Pfarrerinnen

Editha Royek: Starkes Vorbild ist Dorothee Sölle

In diesem Sommer hat Editha Royek ihr Zehnjahres-Gespräch geführt. Die 46-Jährige ist Pfarrerin in Lohmar-Birk, einer dörflich geprägten Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis. Aus einer völlig unkirchlichen Familie stammend hat sie „aus Protest Theologie studiert“

Gemeindepfarrerin in Lohmar-Birk: Editha Royek. Gemeindepfarrerin in Lohmar-Birk: Editha Royek.

In ihrer Familie gab es das Sprichwort: „Wir gehen das ganze Jahr nicht in die Kirche, also gehen wir auch an Weihnachten nicht.“ Guter Religionsunterricht und Mitarbeit im Kindergottesdienst weckten ihr Interesse. Editha Royek begann ihr Studium der Vergleichenden Religionswissenschaften und Philosophie und entdeckte mit viel Vergnügen das Alte Testament.

Erst im Verlauf des Studiums entwickelte sich in ihr das Berufsbild der Pfarrerin: „Man hat mit Menschen aller Generationen zu tun. In der Kreuzestheologie wird ein Gott glaubwürdig, der mit in die Tiefen geht und das aushält. Für Menschen in der Krise ist dieser Gott glaubwürdig.“

Dorothee Sölle ist für Royek ein starkes weibliches Vorbild. „Ich habe nicht bei ihr studiert, aber mich hat ihre Richtung interessiert: die Befreiungstheologie, Feministische Theologie, Antiapartheid- und Friedensbewegung.“ Für das Vikariat kam nur eine Mentorin in Frage, so führte der Weg nach Oberhausen und dann für ein Jahr nach Namibia.

Keine Hirschgeweihmentalität

Die 46-Jährige empfindet die Hirschgeweihmentalität zwischen Frauen nicht so stark. „Wir klären das anders“, ist ihre Erfahrung. Die Feministische Theologie hat ihr viele biblische Frauengeschichten nahe gebracht, die sie gerne als Predigttext nutzt. Durch diesen neuen Blickwinkel bekam Jesus für sie sehr weibliche Züge, wie er gleiche Augenhöhe sucht und zu den Menschen geht.

Die Akzeptanz von Pfarrerinnen in den Gemeinden habe sich deutlich geändert. Sie erinnert sich an eine aussagekräftige Situation zu Beginn ihres Vikariates: „Bei einem Frauenhilfevortrag sagten Teilnehmerinnen zu mir: Wir wissen ja, dass die Pfarrerinnen viel fleißiger sind, sie machen gute Arbeit. Aber wenn wir unseren Schorzmann nicht hätten.“ Ihr blieb die Luft weg.

Bei der Frau fehlt oft der Titel

Bei ihrer Wahl spürte sie schon Skepsis. Doch es gab auch genügend Gemeindeglieder, die deutlich sagten: wir möchten eine Frau. Nicht das Geschlecht spielt heute die große Rolle bei der Stellenbesetzung, sondern wie die Arbeit gemacht wird, ist Editha Royek überzeugt. Sie erlebt aber doch immer wieder berufliche Situationen, in denen die anderen Geistlichen mit dem Titel vorgestellt werden, sie aber nur mit ihrem Namen.

Editha Royek wählt als Predigttexte gerne Frauengeschichten aus. Zum Beispiel unter dem Blickwinkel: Wie gehen Frauen oder Schwestern mit Streit um? „Aber ich bete nicht zur Heiligen Geistin“, sagt Editha Royek. „Der Heilige Geist ist der Heilige Geist!“

 

 

 

reh /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 28. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 28. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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