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Oberkirchenrat Neusel wirbt für deutsches Engagement in Namibia

Herero zum Völkermord vor 100 Jahren: Versöhnung braucht auch den Ausgleich

"Mit ihrer Bitte um Vergebung hat Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eine neue Qualität in den Äußerungen der Bundesregierung zum Völkermord der damaligen deutschen Kolonialtruppen an den Herero gebracht, die wir schon lange gefordert haben und die wir ausdrücklich begrüßen. Damit die Versöhnung mit den Völkern im heutigen Namibia wirklich dauerhaft gelingt, kommt es nun aber darauf an, wie sie konkret gestaltet wird", meint Oberkirchenrat Wilfried Neusel, Leiter der Ökumeneabteilung der Evangelischen Kirche im Rheinland: "Im Kulturkreis der Herero gehört ein ,Ausgleich‘ unbedingt zur Versöhnung dazu." Deshalb, so Neusel am Mittwoch abend vor Journalistinnen und Journalisten in Düsseldorf, müssten jetzt Wege des Ausgleichs gefunden werden.

Nach Ansicht Neusels könnte die vor kurzem in Bremen unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Henning Scherf abgehaltene Internationale Expertenkonferenz zum Krieg zwischen Deutschen und Herero 1904-1908 den ersten Schritt zu einem strukturierten Dialog zwischen den Regierungen Deutschland und Namibias bedeuten, der über den jährlichen Entwicklungshilfebeitrag hinaus eine für die Herero, Damara und Nama akzeptable Kompensation für den Völkermord ermöglicht.

Peter-Beier-Preis an Ministerin und Bischof

Für ihre Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Namibia zeichnet die Evangelische Kirche im Rheinland die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul und den Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELCRN), Dr. Zephania Kameeta, mit dem Peter-Beier-Preis aus. Nachdem die deutsche Ministerin im Namen der Bundesregierung um die Vergebung für die blutige Niederschlagung des Herero-Aufstands durch deutsche Kolonialtruppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika vor 100 Jahren gebeten hat, nahm Kameeta diese Bitte an. Damit, so Oberkirchenrat Neusel, hätten beide einen entscheidenden Beitrag zur Aussöhnung und zur Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels deutscher Kolonialgeschichte, in das auch die rheinische Kirche durch ihre Missionare verstrickt ist, geleistet.

Der Peter-Beier-Preis wird in aller Regel alle zwei Jahre an einen oder mehrere Preisträgerinnen oder Preisträger verliehen. Er wird für Beiträge vergeben, die dem Zusammenleben des Protestantismus in Europa dienen, in einer konfliktreichen Situation unter persönlichem Einsatz zur Entspannung beitragen oder weiterführende Reformvorschläge für die Kirche machen. Die Preise, die mit je 5.000 Euro dotiert sind, werden im kommenden Jahr an Ministerin Wieczorek-Zeul und Bischof Kameeta, der zugleich Moderator der Vereinten Evangelischen Mission ist, im Rahmen einer Feierstunde überreicht.

Zum geschichtlichen Hintergrund

Noch im Januar hatte die rheinische Landessynode anlässlich des 100. Jahrestages des Beginns des Aufstands der Herero, Damara und Nama in der früheren Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika gedacht, noch einmal ihre Mitschuld an deutschen Kolonialverbrechen bekannt und zugleich die Bundesregierung aufgefordert, sich im Namen Deutschlands für den Völkermord zu entschuldigen. Deutsche Truppen hatten den am 12. Januar 1904 begonnen Aufstand der Stämme gegen die Kolonialmacht blutig niedergeschlagen. In der Zeit bis 1908 töteten sie dabei rund 90.000 Menschen. In den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts waren auch rheinische Missionare verwickelt. Die Rheinische Missions-Gesellschaft (heute Vereinte Evangelische Mission (VEM)) hatte den Kolonialbehörden unter anderem geholfen, versprengte Herero zu sammeln. Diese waren dann in Konzentrationslagern interniert worden.

Die Bundesregierung hatte angesichts von Reparationsforderungen von Herero-Nachfahren bis dato stets nur ihr "Bedauern" geäußert. In einer Veranstaltung zum Gedenken an die Schlacht am Waterberg hatte Ministerin Wieczorek-Zeul im August in Namibia diese bisherige Linie verlassen und erklärte als offizielle Vertreterin Deutschlands: "Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen ,Vater unser‘ um Vergebung unserer Schuld." Bischof Dr. Zephania Kameeta, führendes Mitglied der SWAPO im Widerstand gegen die Apartheidspolitik Südafrikas und nach der Unabhängigkeit zehn Jahre lang stellvertretender Parlamentspräsident Namibias, hat mit einem Versöhnungkomitee, dem auch der Bischof der deutschsprachigen lutherischen Kirche in Namibia angehört, als Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche, die aus der Missionsarbeit der Rheinischen Missions-Gesellschaft entstanden ist, im Erinnerungsjahr 2004 maßgeblich zur "Heilung von Erinnerungen" beigetragen, um eine gemeinsame Zukunft der Völker Namibias und des deutschen Volkes zu ermöglichen.

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 2. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 2. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 01.12.2004



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