ist?“, fragte der Theologe. Oder anders ausgedrückt: „Wie halten wir es mit unserer christlichen Überzeugung?“. Dies alles seien Fragen, die angesichts der Ermordung von Paul Schneider gestellt werden müssten, meinte Benninghaus bei der Gedenkfeier am Grab von Paul und Margarete Schneider in Dickenschied. Fragen, die er sich immer wieder stelle, je länger er sich mit Paul Schneider beschäftige.

Gedenkfeiern zum 75. Todestag zum Thema Kirche und Staat

Das Verhältnis von Kirche und Staat stehe darum auch im Mittelpunkt der Gedenkfeiern zum 75. Todestag von Paul Schneider in zwei Jahren, kündigte Pfarrer Dietrich Benninghaus an. In Dickenschied ist am 21. Juli, dem Tag des Begräbnisses von Paul Schneider, die zentrale Gedenkfeier geplant, zu der auch der rheinische Präses und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident eingeladen seien.

Rund 50 Menschen waren zu der Gedenkfeier auf dem Friedhof in Dickenschied gekommen, darunter auch drei Kinder des „Predigers von Buchenwald“ sowie Pfarrer Horst Hörpel, der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach. Seit 1965 gibt es in jedem Jahr diese Gedenkfeier. Zu den damaligen Initiatoren gehörte der Musikverein Dickenschied, der auch in diesem Jahr die Feier musikalisch umrahmte.

Nicht nur in Dickenschied, auch in Weimar wurde an die Ermordung von Paul Schneider erinnert. Hier feierten die Kirchengemeinden der thüringischen Stadt an der KZ-Gedenkstätte einen ökumenischen Gottesdienst.

Der 1897 geborene Paul Schneider war einer der ersten der Bekennenden Kirche, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Wegen seiner konsequenten Ablehnung der Nazi-Diktatur war er mehrfach festgenommen worden, 1937 kam er in das KZ Buchenwald bei Weimar. Auch hier hatte er den Mitgefangenen das Evangelium verkündet. Am 18. Juli 1939 wurde er mit einer Überdosis Strophanthin ermordet.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 19. Juli 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 19. Juli 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Dieter Junker / 19.07.2012



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