Jugendarbeit NRW

"Das Gesetz muss umgesetzt werden"

Die Jugendarbeit braucht jetzt dringend wieder Unterstützung. Das sagt Klaus Brewig (62), Referent für Offene Arbeit im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) angesichts der NRW-Sparpläne. Ein Interview.

Das Land spart, und die Kirchengemeinden stehen in finanziellen Engpässen: Jugendzentrum in Köln-Nippes. Das Land spart, und die Kirchengemeinden stehen in finanziellen Engpässen: Jugendzentrum in Köln-Nippes.

Vor einem Jahr glückte die Volksinitiative „Jugend braucht Zukunft“. Folge:  Das Land Nordrhein-Westfalen ist verpflichtet, die Kinder- und Jugendarbeit ab 1. Januar 2006 mit jährlich 96 Millionen Euro zu fördern. Nun droht die Zusage ins Leere zu laufen. Denn das Kabinett berät für 2006 einen Sparetat. Wie dramatisch ist die Lage?

Statt der 96 Millionen pro Jahr bis zum Jahr 2010 wird in Aussicht gestellt, bis zu 75 Millionen in den Haushalt einzustellen. Die schwierige Lage der Kommunen – viele stehen unter Haushaltssicherung – führt dazu, dass auch von dieser Seite in vielen Fällen die Förderung bereits gekürzt wurde. Hinzu kommen die finanziellen Engpässe der Kirchengemeinden, die die Trägerinnen der Einrichtungen Offener Jugendarbeit sind.


Die offene Jugendarbeit muss mit den Kürzungen leben können, immerhin wird sie ja auf dem Niveau diesen Jahres bleiben. So argumentiert der zuständige Minister. Was ist dagegen einzuwenden?

Die Einrichtungen (gesamt NRW) haben bereits seit zwei Jahren mit Mindereinnahmen von insgesamt 10 Millionen leben müssen. Die Landesförderung ist von ursprünglich 33,5 Millionen auf 23 Millionen zurück geführt worden. Die Tatsache, dass man auf Grund des neuen Kinder- und Jugendförderungsgesetzes wieder mit einer höheren Förderung rechnen konnte, hat Träger bewegt, auf Rücklagen zurück zu greifen, um die Zeit des Mangels zu überbrücken. Man darf befürchten, dass viele Träger dies nicht länger aufrecht erhalten.


Überall wird gespart. Ihre drei wichtigsten Argumente, warum ausgerechnet die offene Jugendarbeit ausgenommen werden sollte?

Die Angebote sind niederschwellig und richten sich an Kinder und Jugendliche mit Benachteiligungen. In der Offenen Arbeit haben etwa 40 Prozent der Besucherinnen und Besucher eine Zuwanderungsgeschichte. Die Angebote der Offenen Arbeit fördern eine Verständigungskultur.


Wie wird der Widerspruch aussehen? Und wird es tatsächlich eine Kampagne geben?

Die politischen Vertretungen der Jugendarbeit werden öffentlichkeitswirksame Gelegenheiten ergreifen, die Politikerinnen und Politiker an ihre Zusagen und das Jugendförderungsgesetz zu erinnern.


Welche Unterstützung bräuchte die offene Jugendarbeit jetzt von wem am dringendsten?

Nicht nur die Offene, sondern auch sonstige Jugendarbeit brauchen den Einsatz von Parlamentariern auf Orts- und Landesebene für die Umsetzung des geltenden Gesetzes. Jugendarbeit braucht – wie bei der Volksinitiative – wieder den engagierten Beistand der Gemeinden und kirchenleitender Personen und Gremien.

 

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 8. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Sonntag, 11. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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