Ein Jahr Tsunami in Südostasien

Gedenken gegen die Leere des Verlustes

Man muss wohl sagen: Niemand weiß, wie viele Menschen dem Tsunami vor bald einem Jahr zum Opfer gefallen sind. Die Rede ist von rund 200.000 Toten. Andere Quellen besagen sogar 300.000. Hinzu kommen die Verletzten - an Leib und Seele.

Zerstörungen durch den Tsunami vor einem Jahr in Banda Aceh. Zerstörungen durch den Tsunami vor einem Jahr in Banda Aceh.

 Im Gedenken liege auch Gottes Kraft für einen Neuanfang, sagte Präses Nikolaus Schneider heute beim Gedenkgottesdienst für die Opfer des Tsunamis. Im Terminal B des Düsseldorfer Flughafens predigte Schneider: "Im Gedenken sind unsere Toten nicht tot. Sie bleiben uns verbunden." Zwar bleibe die Lücke, die die Opfer hinterlassen. Doch das Gedenken sei Erinnerung anstelle der "bloßen Leere des Verlustes und des Schmerzes".

 

Im Gedenken sind die Toten nicht tot: Präses Nikolaus Schneider beim Gottesdienst im Düsseldorfer Flughafen. Im Gedenken sind die Toten nicht tot: Präses Nikolaus Schneider beim Gottesdienst im Düsseldorfer Flughafen.

In dem Gedenkgottesdienst erbaten die Teilnehmenden auch Gottes Segen für eine besondere Reise. Achtzig Angehörige von getöteten Deutschen starteten nach dem Gottesdienst nach Thailand. Sie werden dort am Jahrestag des Tsunamis, dem zweiten Weihnachtstag, an der zentralen Gedenkfeier teilnehmen. Begleitet wird die Gruppe von einem Team, zu dem Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) gehören.

"hoffen bis zuletzt"

Die Betroffenen kennen sich aus dem Projekt "hoffen bis zuletzt", das die EKiR zusammen mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen des Deutschen Roten Kreuzes auf die Beine gestellt hat. Es gilt den 600 Tsunami-Hinterbliebenen bundesweit. Die Angehörigen seien "noch längst nicht über den Verlust hinweg", berichtet Projektleiter Pfarrer Dr. Uwe Rieske. "Viele sind auch ein Jahr danach noch immer tief in ihrem intensiven Trauerprozess."

Die Fahrt nach Thailand sei nun ein Angebot. Für die, die mitreisen, sei es wichtig, an der Ort der Katastrophe zu kommen. Und indem das Team mitreise, lasse es die Betroffenen eben auch nicht allein. Vizepräses Petra Bosse-Huber, als Leiterin der Abteilung 2 des Landeskirchenamts für die Notfallseelsorge zuständig, erinnerte in der Pressekonferenz an die überlebenden Urlauber, die kurz nach dem Seebeben am Düsseldorfer Flughafen ankamen, oftmals barfuß, in Trainingsanzügen und völlig traumatisiert. "Die Aufgabe war uns vor die Füße gelegt: Menschen in Extremsituationen helfen", so Bosse-Huber. "Segensreich" sei die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche gewesen, sagte Dr. Karl Demmer vom DRK.

Seelische Bewältigung

Überlebende und Menschen, die durch den Tsunami Familienangehörige verloren haben, haben bei den regionalen Treffen von "hoffen bis zuletzt" erste Hilfe gefunden. Und eben über den Tag hinaus. Bei den Treffen - das Projekt endet Ende Januar - ging es um Identifizierungs- und Versicherungsfragen - und eben auch um die seelische Bewältigung des Erlittenen.

Raum für die Trauer finden, so nennt es Pfarrer Rieske. Raum für die Trauer finden - darum geht es auch denjenigen, die sich dazu entschlossen, zum Jahrestag an den Ort des Unglücks zu fliegen. Trauern könne man nicht virtuell, erläuterte die Theologin Bosse-Huber. In unserer Kultur sei der Friedhof ein solcher Raum für die Trauer. Für die Angehörigen sei der Ort, wo ihre Toten zuletzt waren, von entscheidender Bedeutung. Demmer, von Beruf Arzt,  ergänzte, dass der Flug nach Thailand nur ein Angebot sei. Nicht für jeden sei das notwendig. Erfolg des Projekts "hoffen bis zuletzt" sei es, die Angehörigen dazu befähigt zu haben, "sich ein Urteil zu bilden, was ihnen noch fehlt".

Während das Projekt im Januar auslaufe, zeichne sich ab, dass die "Schicksalsgemeinschaft" zusammen bleibe, jedenfalls, dass sich viele Gruppen weiter treffen werden, berichtet Rieske. Außerdem gebe es Betroffene, die jetzt erst von diesem Hilfsangebot erführen oder sich erst jetzt eingestünden, dass sich doch nicht allein klarkommen.

 

 

 

neu; Fotos: VEM, EKiR.de /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 20. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 7. Februar 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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